Nachdem ich in typisch amerikanisch-pragmatischer Manier den wunderbar willfährigen Mann mit einem mehr als hingeschluderten Seil verschnürt hatte, schaut er kopfschüttelnd auf mein Werk…
W.: Und du bist sicher, dass du den Bondageartikel in der Wikipedia lesenswert geschrieben hast? Ivy: <nickt> Jepp, hab ich. W.: Du solltest den Artikel vielleicht noch mal lesen…
Ich hab ja schon gelegentlich erzählt, dass ich seltsame Mails bekomme… meist hab ich auch eine Ahnung woher diese Eigenwilligkeiten stammen. Mails die sich ausschließlich auf meine sexuellen Präferenzen beziehen, sind meistens aus dem Umfeld meines Blogs oder eines der Foren, die ich mehr oder weniger regelmäßig beglücke. Genauso wie Fragen zu meiner Lebensweise. Ich bin ja geduldig in solchen Dingen…
Aber das jemand mich als militant-faschistische radikalfeministische Lesbenschlampe bezeichnet ist irgendwie neu. Natürlich weiß ich aus welcher Ecke des Internets das kommt… ich hab damit auch kein großes Problem damit, dass meine Arbeit in der diskussionsfreudigsten Community der Welt hinterfragt und kritisiert… und auch gerne mal falsch verstanden wird….
Aber bei aller Nachsicht… wie kommt man nur auf die Idee mich als Schlampe zu bezeichnen?
In meiner arbeitgebenden Einrichtung bemühen wir uns redlich darum unsere Pflegebedürftigen irgendwie bei Laune zu halten. Offiziell heißt das Demenzbetreuung, ich bevorzuge dafür den Ausdruck Bewohnerbespassung. Was aber passiert im Laufe einer solchen Schicht, die unfassbarerweise von 15 bis 22 Uhr dauert? Eine Frage, die sicher diejenigen gerne beantwortet hätten, die ihr Geld in die Pflege ihrer Eltern investieren…
15.00 Uhr: Arne und Ivy treten ihren Dienst an, sammeln Piepser, Diensthandys und Schlüssel ein und betreten die Wohnküche. Rund zehn ältere und schwer Demenzkranke erwarten ihren Auftritt.
15.05 Uhr: Arne spendiert erst mal allen eine Runde Pampers Inkontinenzmaterial, während Ivy versucht Herrn S. zu erklären, dass der Holztisch keine Einreibung mit Joghurt benötigt. Nebenbei stellt sie die Klimaanlage neu ein, die Frau F. gutmeinend auf arktisch gedreht hat.
15.45 Uhr: Nach etwa zwanzig erfolglosen Versuchen Frau S. daran zu hindern, mit ihrem Sprudelglas um den Tisch zu rennen, geben Arne und Ivy auf. Arne beginnt mit den Anwesenden ein Kreuzworträtsel, während Ivy den Schrank mit den CDs und Musikkasseten aufräumt, wobei ihr Frau S. hilft, indem sie alle gelben Kassetten entführt und versteckt.
15.50 Uhr: Arne und Ivy fangen zeitgleich an hysterisch zu lachen.
16.05 Uhr: Arne stellt fest, dass er zu doof für das Rätsel ist und bestellt beim DJ etwas Schlagermusik der 1930er. Ivy, bekennende Liebhaberin schöner Frauen, entscheidet sich für Zarah Leander und Marlene Dietrich. Eine gute Wahl, da nicht nur Arne und Ivy die Lieder auswendig können, sondern auch alle anderen Anwesenden begeistert mitsingen.
16.30 Uhr: Nachdem alle Betreuten sich den Liedern ihrer Jugend hingeben, nutzen Arne und Ivy die Chance vor dem Abendessen noch eine zu rauchen und haben ihren zweiten Lachflash.
16.45 Uhr: Der etwa zwei Tonnen schwere Essenswagen trifft ein, während Ivy Brei in die Schüsseln schöpft und Brote kleinschneidet, sammelt Arne die beiden Bewohner ein, die kurzerhand die geöffnete Feuerschutztüre zur Flucht genutzt haben. Bei der Gelegenheit stellt er fest, dass Frau R. klatschnasse Hosen hat und erledigt das auch gleich, wo ja die Türe eh schon offen steht.
