This time it’s Kenya

Ich hab Familie, viel davon, einige davon sind nicht mal wirklich mit mir verwandt… die Mehrheit ist einfach nur ein krummbuckliger Haufen konservativ gesinnter Pappnasen, die sich mehr oder weniger gezielt von mir und meinem Savoir-vivre genauso fernhalten wie von meiner gelegentlich ungehemmt geäußerten Meinung. Meine Familie und ich verstehen uns wunderbar, insbesondere dann, wenn wir uns nicht sehen… es ist nicht so, dass wir uns nicht mögen würden – ich glaube sogar, dass wir uns im Rahmen des Möglichen lieben – wir sind nur nicht 100prozentig kompatibel.

Aber was mich wirklich, wirklich an ihnen ärgert, ist das meine Familie nicht an einem Ort zusammengluckt. Wieso kann ich keine Verwandschaft haben, die sich einfach seit 270 Jahren in einem kleinen fränkischen Dorf zusammenrottet und dort friedlich und vor allem sicher vor sich hinlebt ? Okay, die Frage mit der zunehmenden Debilität dank Inzucht würde man irgendwann klären müssen, aber ich denke das Prinzip ist verständlich. Aber nicht meine Anverwandschaft, oh nein… in missionarischem Eifer ergießt sie sich über die ganze Welt und jedesmal, wenn irgendwo was passiert, habe ich Angst – Angst um Tanten, Onkel, Freunde, Nichten, Neffen, Oma (!) oder die Menschen, die ich zu meiner Familie zähle.

Ich hab es so satt, wirklich.

Wisst ihr noch der Golfkrieg ? Die Erdrutsche in Südtirol ? Der Balkankrieg ? Unruhen in Peking ? Der elfte September ? Die Überschwemmungen im Süden der USA ? Meine Familie war dabei. Jedesmal hatte ich Angst, jedesmal einzelne verdammte Mal gab es kein Netz, die Telefonleitungen waren unterbrochen oder überlastet. Nie ist irgendjemand in der Lage zu sagen was passiert ist und was noch passieren wird.

Und jetzt, jetzt ist es Kenia – ich mache mir Sorgen um meine Tante und meinen Onkel. Nein, sie sind keine Touristen bei denen ich einfach sagen könnte… okay, dumm gelaufen, falsches Ziel gewählt, die Botschaft wird sie schon nach Hause holen, wenn was ist. Nein. Meine Tante, mein Onkel, meine Nichte und mein Neffe leben dort, arbeiten dort, haben dort seit fast 20 Jahren ihr über alles geliebtes Zuhause, dort haben sie ihre Freunde. Ihre Nachbarn schlagen sich unverständlicherweise gegenseitig tot. Und ich habe wieder mal Angst.

Ehrlich gesagt, die Weltpolitik wäre mir scheißegal, würde meine Familie endlich dieses kleine fränkische Dorf okkupieren. Aber bis dahin wäre es nett, könnte die Menschheit soweit zur Vernunft kommen, dass sie sich nicht wegen jedem Mist die Köpfe einschlägt, Häuser und Menschen anzündet oder Sachen in die Luft sprengt. Könnte es denn nicht einmal ein Jahr geben, in dem sich unsere familiären Schutzengel nur um die Naturkatastrophen kümmern müssen ? Kann man vielleicht mit diesem hirnlosen „Ich schieß dich tot, wenn du nicht meinen Onkel wählst“-Scheiß pausieren ? Einfach mal so.

Mir zuliebe.

2 Gedanken zu “This time it’s Kenya

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