Absentminded

28 05 2009

Wenn eine 97jährige Dame mir selbstvergessen den Busen tätschelt und mitteilt, sie werde für mich beten, komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob Gott bei manchen Gebeten wohl in den Tisch beisst…





German Understatement

26 05 2009

Auf die Frage unseres Chefs hin, wie wir denn im Nachtdienst mit den Temperaturen über 30 Grad und der grade extrem hohen Arbeitsbelastung klar kommen, antwortet mein Nachtdienstpartner, seines Zeichens gelernter Historiker, mit einem rund dreiminütigem Monolog. In dieser grammatikalisch zwar nicht völlig korrekten, aber mit sehr viel Verve vorgetragenen Rede erkannte ich plötzlich die volle Tiefe und Farbigkeit der deutschen Sprache, die nicht nur über rund 30 Synonyme für die Worte katastrophal, grauenhaft und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen verfügt, sondern in die man auch locker-flockig in jeden Satz vier Kraftausdrücke und zweimal das Wort verfickt einbauen kann.

Er hält plötzlich inne, schaut mich an und sagt: „Angesichts der Tatsache, das eine überaus wohlerzogene junge Dame anwesend ist und gerade versucht mich mit einem pikierten Blick an weiteren Ausführungen hindern, fasse ich mit ihren Worten zusammen: Keine Besonderheiten.“

Und da heißt es immer nur Anglophone seien zu echtem Understatement fähig.





Memorial Day

25 05 2009

Heute ist Memorial Day… der traditionelle Beginn der Sommersaison in Amerika und gleichzeitig der Tag an dem Amerika denjenigen gedenkt, die nicht lebend aus den Kriegen zurückkehrten. Für die Deutschen, die – auch wenn sie es nicht gerne zugeben – ebenfalls einen Hang zur Pathetik haben, oft eine merkwürdige Kombination. Wie kann man denn einerseits einen Tag der Trauer und der Erinnerung an die Gefallenen widmen und zugleich die Picknicksaison eröffnen. Aber beides hat seine Berechtigung… wir feiern, vielleicht unbewusst, die Tatsache am Leben zu sein, ohne diejenigen zu vergessen, die nach amerikanischem Verständnis für den Erhalt unserer persönlichen Freiheit gestorben sind.

Es ist für mich der Tag, an dem ich mich an diejenigen erinnere, mit denen ich seit meinem Ausflug ins amerikanische Militär befreundet bin… einige von ihnen sind in irgendwelchen unwichtigen und unaussprechlichen Sandhügeln gestorben. Für Kriege deren Zweck sich den meisten von ihnen entzogen hat. Sie litten unter Heimweh, Angst, waren traumatisiert und desillusioniert… und haben trotzdem nie den Glauben an ein höheres Ziel und einem Sinn ihrer Aufgabe verloren, so unwirklich mir das erscheinen mag.

Einem von ihnen möchte ich heute etwas sagen… Steve,  rotblond wie seine irisch-schottischen Vorfahren, mit leuchtend blauen Augen, ein hinreißender Kleiderschrank mit gut zwei Metern und zu meinem tiefen Bedauern Berufssoldat. Vermutlich traut sich heute keiner mehr den Colonel des Marine Corps ganz unformell Stevie zu nennen, aber er war die Kindergartenliebe meines Lebens, ich habe keinen Respekt vor seinem martialischen Auftreten und seinen lustigen kleinen Ordenschildchen. Seit rund 20 Jahren ist der bärbeißige Kerl nun schon unterwegs in Sachen Krieg, er hat sich auf den Schlachtfeldern des Golfs hochgedient und in nicht allzu ferner Zeit wird er Brigadegeneral werden – falls er überlebt.

Wir sind zusammen aufgewachsen, haben unsere kleinen Geheimnisse geteilt. Er war der Mann der mir meinen ersten Ring geschenkt hat, selbst gemacht aus Kaugummipapier. Wir haben zusammen Flusskrebse gefangen, er hat mir beigebracht Skateboard zu fahren und ich habe ihm Ketten aus Gänseblümchen umgehängt. Schon damals wollte er nichts anderes tun, als seinem Land zu dienen und eines Tages ein berühmter General zu werden – genau wie die anderen Männer in seiner Familie Soldat zu sein. Und was haben wir deswegen gestritten…