16.55 Uhr: Ivy zieht Frau S. wieder an, die sich mangels pflegerischer Zuwendung entschieden hat, dass Nacktsein im Hochsommer durchaus Vorteile hat. Herr D. hat seine helle Freude daran und kommentiert das Geschehen wie ein professioneller Fussballreporter.Arne und Ivy lachen Tränen.
17.00 Uhr: Alle sind um den großen Esstisch versammelt, bekommen ihr Essenstablett oder ihr Breischüsselchen – übrigens an 365 Tagen im Jahr Grießbrei – und es kehrt kurzzeitig Frieden und Ruhe ein. Arne und Ivy nutzen die Gelegenheit zu klären, wer von beiden genervter ist und zuerst wieder zum Rauchen darf. Arne beißt in den Tisch und gewinnt.
17.15 Uhr: Nachdem alle die selbst essen können versorgt sind, setzt sich Ivy zu Herrn S. und füttert ihn gibt ihm Essen ein. Leider mag er keine Nudelsuppe, also spuckt er alle Nudeln wieder aus. Er mag auch offensichtlich kein Apfelmus. Ivy geht sich umziehen.
17.45 Uhr: Arne bringt den Wagen in die Küche und macht Pause. Ivy unterhält sich mit den Anwesenden über das Wirtschaftswunder und erfährt dabei eine Menge Dinge, die ganz sicher nicht in der Wikipedia stehen. Der erste Italienurlaub, den anscheinend alle in den 1950ern erlebt haben, ist trotz teilweise sehr schwerer Demenz sehr präsent, also sucht sie die CD mit den italienischen Schlagern aus der Zeit.
18.15 Uhr: Arne übernimmt das Gespräch, während Ivy Pause macht.
18.20 Uhr: Frau C. besteht darauf ins Bett gebracht zu werden, lässt sich aber durch Dean Martin und „Volare“ daran hindern.
18.30 Uhr: Arne und Ivy tanzen unter Beifall der Anwesenden Twist und beschliessen zusammen auf eine Fetishparty zu gehen, obwohl sie sich nicht einigen können, wer dann die Frau sein darf. Sie vertagen die Entscheidung auf den nächsten Dienst. Herr D. stellt fest, dass Frau S. verrückt ist, aber er mit ihr gemeinsam im Sitzen tanzen kann.
18:50 Uhr: Die Tanzvorstellung wird mit einem ziemlich heißen Mambo beendet und die Stationspflegekräfte holen die ersten bettreifen Pflegebedürftigen ab.
19.20 Uhr: Ivy gibt den Kampf mit Frau C. auf, die eigentlich bis 20 Uhr aufbleiben soll und bringt sie ins Bett. Arne spielt solange „Mensch ärgere dich nicht“ mit Herr D., Frau S. und Frau F.. Nachdem sich Frau F. sich nicht zielgerichtet bewegen kann, bewegt Arne ihre Spielfiguren, was Herr D. seltsam findet und Betrug wittert. Während der Debatte darüber verschwinden alle gelben Spielfiguren.
20.00 Uhr: Herr S. darf ein bisschen fernsehen damit er müde wird. Frau S. wird beauftragt, einen Stapel Servietten zusammen zu falten, während Arne und Ivy die Küchenzeile aufräumen. Herr D. wird auf die Station abgeholt und bedankt sich für den netten Abend bei der Kellnerin. Leider ohne Trinkgeld zu geben.
20.10 Uhr: Arne stellt fest, dass die höchst mobile Frau W. verschwunden ist und macht sich auf die Suche.
20.30 Uhr: Frau W. ist wieder aufgetaucht, natürlich zwei Minuten nachdem Ivy die Polizei angerufen hat und einen Anschiß kassiert hat, weil sie nicht wußte, was für eine Farbe Frau W.s Hosen hatten.
20.32 Uhr: Ivy ruft nochmal die Polizei an und bläst die Suche ab. Der Polizist lacht sich halbtot, während Ivy drauf und dran ist, einen Beamten zu beleidigen.
20.45 Uhr: Arne bringt Herr S. ins Bett, nachdem er von Ivy daran gehindert wurde, die dauerplappernde frühere Lehrerin Frau S. zu erwürgen, die versucht hatte ihm eine Strafarbeit aufzugeben. Er muss stattdessen nachsitzen.
21.12 Uhr: Ivy muss 50 Mal: „Ich muss immer eine Strickjacke tragen.“ an die Tafel schreiben. Frau F. kichert das erste Mal seit Wochen. Ivy setzt sich in einen Rollstuhl und schmollt.
