Von Dampfnudeln, Briefen, Freunden und kleinen grünen Kisten…

Gestern habe ich eine Mail bekommen – ich weiß, dass passiert schon mal – aber es war eine besondere Mail. Eine Mail, die mich für kurze Zeit bedauern ließ, dass kein kleiner Junge in etwa 2000 Jahren zufällig eine kleine grüne Kiste ausgraben wird und meine Briefe finden wird… und das nur, weil heutzutage kaum noch jemand Briefe schreibt… für eine Minute hab ich mir vorgestellt, wie es wäre, diese Mail als echten, handschriftlichen Brief zu bekommen…

Ein Brief von Wolferl, ganz alleine für mich – für mich, nur für mich. Plötzlich überglücklich hüpfe ich die Treppen hoch, während ich den Brief ganz fest an meinen Bauch drücke. Dem Hund, der mich begrüßen will, halte ich ihm den Brief vor die Nase und lache, als er anfängt zu wedeln. Den Brief lege ich ganz vorsichtig auf den Tisch, nur das ihm nichts passiert und hole mir einen Kaffee, setze mich auf meinen Lieblingsplatz am Esstisch. Ganz vorsichtig versuche ich mit den Fingernägeln unter den geklebten Teil des Umschlags zu kommen. Ich knibbel so lange, bis das Papier nachgibt und in Zeitlupentempo, immer Stückchen für Stückchen öffne ich den Umschlag.Endlich, ich zieh das gefaltete Stück Papier aus dem Umschlag, dass Wolferl nur mir zugedacht hat und schnuppere erst mal daran – ich bilde mir ein, ich könnte jede einzelne Zigarette riechen, die er während des Schreibens geraucht hat, den leichten Hauch von Holz im Wohnzimmer, Felis Shampoo und das Fell von Chicco, wenn er von draußen reinkommt. Es ist als würde ich in meinem olfaktorischem Gedächtnis die Haustüre aufstoßen und plötzlich wäre ich wieder dort, eingekuschelt in die Gemütlichkeit einer innigen Beziehung.

Meine Finger, die über das Papier streicheln, lassen die Erinnerung an den hellblauen Kontinenten wieder auferstehen, den Feli ihre Couch nennt. Die Trägheit des Sonntagnachmittags, das Kuscheln mit Wolferl, die leisen Flüstereien, solange wir darauf warten, dass Wolferls Göttin von einer Frau uns Dampfnudeln kocht. Als ich anfange zu lese, höre ich leise Wolferls Stimme in meinem Kopf, sein warmes Lachen und sein unmöglicher Dialekt. Die Geschichte von den poppenden Schimpansen und dem versauten Wochenende ist so malerisch, dass ich Tränen lache und jeden Tag bedaure, den ich nicht mit ihnen sein kann.

Es ist wunderschön, Freunde zu haben, die notfalls auch einen Drachen erfinden, um einen davor beschützen zu können…

Leider war es aber kein Brief und selbst wenn: Der kleine Junge, der in etwa 2000 Jahren zufällig eine kleine grüne Kiste ausgegraben und meine Briefe gefunden hätte, hätte nicht spüren können, was ich spüre, wenn ich Mails bekomme… er wird einfach nach Hause laufen, die Treppen hochhüpfen, die kleine grüne Kiste fest an seinen Bauch pressen und zu seiner Mutter sagen : „Guck mal, Mama… ich hab das Internet gefunden…“

2 Gedanken zu “Von Dampfnudeln, Briefen, Freunden und kleinen grünen Kisten…

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