Dieser wundervolle und tiefsinnige Mann, der seinen Traum lebt, zauberhafte Gedichte schreibt und mir meine moralische Unzulänglichkeit sowie meinen Pazifismus mit einem strahlenden Lächeln vergibt… dieser Mann leidet… er leidet wie ein Hund. Er hat in seiner Tasche ein kleines dreckverkrustetes Büchlein, das er seit zwanzig Jahren mit sich herumschleppt. In diesem Buch stehen Namen. Dutzende, vielleicht sind es schon Hunderte. Jeder einzelne Mann, jede einzelne Frau, die in seiner Einheit und unter seinem Kommando gefallen sind, seine persönlichen Freunde aus anderen Einheiten… er listet sie akribisch auf. Er hat Angst auch nur einen von ihnen zu vergessen… zu vergessen, was sie ausgemacht hat, wer sie waren, wie sie lachten, woher sie kamen und wie sie gestorben sind. Jedes Jahr am Memorial Day sucht er sich einen ruhigen Ort und liest diese Namen laut vor, jeden einzelnen.

Vor kurzem hat er mich gefragt, ob ich eines Tages seinen Namen am Memorial Day laut aussprechen werde. Ob ich ihm verzeihen werde, weil er in meinen Augen den falschen Weg geht, ob ich trotzdem verstehe, dass er an das glaubt was er tut. Ob ich ihn vergessen werde…

Stevie…  I will always hate your job and your unbroken faith in military power, but… I will never forget your gorgeous smile, your magnanimity, the pride in your face as you showed me your tatoo, sitting on your lap and feeling very small. Drinking wine cooler on the porch, playing poker, winning your dog tag, missing friends. Countless letters and mails. A warm and loving feeling thinking of you… please take care.

Semper Fidelis my friend, God bless you.

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Enjoy yourself

20 05 2009

Masturbation Month

via Hemingway… der jetzt auch Kaninchen jagt





Frivolitäten

20 05 2009

Ein interessantes Wort… frivol… aufgetaucht in der Blogrolle des ebenfalls interessanten Blogs Goethe der Woche… aber was bedeutet frivol eigentlich? Und vor allem… hab ich das auch? Eine Frage, die mich die ganze Nacht beschäftigt hat… zu meiner Entschuldigung, ich hatte Nachtwache und da macht man sich eigenartige Gedanken, wenn man nachts alleine durch dunkle Gänge schleicht.

Meine erste Assoziation ist ganz klar die schwäbische Hausfrau, die meint durch den Verzicht eines Höschens unter einem bodenlangen Rock bereits den Gipfel anrüchiger Mode erreicht zu haben… Ich trage auf Partys auch bodenlange Röcke… würde aber nie auf den Gedanken kommen, das sei frivol. Mein lackglänzendes Partyoutfit hat eindeutig mehr Ähnlichkeit mit einem Tschador als mit einem schamlosen Outfit, allein der Gedanke an unbedeckte Schultern und halsferne Ausschnitte lässt mich in dem Zusammenhang gruseln.

Nachdem ich klugerweise meinen Assoziationen nicht immer vertraue, habe ich das mal recherchiert… natürlich bei Wikipedia, der ersten Adresse für kaum 18jährige Pornodarstellerinnen… und dort wird mir erklärt:

Mit Frivolität bezeichnet man eine mit sexueller Anspielung versehene Mehrdeutigkeit meist schlüpfrigen Charakters.

Aha. Sehr aufschlussreich und kein Stück weiterhelfend, außer dem Verdacht das frivoles Verhalten tatsächlich etwas mit Schlüpfern zu tun hat…  aber was bitte bedeutet in dem Zusammenhang Mehrdeutigkeit? Und wenn es eine Bedeutung haben sollte… bin ich denn mehr als eindeutig in meinen sexuellen Anspielungen? Wenn ja, sollte ich das wohl dringend ändern… Mehrdeutigkeit ist was für Politwissenschaftler, aber sicher nicht für schlichte Sexisten wie mich.

Unverdrossen mache ich mich auf die Suche nach Synonymen, vielleicht findet sich ja da ein Hinweis darauf, was denn unter frivol zu verstehen ist: Ausgelassen, leichtfertig, lasziv, anrüchig, willig, ungehörig, schlüpfrig. Jetzt kommen wir der Sache schon näher…

Obwohl… ausgelassen bin ich eher selten, Leichtfertigkeit ist auch nicht meins. Lasziv kann ich zwar buchstabieren, wärs auch sicher gerne mal, aber lassen wir das. Anrüchig… klingt gut, hat was von Mata Hari, aber nachdem die auch lasziv war, kann das wohl nicht wirklich auf mich zutreffen – Schade eigentlich.