21.30 Uhr: Arne und Ivy streiten darum, wer Frau S. ins Bett bringen muss. Nachdem Ivy 20 Zentimeter kleiner ist, gibt sie nach. In Frau S. Unterwäsche tauchen dann die vermissten gelben Spielfiguren wieder auf.
21.47 Uhr: Alle Betreuten sind im Bett, Arne und Ivy räumen das Wohnzimmer auf, plaudern, desinfizieren alles was gelb ist und dokumentieren alle pflegerelevanten Ereignisse.
21.59 Uhr: Feierabendzigarette und die Feststellung, dass das ein verdammt ruhiger Tag war.
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Zur Kenntnisnahme für diejenigen, die für diese Art der Betreuung bezahlen: Üblicherweise wird diese Aufgabe von einem einzelnen Mitarbeiter erledigt. In den seltensten Fällen handelt es sich dabei um examinierte und erfahrene Pflegekräfte.
Mit einem tiefen Knicks und einer Verbeugung… Arne und Ivy
Wenn eine 97jährige Dame mir selbstvergessen den Busen tätschelt und mitteilt, sie werde für mich beten, komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob Gott bei manchen Gebeten wohl in den Tisch beisst…
Stevia ist 300mal süßer als Zucker, in Bad Aibling wurde eine 300 Zentimeter lange Haifischattrappe gestohlen, der Mercedes 300 SL Panamericana ist ein ziemlich heißes Auto, in den vergangenen sieben Jahren wurden rund 300 Frauen in der Türkei Opfer von Ehrenmorden, auf 300 flirtwillige Männer im Internet kommen etwa einhundert Frauen, auf Gran Canaria scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne, Jacques de Vaucanson wurde vor 300 Jahren geboren, die chinesische Mauer ist fast 300 Kilometer länger als man dachte,von den 300 Männern aus dem Film 300 kann frau locker 300 Jahre lang träumen, ein ICE kann bis zu 300 km/h schnell fahren, die Porzellanmanufaktur Meißen ist 300 Jahre alt, David Bowie möchte gerne 300 Jahre alt werden, im Main-Kinzig-Kreis wurden 300 Kilo Hackfleisch ausgesetzt, der Saal 4 im Traumpalast Esslingen hat 300 Plätze, 300 Enten wurden täglich in der Mensa des Olympischen Dorfs in Peking verbraten, jährlich werden mehr als 300 Millionen Liter Cola verkauft, die Weser wird in 300 Liedern besungen, um 300 n. Chr. übernimmt die christliche Antike den geflügelten Erosknaben in ihre Symbolik, das NASCAR Dollar General 300 Meilenwird auf dem Lowe’s Motor Speedway in North Carolina ausgetragen, Filippo Inzaghi vom AC Mailand schoß am achtundzwanzigsten Spieltag der Seria A das 300. Tor seiner Profi-Karriere, bei einem Orgasmus werden bis zu 300 Kalorien verbrannt, Jasmin St. Claire hatte innerhalb von vierundzwanzig Stunden Sex mit 300 verschiedenen Männern, bei einem versprochenen Gewinn von 300 Cent spielen mehr Menschen beim Glückspiel mit als bei einer Gewinnsumme von drei Dollar, ein USB-Vibrator verbraucht maximal 300 mA, um fünfzehn Brezeln zu laugen braucht man drei Liter Wasser und 300 Gramm Natriumcarbonat, in Sacramento hat ein Mann 300 Katzen in Gefrierschränken eingefroren…
…und Insubordinantes Denken hat seit heute 300 Blogeinträge.
