Steuerverschwendung in der Ära nach Pisa – Betrachtungen von nebenan

Ich wohne gegenüber einer Schule, was ja an und für sich schon eine Prüfung in Leidensfähigkeit ist – andererseits weiss man immer ganz genau welche rustikalen Spracheinheiten grade hip sind und lernt richtig klasse rückwärts einzuparken, weil die Lehrer, denen die Schule ( also auch ich ) einen superschicken Parkplatz spendiert hat, immer bei uns vor der Türe parken. Die Schule ( also auch ich ) hat leider nicht bedacht, dass der superschicke Parkplatz 50 Meter weiter von der Schule entfernt ist, als meine Haustüre… Heerscharen von bildungsgeilen Damen lösen die Lehrer dann abends ab, die Tontöpfchen und Seidentücher wollen ja auch ortsnah in die VHS-Kurse gebracht werden, damit ich das kreative Parken nicht verlerne und die Schule ( also auch ich ) abends noch ein paar Mieteinnahmen hat. Zumindest das finde ich einigermaßen sinnvoll was zu verdienen, wenn ich schon jedesmal 5 Euro für den Strafzettel bei Nachbars abgeben darf – der ist Polizist ( also auch einer meiner Angestellten ) … Man sieht, das Geld bleibt in der Familie

Was mich aber jedes Jahr in schöner Regelmässigkeit, nämlich immer in den Sommerferien, in den Wahnsinn treibt ist die Verschwendungssucht derer, denen ich drei Monate im Jahr den Urlaub von Herzen gönne. Jedes Jahr ( wirklich jedes ) bleibt das Licht in den drei Klassenräumen gegenüber meines Zuhauses einfach brennen. Als Schwabe und ökologisch bewusster Mensch löscht man bei Verlassen des Raumes, zumindest aber doch des Hauses das Licht – nicht so meine lieben Lehrerfreunde. Die huschen zwar mit Birkis zu ihrem Volvo, aber das die mal vor den Ferien das Licht ausmachen täten – no way. Und das bleibt dann auch an… die ganzen Ferien. Denn der Hausmeister, der ist im Urlaub. Zwar sitzt der in seiner Hausmeisterwohnung auf dem Balkon, etwa 100 Meter von der Schule entfernt, aber weigert sich auch auf hartnäckiges Betteln hin, das Licht auszuschalten.

Es ist nicht nur die Tatsache, dass das die Schule ( also auch mich ) einen Haufen Geld für nix und wieder nix kostet, sondern auch das ich wegen des verdammten Lichts gegenüber nicht schlafen kann. Unsere Fenster haben keine Rolläden und so leuchten jetzt jede Nacht unverdrossen 40 Neonröhren ins Fenster. Das man mal sechs Wochen nicht richtig schläft, bringt zwangsläufig den einen oder anderen Alkoholmissbrauch oder alternativ Arztbesuch mit sich, was wiederrum ich bezahle… beides meine ich… und die Drogen.

Eine Rundrufaktion ( ich hoffe ich besitze Telekomaktien ) bei der kompletten Lehrerschaft, die Liste ist schliesslich öffentlich auf der Homepage der Schule zu finden, brachte auch keinen Erfolg – die eine Hälfte ist in der Toskana, die andere Hälfte will die Liste aus den Internet streichen lassen, weil schliesslich sollten dort nur die Verantwortlichen stehen. Die Oberverantwortliche, die Rektorin, gehört übrigens zu der Hälfte in der Toskana, aber das nur am Rande… Die sehr minimalistische Homepage wurde, ebenfalls nur eine Randinformation, von der Homepage-AG gestaltet, hier wäre der Einsatz von ein paar Euros mE durchaus sinnvoll gewesen… aber mei, wenn die dann alle IT studieren, sitzen sie wenigstens im Keller und sind nicht mehr auf der Strasse.

Die nächste naturgegebene Instanz ist das Oberschulamt ( also bin ich wieder dabei ), haben wir zwar eins, aber nachdem die meisten dort höherqualifizierte *hüstel* Lehrer sind, ist dort auch fast keiner zu erreichen und erst recht keiner zuständig für Lichter – die machen nämlich in Bildung, jawohl. Interessanterweise sind dort die meisten in Sizilien und nicht in der Toskana. Ich werde das nächstes Jahr genauer eruieren, das verspricht ein statistisch aufregendes Thema zu sein.

Inzwischen weiss ich, dass auch die Polizei ( also mein Nachbar ) mir nicht helfen kann, der sinnlosen Verschwendung Einhalt zu gebieten. Allerdings könnte er – rein hypothetisch natürlich – wenn jemand in die Schule einbricht, schnell in den oberen Stock laufen und das Licht in den drei Klassenzimmern ausknipsen. Eine Bombendrohung wär optional auch noch drin, allerdings müsste ich dann mit Einparkschwierigkeiten rechnen – andererseits sagt mein Nachbar ( also die Polizei ) die Jungs vom Bombenräumkommando seien echt lecker…

Vielleicht sollte ich mich für die durchwachten Nächte belohnen – die Schulleiterin beim Oberschulamt anschwärzen, dem Hausmeister geschmolzenen Käse in die Lüftung giessen, in die Schule einbrechen, die Homepage samt Homepage-AG entführen, das Licht von der Polizei löschen lassen und mir einen von den Sprengstofflern holen – ob ich da aber zum Schlafen komme ist wieder fraglich…

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