And the winner is…

Natürlich brauchen Kinder während der Schulferien ein Betreuungsangebot, nicht nur weil viele Eltern ja arbeiten, sondern weil viele Eltern vermutlich nach spätestens vier Wochen mit den lieben Kleinen die Schnauze gestrichen voll von ihren Sprösslingen haben. Zu meiner Zeit hieß das Stadtranderholung und war im Prinzip der von der Stadt organisierte Abtransport aller 6 bis 16jährigen in einen stillgelegten Steinbruch um dort unter der Aufsicht einiger übermotivierter 17jähriger zukünftiger Sozialpädagogen zu lernen, wie man 27 Marmeladenbrote essen kann ohne direkt zu kotzen. Alternativ konnte man anhand eines Baches und einiger Dammbaumaterialien wie der Gruppe der kleinsten Teilnehmer lernen wie man aus einem harmlosen Bach eine mittlere ökologische Katastrophe inszeniert. Alles in allem war es ne gute Zeit und wir kamen starrend vor Dreck und hundemüde – die Kleinen auch gern mal halbertrunken – nach Hause.

Heute, in der Neuzeit, ist das wohl anders… aber vieles ist ja anders, z.B. hieß es „Das Kind ist hibbelig“, heute heißt es ADHS – ich muss da allerdings immer fragen, ob das nun die Schäferhundegelenkerkrankung oder das durchgeknallte Kind ist. Meine Nichte ( glücklicherweise ADHS-frei und auch nicht hochbegabt ) war dieses Jahr auch ferienbetreut. Vermutlich von den gleichen, damals 17jährigen angehenden, heute gestandenen Sozialpädagogen, die allerdings deutlich aufgerüstet haben. Heute foltern sie nicht mehr nur die Gruppe der Kinder, sondern haben Methoden entwickelt um auch die Eltern, nahe Angehörige und Freunde der Familie im Rahmen einer organisierten Gesamtschädigung zu erreichen. Raffinierterweise wird der Spaß dann auch noch vom Europäischen Sozialfond finanziert und ist schätzungsweise in Wirklichkeit ein Programm zur Steigerung der Notwendigkeit einer Familientherapie.

Kurzum, man nennt es Filmfreizeit. Die Kiddies erhalten eine Woche lang vom SWR, der auch an dieser Verschwörung beteiligt ist, vollwertiges Filmequipment, ein Tonstudio, pro Gruppe einen Mediengestalter, PCs und Software und natürlich so viele Sozialpädagogen, wie der Landkreis so hergibt. Die Kinder machen alles selbst… vom Storyboard bis hin zum Schnitt, während die Millionen von Helfern und Ehrenamtlichen versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Soweit ist das ja auch in Ordnung, die Blagen haben zu tun, rennen ein bisserl in der Gegend rum und tun als wären sie Steven Spielberg – kein Problem, denkt man da etwas naiv… ABER nach Fertigstellung dieser Machwerke haben die Veranstalter tatsächlich ein Kino aufgetan, das ihnen einen Saal zur Verfügung stellt, damit die Kleinen ihren Familien zeigen können, was sie alles Tolles gemacht haben.

Ich hab wirklich selten so unter einem visuellen Reiz gelitten wie unter diesen sieben Kurzfilmchen. Das waren jeweils die längsten 5-8 Minuten meines Lebens. Aber… ich bin Tante, ich musste ja stark sein und das war ich auch. Weder hab ich meine Schwägerin angemacht für die Idee ihr Kind dahin zu schicken, noch habe ich sie verflucht überhaupt Kinder gezeugt zu haben – zumindest hab ich es nicht hörbar getan. Ich habe stoisch gelächelt und meinen Freund unauffällig daran gehindert, die Produzenten der Nichte und alle anderen Eltern im Saal zu töten. Nach knappen eineinhalb Stunden, das Rahmenprogramm war ebenfalls episch und sozialpädagogisch, war ich dann nur noch in der Lage wieder und wieder vor mich hinzuflüstern, wie glücklich ich bin, einen Hund zu besitzen… und mich selbst daran zu erinnern, dass ich nie nie mehr ohne Gummi im Geldbeutel aus dem Haus gehen werde. Oder zwei… sicherheitshalber…

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5 Gedanken zu “And the winner is…

  1. Wolferl schreibt:

    Anteilnahme? Nö Ivy, das hast Du dir verdient!!!!!
    Mit all Deiner Lebenserfahrung war der Kinobesuch ja schon grob fahrlässig!

    Ivy, sollte Dir mal wieder nach Kindern sein, melde Dich einfach bei mir.
    Ich werde es organisieren!!! Da kannst Du dann die Tiefenpsychologie an „fast“ schon erwachsenen Pupertierenden ausprobieren. *feix*

    Was mir noch auffällt Ivylein – das Thema Kiddis holt Dich immer wieder ein. Scheint ein Lieblingsthema von Dir zu sein. Stecken da vielleicht verborgene Sehnsüchte dahinter????

    Bussi

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  2. Ivy schreibt:

    Liebchen… irgendwann erschlag ich dich… ihr schleppt doch dauernd Kinder in mein Leben, oder haste die drei Huschis vergessen, die von den Krümeln in deiner Couch leben ?

    Bussi

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