Willig… aber bitte doch gerne… ich liebe willige Männer, unwillige fast noch mehr, da kann ich durchaus ungehörig werden… hmm… ja, ich mach gelegentlich Dinge, die sich sogar ganz sicher nicht gehören, allerdings gebe ich zu bedenken, dass diese Ungehörigkeit sich ausschliesslich aus der gesellschaftlichen Vorstellung dessen definiert, das von derselben als akzeptabel empfunden wird – in einer anderen Galaxie sieht man das möglicherweise völlig anders…

SchlüpfrigUnd am Ende taucht wieder dieses Wort auf… schlüpfrig… ist das ein schlüpfrig im Sinne von feucht, glitschig, nass? Dann könnte ich vielleicht ja doch eine Meinung dazu haben… oder zumindest eine weitere Assoziation, die sich aber gesellschaftskonform als etwas unangemessen erweisen dürfte… Wenn es um die Wäsche geht – den guten alten Schlüpfer – dann will ich gar nicht drüber nachdenken, was mir dazu für Bilder in den Kopf kommen… Ein Grund wieso diese Frivol-Sache nach dieser Herleitung auf mich nicht zutreffen kann, erschliesst sich aber daraus… meine Leidenschaft für Dessous… ich würde in etwas, dass man als Schlüpfer bezeichnet, nicht mal begraben werden wollen. Ganz sicher nicht.

Womit am Ende eine Frage bleibt… was ist frivol denn nun eigentlich? Ist das womöglich so etwas ähnliches wie Bielefeld? Fragen über Fragen, die sich für das sinnfreie Philosophieren auf dunklen Gängen zwischen schlafenden alten Damen in geblümten Schlüpfern hervorragend eignen. Vielen Dank auch.





300

18 05 2009

Stevia ist 300mal süßer als Zucker,  in Bad Aibling wurde eine 300 Zentimeter lange Haifischattrappe gestohlen, der Mercedes 300 SL Panamericana ist ein ziemlich heißes Auto, in den vergangenen sieben Jahren wurden rund 300 Frauen in der Türkei Opfer von Ehrenmorden, auf 300 flirtwillige Männer im Internet kommen etwa einhundert Frauen,  auf Gran Canaria scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne, Jacques de Vaucanson wurde vor 300 Jahren geboren, die chinesische Mauer ist fast 300 Kilometer länger als man dachte,von den 300 Männern aus dem Film 300 kann frau locker 300 Jahre lang träumen, ein ICE kann bis zu 300 km/h schnell fahren,  die Porzellanmanufaktur Meißen ist 300 Jahre alt, David Bowie möchte gerne 300 Jahre alt werden,  im Main-Kinzig-Kreis wurden 300 Kilo Hackfleisch ausgesetzt, der Saal 4 im Traumpalast Esslingen hat 300 Plätze, 300 Enten wurden täglich in der Mensa des Olympischen Dorfs in Peking verbraten, jährlich werden mehr als 300 Millionen Liter Cola verkauft, die Weser wird in 300 Liedern besungen, um 300 n. Chr. übernimmt die christliche Antike den geflügelten Erosknaben in ihre Symbolik, das NASCAR Dollar General 300 Meilen wird auf dem Lowe’s Motor Speedway in North Carolina ausgetragen, Filippo Inzaghi vom AC Mailand schoß am achtundzwanzigsten Spieltag der Seria A das 300. Tor seiner Profi-Karriere, bei einem Orgasmus werden bis zu 300 Kalorien verbrannt, Jasmin St. Claire hatte innerhalb von vierundzwanzig Stunden Sex mit 300 verschiedenen Männern, bei einem versprochenen Gewinn von 300 Cent spielen mehr Menschen beim Glückspiel mit als bei einer Gewinnsumme von drei Dollar, ein USB-Vibrator verbraucht maximal 300 mA, um fünfzehn Brezeln zu laugen braucht man drei Liter Wasser und 300 Gramm Natriumcarbonat, in Sacramento hat ein  Mann 300 Katzen in Gefrierschränken eingefroren…

…und Insubordinantes Denken hat seit heute 300 Blogeinträge.





