Monika Dettwiler: Das Siegel der Macht

Storyboard :

Als der Höfling Carolus in den Armen seines Freundes Alexius stirbt und noch ein paar mysteriöse Worte flüstert, ist der Verlauf des kriminalistischen Anteils der Geschichte eigentlich klar… Alexius, trotz der anderen Protagonisten ausnahmsweise ein Grieche und kein Sachse, rennt sich im mittelalterlichen Europa die Füsse wund um herauszufinden, weswegen sein Kumpel eigentlich gemeuchelt wurde.

Es geschieht was erwartet wird, der Bub wird vom Jäger zum Gejagten, während Kaiser Otto III. den Stuhl Petri an den Sachsen Brun vergibt, der als Gregor V. sein Pontifikat antritt. Natürlich eröffnet das der Geschichte neue Möglichkeiten : Aufstände der weltlichen römischen Machthaber, Simonie, Gegenpapst, die konspiarative Idee der Papstkönige .. all das sind mögliche Optionen für den initialen Mord. Um der Geschichte noch einen gewissen Kick zu geben, verknallt sich Alexius heftigst, seine kleine Fickmaus gibt den Löffel ab und er verliebt sich neu in eine hanebüchen emazipierte Frau, die meiner Meinung nach die einzig absolut fiktive Gestalt in der Geschichte ist … seis drum… am Ende bekommt er sie ja eh, was gewiefte Leser einschlägiger Badewannenliteratur ja eh schon beim ersten Treffen zielsicher erahnen. Das er die Maus erst bekommt, nachdem er mindestens das Kaiserreich mit seinem Spürsinn gerettet hat ist eigentlich klar, allerdings gibt es doch die eine oder andere unerwartete Wendung…

Meine Meinung :

Der eigentlich interessante Teil der Geschichte sind für mich die Verhältnisse zwischen den Ottonen, vorallem dem hier noch jugendlichem Otto III., den Päpsten und Gegenpäpsten ( btw. die sterben wie die Fliegen ) und den Klöstern Reichenau und der Abtei von Cluny. Eine recht unterhaltsame und spannende Geschichte, die für einen historischen Roman viele der spannenden Querelen zwischen den weltlichen und kirchlichen Machthabern aufgreift. Insbesondere das die beiden Äbte Abbo von Fleury und Odilo von Cluny in einem Roman nicht als intrigante alte Säcke sondern als besorgte und gebildete, wenn auch machtgierige Männer dargestellt werden, hat mir gefallen. Allerdings hätte gerade diese Zeit deutlich mehr hergegeben… Für Menschen, die keine Vorstellung von den Verhältnissen im Europa des ausgehenden ersten jahrtausends haben, dürfte dieser Roman schwer zu lesen und noch schwerer nachzuvollziehen sein.

Nur am Rande bemerkt: Endgeil ist die Beschreibung des Inneren der Engelsburg, der Rampe und der versteckten Räume im zweiten Bauabschnitt… das natürlich das Liebchen getreu Puccini, wenn gleich nicht freiwillig, von der Zinne stürzt – weia… muss das denn sein ?

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