Schwäbisches Sendungsbewußtsein

Simone, das arme Ding, kommt aus Norddeutschland… die logische und erschreckende Konsequenz: Sie kann keine Spätzle machen. Das ist natürlich fatal und völlig inakzeptabel, deswegen habe ich mich heute zu der wohl wichtigsten Mission meines bisherigen Bloggerlebens aufgemacht und beschlossen ihr und auch dem bedauernswerten GFS und allen anderen, die glauben gekaufte Spätzle seien ein Lebensmittel, die wahren Werte des Südens zu vermitteln…

Kinners, heute lernt ihr fürs Leben…

Schritt 1:

Spätzle-ZutatenAls Allererstes sammeln wir uns, atmen einmal tief durch und bereiten dann folgende Zutaten vor:

  • Mehl,
  • Eier,
  • Öl und
  • Salz.

Pro Person etwa 100g Mehl und ein Ei… Mathematische Genies erkennen sofort: Ivy macht Spätzle von 300g Mehl. Pro 100g Mehl etwa einen Eßlöffel Öl und soviel Salz wie ich denk. Ein wichtiges Accessoire ist der Holzlöffel, besser noch ist der mit Loch drin, aber der ist ja bedauerlicherweise bei einer meiner letzten Aktionen verschieden.

Schritt 2:

Spätzle-TeigWichtigster Schritt der Mission „Spätzle für Norddeutschland“ ist eindeutig die Produktion des Teiges. Man gibt also alle Zutaten in eine Schüssel und dann rührt man erst gelangweilt ein wenig drin rum, hat man das Gefühl das der Teig zu fest ist gibt man noch ein Ei oder einen Schluck Wasser rein. Wenn sich die Zutaten verbinden und in etwa die Konsistenz von angerührtem Moltofil haben beginnt man den Teig zu schlagen – man hebt quasi mit dem Kochlöffel Luft unter den Teig und das tut man mit etwas Gewalt und IMMER von Hand, sonst wird das nix. Küchenmaschinen sind bei der Spätzlezubereitung grundsätzlich Pfui-Bah. Wenn der Teig anfängt Blasen zu schlagen und beginnt zu glänzen ist er soweit fertig. Meist ist das der Fall sobald der Schmerz in der Hand nachlässt und man dafür das Gefühl hat, dass der Ellbogen orthopädische Hilfe braucht. Marilyn Manson ist eine wirkungsvolle Unterstützung in diesem Teil des Prozesses.

Schritt 3:

Spätzle-TasseWir stellen den Teig zur Seite, kochen uns ein beruhigendes Tässchen Kaffee (Fortgeschrittene dürfen auch ein Glas Lemberger trinken) und lassen den Teig nach einigen hasserfüllten Blicken und einer Handmassage etwas ruhen. In der Zeit sammeln wir uns, lauschen andächtig etwas beruhigender Musik – jetzt vielleicht Dixie Chicks – und überlegen uns, was wir für den nächsten Schritt brauchen. Hier der Standardaufbau mit großem Wassertopf und viel, viel Salzwasser, Spätzlemaschine eigener Wahl, Schaumsieb und Spätzleauffanggefäß:

Spätzle-Anordnung

Schritt 4:

Spätzle-Geburt

Sobald das Wasser… und das ist jetzt wichtig… sprudelnd kocht – also nicht so ein bisschen larifari vor sich hinköchelt, sondern richtig motiviert wallend wirkt – füllt man den Teig in die Spätzlemaschine der Wahl, hier der gute alte Spätzleschwob und drückt, hobelt oder schabt die Spätzle ins kochende Wasser. Es ist soweit, wir werden jetzt stolze Eltern brandneuer selbstgeschaffener Spätzle…

Der Topf mit dem kochenden Wasser und den noch jungen Spätzle wird mit Argusaugen überwacht: Nur Spätzle, die von alleine an die Oberfläche steigen dürfen den Topf verlassen und werden mit dem Schaumlöffel an Land gezogen, alles andere bleibt im Topf… auch die Hundehaare. Diesen Vorgang wiederholt man, bis der Teig gar (alle, zuende, babbela) ist.

Spätzle-Abschöpfen

4. Schritt:

Sofortiges Abspülen aller verdächtigen spätzleteigverklebten Elemente !!!

Spätzle-Abspülen

5. Schritt:

Bewundern der fertigen Spätzle und falls nötig Wiederaufwärmen derselben in einer Pfanne mit Butter oder in der Mikrowelle, natürlich ebenfalls ausschließlich mit echter Butter – alles andere ist ein Sakrileg, also denkt nicht mal drüber nach. So werden Männerträume wahr. Abschließend dürfen sich auch die Anfänger einen schnuckeligen Lemberger gönnen, während sie mit Tränen in den Augen ihre ersten gelungenen selbstgemachten Spätzle bewundern.