Tanzbar

17 05 2009

Man darf sich bei den Liedern meiner Pubertät gelegentlich durchaus fragen, wie aus uns eigentlich was werden konnte… also zumindest bei denen, die überhaupt ein ansatzweise lebensfähiges Konzept entwickelt haben… denn um ehrlich zu sein, wir waren 1985 überwiegend mit Tanzen, Feiern und grauenhaften Klamotten  beschäftigt. Und ja, ich hab auch getanzt – mehr noch, ich habe mindestens 5 Paar der Schuhe aus diesem Video getragen. High Heels natürlich nur mit gestreiften Kniestrümpfen. Ich hab ja Klasse.





Waschstraßenweisheiten

16 05 2009

Angesichts der demonstrierten innigen Zuneigung zwischen manchen Männern und dem Objekt ihrer Begierde, dem liebevollen Streichen mit einem nebelfeuchten Schwamm über den glänzenden Lack, dem zarten Wegpusten imaginärer Staubkörner von den Außenspiegeln und dem sorgfältigen Abtrocknen entwischter Wassertropfen an den unzugänglichen Stellen unterhalb der Fahrertüre wundert es mich nicht, dass Frauen in der Welt der Selbstwaschanlagen eher exotisch erscheinen. Frauen sind zu pragmatisch  für sowas. Es reicht völlig, wenn das Auto hinterher sauberer als vorher ist – es muss sich nicht auch noch wohlfühlen.

Aber… auch in einer Waschanlage  ist nicht ein Mann wie der andere… wer sich einmal die Zeit nimmt, das Geschehen in des Mannes liebsten Badezimmer zu beobachten, wird feststellen, dass es gravierende Unterschiede gibt – zwar nicht bei der Hingabe gegenüber ihrem Auto, aber bei anderen Merkmalen, die für Frauen durchaus eine gewisse Bedeutung haben können. Rein hypothetisch natürlich.

Da gibt es den Typ „junger Italiener“, der auch jede andere Nationalität haben kann. Schnittiges Auto, tendenziell neuesten Baujahrs, wenn auch eher von Papa geliehen als selbst gekauft, immer top gepflegt – das Auto, nicht der Kerl. Dieser Mann kann ohne bewundernde Blicke seiner devot hinter der Waschbox stehenden Freundin und eines laut hämmernden Basses offensichtlich kein Auto waschen und ist augenscheinlich nicht in der Lage, sich auf mehr als eine Sache zu konzentrieren. Weh dem, der in der Nachbarkäfig einen Blutsturz erleidet – der kriegt höchstens einen bösen Blick zugeworfen, weil das Blut die frisch gewaschenen Reifen versaut. Als potentieller Liebhaber ungeeignet, ich will einen Mann im Bett meinen Namen sagen hören und nicht den seines Autos.

CarwashWenn ein Mann erst vier Getränkekisten und dann zwei Kindersitze auslädt und dann mit Tränen in den Augen die Butterkekskrümel aus dem Polster seines Kombis pickt, dann hat man einen „Familienvater“ entdeckt. Nicht nur die unsäglichen Namensaufkleber an der Heckscheibe verraten ihn, sondern auch die wohl langsamsten Bewegungen in der Waschstraßenwelt. Er ist nicht müde oder traurig, nein… er versucht die Zeit fernab seiner zwei greinenden Kleinkinder und seiner Frau möglichst lange auszudehnen… er ist in seinem persönlichen Paradies. Sprich ihn nicht an, er wird sowieso keinen Kopf für eine Affäre haben – es sei denn du willst die halbe Nacht über Windelschorf reden.

Interessanter ist da schon der „Typ von nebenan“. Das Auto ist eher unauffällig, gerne silber lackiert und der Kerl selbst nicht völlig in seiner Tätigkeit versunken. Er wird sehr wohl bemerken, dass der Geldeinwurfschlitz des Wechselautomaten in rund zwei Meter Höhe für dich nicht zu erreichen ist – eine Boshaftigkeit der Waschstraßenbetreiber um Frauen fernzuhalten. Er wird dir eine Weile zusehen und dann mit einem kleinen Grinsen auf dich zuschlendern und dich fragen, ob er dir helfen kann. Kann er… sicher auch auf etwas andere Art und Weise… aber länger als zwei Wochen wird wohl keine Frau das maliziöse Grinsen bei der Nacherzählung der Kennenlerngeschichte kaum ertragen.