Fast auf den Tag genau vor sieben Jahren hab ich mir bei einem Unterrichtsbesuch auf einer Intensivstation ein paarMethicillin-resistente Staphylokkoken im Mundraum eingefangen. Heute… nach Antibiosen, drei Operationen, zerfetzen Kuscheltieren, ungezählten Zahnarztbesuchen, zwei verlorenen Zähnen, einigen Wurzelresektionen, komplett sanierten Zähnen, ein paar Spüldrainagen, einem ruinierten Mp3-Player und unendlich vielen Tränen inklusive der dazu passenden Panikattacken… sagte mein Kieferchirurg mit einem breiten Grinsen die magischen Worte:
„Das wars…“
Ich hab zwar ein paar Minuten gebraucht um das zu verstehen, aber ich denk es passiert ihm nicht oft, dass ihm eine Patienten um den Hals fällt und ihn abknutscht. Ich glaube, er wird mich vermissen…
Wenn man die Wahl zwischen der Orientierung mittels eines 6 Jahre alten Navis oder der Ortskenntnis der liebsten aller Freundinnen hat, sollte man sich unter allen Umständen für das Navi entscheiden… es sei denn, man möchte die Schönheit kleiner Gehöfte auf der Ostalb im Mondschein für sich entdecken…
Vermutlich ist es nicht besonders schlau seinem Chef zu sagen, dass man in schwarzen Klamotten und mit grünen Turnschuhen immer noch besser arbeitet als die meisten, die zwar eine ordnungsgemäße weiße Uniform mit entzückenden pastellblauen Applikationen tragen, aber ansonsten keine hellen Lichter sind… Zwei Tage später wurde ich von meinem geliebten Chef mit einem sardonischen Lächeln aufgefordert an einer Fachweiterbildung zu Wäschehygiene teilzunehmen – ein Schelm wer darin einen Zusammenhang vermutet… Überraschenderweise war der Dozent wirklich unterhaltsam:
Über die Gefahren von Keimverschleppung:
„Jede Wäsche ist böse, seien sie wachsam!“
„Verdächtige Wäsche erkennen Sie daran, dass es sich um Wäsche handelt – Unschuldsvermutungen sind was für Juristen, hier ist das reale Leben.“
„Glauben Sie etwa der Keim schreit „Hier!“ nur weil eine Krankenschwester ins Zimmer rauscht?“
„Nur hochinfektiöse Wäsche wird der Verbrennung zugeführt… auch wenn das bei der Kleiderwahl einiger Klienten sicher auch sinnvoll wäre.“
Über typische Verschmutzungen:
„Also wenn jemand, sagen wirs mal auf Deutsch, vollgeschissen ist bis zum Hemdkragen…“
„Scheisse, Blut und Tränen… bei uns ist es eher Urin“
„Kratzen sie die Verschmutzung ab… und wenn Sie sich deswegen erbrechen, können sie das auch gleich abwischen.“
„Wenn Sie das Problem ignorieren, klebt das am Patienten fest.“
Über Wäschesortierung:
„Junge Frau, hören Sie auf meinen Wäscheständer so lüstern anzustarren, Ihre Einrichtung kann sich den eh nicht leisten.“
„Sie sollten den Patienten vorher aus der Kleidung entfernen, Sie tun sich dann leichter.“
„Hat ihre Mutter Ihnen denn nie erklärt, dass es verschiedene Stoffarten gibt? Wenn Sie einen Angorapulli zur Kochwäsche geben, kann den hinterher die Katze tragen.“
„Vielleicht ist auch einfacher Katzen anzuschaffen, als Männern zu erklären, wie man Wäsche sortiert.“
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In diesem Sinne… ein wunderbares Stück Burlesque von den Voodoo Trash Dolls:
Das ich auf Zuspätkommen bei der Arbeit gelegentlich etwas pikiert reagiere ist bekannt… das ein verspätetes verschlafenes Eintrudeln morgens um fünf nach sechs von mir lediglich mit stoischer Gelassenheit und Schulterzucken geahndet wird allerdings auch.
Liegengebliebene Autos, vergessene Handys und lebensabschnittspartnerliche Interventionen verführen mich eher schadenfreudigen Kommentaren und über den Tag verteilten sarkastischen Nachtretens… Das ich mitten im Januar (!) nach vier Tagen sibirischer Temperaturen und kniehohem Schnee auf „unerwarteter Wintereinbruch“ mit einer Art sanftglühender Erregung reagiere, hat sich inzwischen auch rumgesprochen…
Und auch wenn ich fanatasievolle Ausreden wirklich schätze und auch bemerkungstechnisch entsprechend honoriere… wenn mich jemand anruft, um mir mitzuteilen, dass es wegen unvorhersehbarer Regenfälle und einer Schwester, die den Familienregenschirm mitgenommen hat, obwohl doch Schnee angesagt wurde – wegen dem man hätte zu spät kommen können - später wird… dann löst das in mir, trotz aller Contenance, doch eine gewisse agiterte Raserei aus…
Und das ist noch sehr, sehr vorsichtig formuliert…
What ?