Spätzle
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12 Gedanken zu “Schwäbisches Sendungsbewußtsein

  1. Rosenzuechter schreibt:

    Genau so geht das! Und das gibt die besten Spätzle, die ich … naja, Mamas sind auch gut aber die von Ivy … zum Glück hat Mama keine Ahnung von PC unt Internet und so neumodischem Zeugs …

    SIMONE, jetzt gibts keine Ausrede mehr also rann an das Mehl 😉

    Aber ACHTUNG: Hier besteht Suchtgefahr, ihr wollt keine gekauften mehr essen.

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  2. gfs schreibt:

    Respekt, toller Artikel, klasse Fotos. Irgendwie habe ich „Spätzle“ für das schwäbische Synonym von Nudeln gehalten. Nach dieser Lektüre… Naja. Nudeln potenziert mit jeder Menge Kult und Lokalkolorit… OK, mal ganz ohne Lästerei, das Ergebnis sieht *wirklich* lecker aus. Leider fehlt mir zum Nachkochen diese Monsterknobipresse…

    Gruß,
    gfs

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  3. jeo schreibt:

    Ich bin begeistert! Endlich mal Kultur für ganz Deutschland 😉

    GFS: Ohne so eine Maschine geht’s auch, ist dann aber nicht mehr ganz so einfach *fg* – dafür aber die Originalmethode:

    Man nehme: 1 Holzbrett (12-15cm breit, 20-30cm lang, möglichst dünn – so 5-8mm), am besten mit Handgriff, einen Schaber/Spachtel aus Metall oder Kunststoff, am besten einen ohne Holz- oder Plastikgriff, also einfach ein viereckiges Teil (die echten Schwaben schaffen das auch mit einem alten Messer, bei allen anderen endet das mit Sägemehl im Wasser und einem deutlich kürzeren Brett).

    Jetzt befördert man mit einem großen Löffel Teig auf die Mitte des Bretts – nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Dann hält man das Brett am hinteren Ende mit der linken Hand (Linkshänder umgekehrt), und legt es am vorderen Ende auf den Topfrand auf, so dass es einige Zentimeter über die Topföffnung ragt.

    Anschliessend eigentlich nur noch schaben 😉
    Mit der Spachtel den Teig wie beim Gipsen auf dem Brett nach vorne bis zum Rand verteilen (also ziehend). Dann den Schaber so kippen, dass man mit der Kante voran über das Brett fährt, und dabei am vorderen Rand des Brettes einen dünnen Streifen Teig abtrennen und über den Rand des Brettes in’s heisse Wasser befördern (also stoßend).
    Wenn die Spätzle nicht loslassen wollen, einfach den Rand der Spachtel kurz in’s kochende Wasser tauchen. Ein paar Spätzle später wieder etwas Teig nach vorne streichen, dann weiterschaben.
    Wichtig: es sollten schöne, lange Spätzle entstehen, keine Klumpen oder Kugeln. Das ist aber nur eine Frage der Übung. Übrigens genau so wie die Geschwindigkeit. Später ist die Schab-Geschwindigkeit in etwa so, wie beim großflächigen Schraffieren mit einem Bleistift.

    So – und wenn das jemand nur auf Basis dieser Beschreibung wagen sollte: Bitte unbedingt erzählen, wie’s geklappt hat 😉

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  4. MuGo schreibt:

    Als Sohn eines Allgäuers bevorzuge ich natürlich Knöpfle, aber die geschabten Langen sind auch ganz in Ordnung. Und überaschenderweise sind die Spätzle hier in Dresden auch ganz gut. Auf jeden Fall sind die Käsespätzle (wie Schwaben das aussprechen können – für mich sind das Kässpatzen!) neben den Spaghetti mit Tomaten-Thunfisch-Sauce mein Lieblingsgericht hier in der Mensa…

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  5. Rosenzuechter schreibt:

    Und, wie hats geklappt Simone??? Bekommen wir auch ein paar Bilder zu sehen vielleicht von Dir – Spätzlesteig klebt so schön an den Klamotten wenn man die Schüssel zum rühren an den Bauch drückt – oder von Deiner Küche – Spätzlesteig klebt wunderbar auf Arbeitsplatten – oder von unglaublich erstaunten Gesichtern wenn sie zum ersten Mal in RICHTIGE Spätzle beissen???

    Mich würds freuen *gg

    Ivy: Immer noch ein SUPER Artikel, gibts morgen wieder Spätzle??

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  6. Ernst Bauer schreibt:

    Der lieben Simone kann geholfen werden. Endlich gibt es einen Original Spätzleschaber für Linkshänder und dazu ein passendes Original Schwarzwälder (handgefertigtes) Spätzlebrett aus Ahorn oder Buche. Das Teil habe ich entwickelt, weil man Linkshänderinnen, die Spätzle machen wollen, unbedingt helfen sollte. Viel Erfolg!
    Siehe www. spaetzle.eba-verlag.de

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  7. Didl schreibt:

    Hallo Ivy,

    nur ne kleinigkeit zu dene Spätzla.

    Wenn a bissle Sprudel oder a Bier zom Teig nimsch, no were se a bissele besser, wega dera Kohlasäure….

    Grüßle

    Didl

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