Und dann war da noch der  „hilfsbereite Engel“…  etwas älter, gepflegte Umgangsformen, gediegenes aber unauffäliges Auto. Er  erkennt er jede hilfsbedürftige Frau und schnappt sich ohne viel Aufhebens den Staubsauger. Er hört dir andächtig zu, lächelt an den richtigen Stellen und gibt Antworten, aus denen sich erkennen lässt, das er zumindest bemüht ist der Unterhaltung zu folgen, während er dein Auto für dich zu Ende putzt. Anschließend wird er dich zu einem Kaffee einladen und trotz deiner Proteste darauf bestehen zu bezahlen. Im Bett der Himmel auf Erden – die Lust seiner Angebeteten wird genauso hingebungsvolle Beachtung erfahren, wie sein Auto. Allerdings wird er nach drei Monaten fragen ob du ihn heiraten willst. Denk gut drüber nach, ein Kerl der dich befriedigt und den Müll runterbringt ohne zu nörgeln ist zwar selten – aber möglich, dass frau sich schneller langweilt als ihr lieb ist.

Das Fazit – es gibt keines… ausser das sich Waschanlagen durchaus zu soziologischen Studien eigenen… und Frauen dort in jeder Hinsicht die eine oder andere durchaus interessante Entdeckung machen können… während ein in naher Zukunft ein vielleicht nicht mehr ganz so fremder Fremder ihr Auto wäscht.





Home, sweet home

16 05 2009

Nach langer Suche hab ich es tatsächlich geschafft eine geeignete Wohnung für mein Hundchen und mich zu finden… meine Familie zeigt sich wenig erstaunt darüber, dass es mir gelungen ist, die wahrscheinlich unattraktivste Wohnung in einem uralten Haus in einer der schrägeren Ecken Stuttgarts aufzutreiben. Das in dem Haus neben dem stinkigen Hund und mir auch noch einige Menschen mit sehr eigenwilligen und unaussprechlichen Namen wohnen, schräg gegenüber die AntiFa ihr Hauptquartier hat und um die Ecke nicht nur eine etwa aus den 1820ern stammende Kneipe samt ihrem Inventar angesiedelt ist, sondern auch ein entzückendes kleines Bordell seinen Sitz hat, macht das ganze Wohnlage irgendwie… ähm… romantisch… auf eine kubanisch-heruntergekommene Art…

KubaDas meine Mom zu der Wohnung meinte: „Naja… irgendwie passt sie zu dir… und vermutlich nur zu dir“, tut meiner Freude keinen Abbruch. Sie denkt allerdings, das ein Wohnumfeld in dem viele Ausländer wohnen eher suboptimal ist… sie hat sich weitere Bemerkungen nach meinen Hinweis auf meine Staatsbürgerschaft klugerweise verkniffen… das sie so ihre eigenen Ansichten dazu hat, das man freiwillig im Erdgeschoß in einer „terroristenverseuchten Gegend“ lebt, konnte sie allerdings nicht verheimlichen. Auch nicht das sie drei Meter hohe Räume, die mit insgesamt nur einem Heizkörper beheizt werden, eher unwirtschaftlich findet. Das die komplette Wohnung renovierungsbedürftig ist, brauche ich an dieser Stelle wohl kaum zu erwähnen…

Diese Wohnung ist schlicht perfekt für jemanden wie mich… sie fühlt sich genauso an, wie einer dieser seltsam dümmlichen Mischlingshunde und der ungewöhnlich eigenwilligen Männer an denen mein Herz immer hängenbleibt. Ich glaube wir werden uns mögen…





Helden des Alltags

9 05 2009

Irgendwo in den Weiten des Internets bin ich über eine Fotografie von Dulce Pinzón gestolpert… und habe ein wunderbares Statement aus einer Welt entdeckt, mit der der gemeine Amerikaner so garnicht viel zu tun hat. Die Latinos in New York – die nicht nur Jobs machen, die schlecht bezahlt sind, sondern auch durch lange Arbeitszeiten, körperliche Anstrengung und wenig soziale Anerkennung geprägt sind – und dennoch jeden Monat einen Großteil ihres Verdienstes in ihr Heimatland schicken… Mexico… das inzwischen von diesem hart verdienten Geld abhängig ist.  Um uns ein wenig zum Nachdenken anzuregen, hat sie diese Menschen als klassische amerikanische Comichelden in Szene gesetzt und mir dankenswerterweise auch die Erlaubnis gegeben, ihre Bilder zu verwenden.

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Superman

NOE REYES (State of Puebla) – Bote in Brooklyn, New York
schickt 500 Doller pro Woche nach Hause