Classical Geographic – Turkey

or Sexual fantasies in the 18th century

Wieso die Türkei ? Es hiess doch die ganze Zeit wir bleiben in Europa ? Ja, heut lernen wir was ganz Neues…

Erstens gehört die Türkei ja irgendwie zu Europa, auch wenn ich mich in diese Diskussion bestimmt nicht reinhänge, zweitens ist die Türkei ein wichtiges Motiv in der Klassik und neben dem Döner und Kaffee sind viele Grundlagen unserer heutigen Musik türkische Importe.

Die Osmanen hatten in den Schlachten gegen die restlichen Europäer eine Militärcombo mit bei, die Janitscharenkapelle. Motivation für die Türken, Schockschwerenot für den Rest des Schlachtfeldes. Bis zum heutigen Tag wird die Zusammensetzung der Sinfonieorchester von der in der türkischen Militärmusik verwendeten Instrumenten mitbestimmt – Becken, Basstrommel, Glocke… ohne die wäre die echten Kracher der Klassik, zum Beispiel das Tadadada von Beethoven irgendwie ein bisserl lasch. Blech- und Schlaginstrumente einzusetzen war also nicht wirklich eine europäische Idee… tja

Das andere war ein gewisser Orienthype im 18. Jahrhundert… es war ja alles so scheisse weit weg und was die wenigen Auserwählten, die je den Orient zu sehen bekamen da alles zu erzählen hatten… Dekadenz an allen Ecken und Enden, Kunst und Kultur… Nackte Frauen im Überfluss und mehr als eine für jeden… Odalisken, Haremssklavinnen, alles was man sich so erträumen kann eben. Das war quasi das Thailand des Barock und natürlich wurde das auch in der Musikindustrie entsprechend verwurstet: Haydn hat einige seiner Opern nur wegen der neuen türkischen Instrumente geschrieben, Beethoven setzt sie ebenfalls ein. Mozart schrieb sein Rondo alla turca als Reminiszenz an die Janitscharen und was er mit der ‚Entführung aus dem Serail‚ in manchen gut bürgerlichen Köpfen für Fantasien losgetreten hat, will ich mir ja gar nicht vorstellen…

Das Rondo alla turca ( Türkenmarsch ) klingt auf vielen Instrumenten wirklich gut, aber ich habe den Verdacht, dass Mozart die E-Gitarre vorhergesehen hat, als er das Stück komponiert hat… erstaunlich was für Talente sich in Jugendzimmern unterm Dach verstecken, unfassbar was der Bub seiner Gitarre für verschiedene Stimmungen entlocken kann… und wie verdammt schnell der spielen kann…

Lehrreiches: Die Osmanen hatten schon eine Militärkapelle als die Mitteleuropäer musikalisch noch auf den Bäumen hockten und die Fantasie von der willigen, dauernackten Odaliske ist heute immer noch nicht ganz tot zu kriegen. Andererseits wäre ohne diese Vorstellung eine Menge ungezogener Kunst nie geschaffen worden.

 

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4 Gedanken zu “Classical Geographic – Turkey

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