Vermutlich gibt es für jeden Menschen einige prägende Gestalten in seiner persönlichen Vita… Nein, ich meine nicht die Idole aus Teenagerzeiten um derenwillen man seine Haare verunstaltet oder die eher historischen Vorbilder, die man sich sucht in dem unbewussten Wissen, deren überragende Bedeutung in dem kleinen Leben das man lebt niemals erreichen zu können. Die Menschen die uns prägen, eine Bedeutung für unser alltägliches Dasein haben, uns Werte vorleben, die unser Handeln und unsere Art zu erleben beeinflußen… sie sind meistens keine politischen oder ideologischen Lichtgestalten, keine schriftstellerischen Genies oder herausragende Nobelpreisträger…
Neas. Eine Frau, die ihr ganzes Leben in einem kleinen Bergdorf verbracht, die ein extrem einfaches, arbeitsreiches und erfülltes Leben gelebt hat. Tief religiös mit hohen moralischen Normen und dennoch von einer unglaublichen Neugier und Toleranz allem Neuen, Anderen und Fremden gegenüber. Ihr Glaube hat sie nie dazu veranlasst, das Leben anderer zu ver- oder beurteilen – ein Maß an Akzeptanz, das mir zum Vorbild wurde. Und dennoch habe ich nie eine Frau getroffen, die mit soviel Leidenschaft beim Kartenspielen geschummelt hat wie sie – und dabei auch noch so gut war.
Wenn ich an Neas denke, fallen mir die vielen kleinen Dinge ein, die ich bei ihr gelernt habe. Das Fleisch nicht aus Supermarktregalen stammt, sondern von dem entzückenden kleinen Schwein, das ich gefüttert und gekrault habe. Sie hat mir gezeigt, wie man eine Kuh melkt, wie man die Hühner des Nachbarn verscheucht und wie man Schüttelbrot und Speck macht. Ich habe von ihr gelernt, das Rotwein auch aus schlichten Gläsern hervorragend schmeckt, wenn die Gesellschaft stimmt und eine Stunde auf der Treppe vor dem Haus mit Blick auf die Berge Frieden definiert. Aber… müßige Hände sind des Teufels Spießgesellen – ein Glaube, den sie zu meinem gelegentlichen Leidwesen mit einer der anderen wichtigen Frauen meines Lebens, Sr. M. Consulatrix, geteilt hat.
Ich erinnere mich an den Geruch des Holzfeuers in der Küche und höre ihre Stimme in dem eigenartigen Dialekt des Dorfes. Viele Wörter sind mir heute fremd geworden, aber ich sehe sie vor mir, wie sie mit Nähzeug in der Hand voller Faszination mit einem Enkel auf dem Schoß David Hasselhoffs Abenteuer in der Serie K.I.T.T. auf RAI uno verfolgt und mit boshaften kleinen Bemerkungen über Realitäten kommentiert.
Eine halbe Autostunde von dem entfernt, was die meisten von uns unter Zivilisation verstehen, hat sie drei großartige Frauen großgezogen, eine Tochter verloren, war meinem Vater Heimat und Zuflucht, wurde früh Witwe, überlebte elf ihrer dreizehn Geschwister. Sie betrieb eine Pension, bewirtschafte einen Bauernhof, stopfte eine Menge Mäuler und hatte trotzdem immer Zeit für die Menschen, die zu ihr kamen. Sie hatte einige der für mich bewundernswertesten Eigenschaften, die ein Mensch besitzen kann… Gelassenheit, die Kraft und den Mut, die Dinge so zu nehmen wie sie sind, aus dem was man hat, das Beste zu machen. Dankbarkeit für das zu empfinden, was man hat und nicht ständig danach zu streben, etwas Besseres zu bekommen oder zu sein als man ist.
Mit ihr hat die letzte der großen Frauenfiguren meines Lebens Abschied genommen. Sie wird jetzt in einem schlichten Kiefernsarg, so einfach wie ihr gesamtes Leben, auf dem kleinen Friedhof neben der Kirche ausruhen, mit Blick auf die Gipfel der Dolomiten, die ihr gesamtes Leben begleitet haben.


Zuallererst kochen wir die Kartoffeln in Salzwasser weich, übrigens ein guter Zeitpunkt um die CD zu wechseln, Falco passt auch gut und ist nicht ganz so nervenzerfetzend wie der ewige Walzer. Anschließend müssen die Kartoffeln geschält und noch WARM zu Kartoffelbrei verarbeiten. Vorzugsweise mit diesem Kartoffelbreimachgerät, ein Erbstück eben jener Oma, aber Menschen ohne großmütterliche Kochtradition können alternativ auch eine Gabel hernehmen. Stichverletzungen sind zwar schmerzhaft, aber nicht tragisch.
Umweltbewusste Menschen, also wir, schmelzen die Butter auf der noch warmen Kochplatte und kippen diese dann mit den restlichen Zutaten in den Kartoffelbrei – Die Zwetschgen und den Würfelzucker kannst du übrigens wieder rausholen – und verarbeiten diese überaus klebrige Pampe zu einem ansehnlichen Brei. Erinnert sich noch jemand an 
Die Knödel legen wir dann vorsichtig in siedendes Wasser und, erschöpft aber nahe am Ziel, wenden wir uns der Beilage zu: Süße Grieben. Heißt vermutlich anders, aber wir kochen hier nach meiner Oma ihrer Linguistik. Zutaten sind Butter, gern reichlich, denn wir sind in Österreich… Semmelbrösel und Zucker. Und auch hier kann der Mann wieder helfen: Die Butter zerlassen, Brösel drin anschwitzen und mit Zucker abschmecken – Fertig.
Trotzdem, ich mag die Wikipedia und ich möchte mich bei all jenen Männern in der Wikipedia bedanken, die mich bestärken, hart aber fair diskutieren, mich als Autorin respektieren wie jeden anderen Mann, mich korrigieren, zum Lachen bringen und mir gelegentlich auch in den Popo treten. Einer von ihnen hat mit geraten: „Liebes, meld dich einfach unter einem Männernamen an und es wird alles viel einfacher für dich.“ Ich werde das nicht tun, jedenfalls noch nicht… Ich werde brav weiterhin mein kleines rosanes Fähnchen hochzuhalten und auf verlorenem Posten auf die durch und durch weibliche Kavallerie warten.









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