Chick Flick

Zu meiner persönlichen Belustigung wird aktuell in einem von mir überaus gerne gelesenen Teil der Wikipedia über das wunderbare englische Wort: Chick Flick diskutiert. Für diejenigen, die sich spontan unter dem Begriff irgendetwas Abenteuerliches aus mehrfach gepökeltem Hühnerfleisch vorstellen: Nein, es geht um Filmchen wie „Sex and the City“ und Serien wie „Charmed“. Filme für… ja für wen denn eigentlich?

Für Frauen, die Frauenfilme gucken vielleicht? Dieses Genre ist klar besetzt und ungefähr so spektakulär wie die betulichen französischen Schwarz-Weiss-Produktionen, die auch keine Sau sehen will. Schon der Begriff hat schon so was angestaubt Sufragettiges… die dazu gehörige Klientel hat aber in meiner Vorstellung nicht wirklich etwas mit Carrie zu tun… eher mit Alice Schwarzer.

Girlies sind auch nicht die Zielgruppe, die gesucht wird. Zu jung, auch zu unruhig und noch nicht mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein und der nötigen Klasse ausgestattet um Manolos zu erkennen – nicht mal wenn sie in welchen drinstecken. Die Alphamädchen… da wirds schon wärmer. Junge Frauen, die Männern den Rang ablaufen. Beruflich noch am Anfang einer sich deutlich abzeichnenden erfolgreichen Karriere, klüger, schneller und besser ausgebildet als ihre männliche Konkurrenz. Aber eben noch nicht Frau im eigentlichen kraftvollen Sinne.

Vermutlich bietet die deutsche Sprache für diese Sorte Frau einfach keinen Begriff. Im Englischen nennt man sie Chicks: Frauen, beruflich engagiert und mitten drin, emanzipiert und trotzdem weiblich. Mädchenhaft verspielt, als echte Zicken gerne mal nachlässig,arrogant und trotzdem gerne Dame der man die Türen aufhält… mit allem was dazu gehört. Sie sind Tussen, mögen Mode, Schuhe und stehen zu ihren Ticks, können sich als Schlampen immer neu verlieben, lieben noch lieber und kaufen nicht nur Vibratoren, sie legen sie auch noch offen auf den Nachttisch statt in die Schublade. Weiber, die fluchen wie Bierkutscher, Sachen um sich werfen, trotzdem Weibchen, die wegen einer nicht ersteigerten Handtasche eine Nacht lang weinen können. Und… sie lachen über sich selbst, über ihre Fehler und genießen bei Unmengen von Popcorn ihre Art Filme… die leicht verdaulichen und unterhaltsamen Chick Flicks.

Wieso wundert es mich nicht, dass diese Art Frau, sowenig wie das Filmgenre in Deutschland zuhause ist? Im deutschen gibt es keinen augenzwinkernden Begriff für Frauen, deutsche Frauen sind Heilige oder Huren… nicht eine Mischung aus beidem. Nicht verwunderlich, dass man(n) sich in der Wikipedia die Frage stellt, welchen Sinn dieser Begriff haben soll… und ob das ganze Dingsbums nicht doch dem feministischen Film zuzuordnen ist… quasi die Folge einer gesamtgesellschaftlichen Bedürftigkeit… aber wehe dem der das Kind beim Namen und Weiberfilm nennt. Politisch unkorrekt… Pfui bah.

Würde ich mich einmischen… ich als Frau, Weib, Zicke, Dame und Schlampe… ich würde es einfach Zickenfilm nennen. Denn ein Alphaweibchenstreifen würde Carrie auch nicht angucken… Niemals. Aber für diese spezielle Art der selbstironischen Darstellung weiblichen Selbstbewusstseins ist die männerdominierte deutsche Wikipedia vermutlich einfach noch nicht ganz reif. Aber das kommt noch Jungs… ganz sicher sogar.

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2 Gedanken zu “Chick Flick

  1. MuGo schreibt:

    Wieder ein englisches Wort kennengelernt, dass im Deutschen anders genutzt wird: Chick ist bei mir absolut negativ besetzt – wie du schon sagst, eine Tusse eben. Und über Tussen gibt es gar nichts gutes zu sagen – höchstens, dass es keine Bratzen sind…^^

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