Sommerferienprogramm – Österreich

Natürlich geht es nicht wirklich um das Land Österreich, das alleine schon mehr als nur eine Reise wert ist… es geht um den kulinarischen Himmel auf Erden. Ich bekenne mich klar zu süddeutsch-alpiner Küche! Was will ich auch machen mit einer Oma aus Österreich , einer aus den italienischen Alpen, einer Stiefoma aus Bayern, einer Schwiegermutter aus Franken und Wohnsitz in Schwaben… ich bin von klein auf verdorben für jedwedes durchschnittliches, geschmackloses und fettarmes Essen.

Und heute… heute gibt es extra für Tamlin, der mich ja so außerordentlich nett darum gebeten hat, Zwetschgenknödel. Die von meiner Oma. Die aus Österreich. Helene.

Schritt 1:

Erst gucken wir uns alle Sissi-Folgen an, weinen ein bisschen und legen etwas Walzer auf. Anschließend suchen wir folgende Zutaten zusammen:

Zwei bis drei Handvoll mehligkochende Kartoffeln (Irgendwas zwischen 400 und 500 Gramm), zwei Handvoll Zwetschgen und für jede Zwetschge einen Würfelzucker, 3 Eßlöffel Mehl, 2 Eßlöffel Grieß, 2 Eigelb, etwa 30 Gramm Butter und Salz zum Kochen.

Schritt 2:

Zuallererst kochen wir die Kartoffeln in Salzwasser weich, übrigens ein guter Zeitpunkt um die CD zu wechseln, Falco passt auch gut und ist nicht ganz so nervenzerfetzend wie der ewige Walzer. Anschließend müssen die Kartoffeln geschält und noch WARM zu Kartoffelbrei verarbeiten. Vorzugsweise mit diesem Kartoffelbreimachgerät, ein Erbstück eben jener Oma, aber Menschen ohne großmütterliche Kochtradition können alternativ auch eine Gabel hernehmen. Stichverletzungen sind zwar schmerzhaft, aber nicht tragisch.

Umweltbewusste Menschen, also wir, schmelzen die Butter auf der noch warmen Kochplatte und kippen diese dann mit den restlichen Zutaten in den Kartoffelbrei – Die Zwetschgen und den Würfelzucker kannst du übrigens wieder rausholen – und verarbeiten diese überaus klebrige Pampe zu einem ansehnlichen Brei. Erinnert sich noch jemand an „Deutsches Antenne Polen: In Farbe und bunt? Egal…

Wenn die Finger sich wieder von einander lösen lassen, hat man in etwa die richtige Konsistenz. Notfalls noch zwei Eßlöffel Mehl zugeben… ein überaus lustiger Plan wenn man das Mehl schon aufgeräumt hat und einem grad die Finger zusammen pappen als hätte man mit Sekundenkleber gespielt.

Schritt 3:

Während der Teig sich von den Anstrengungen erholen darf und nachdem man sich das vierte Mal die Hände gewaschen hat, kann man die Zwetschgen vorbereiten: Aufschneiden, Kern raus popeln, Würfelzucker rein und wieder zu klappen. Schafft auch ein Mann. Wenn er das mit dem Messer schon im Griff hat.

Schritt 4:

Jetzt kommt der schwierige Teil: Der Teig muss irgendwie einigermaßen fest an die Zwetschge geklebt werden. Als Anhaltspunkt… Die Menge an Teig ist etwa so groß wie die Zwetschge. Dazu formen wir eine Platte aus dem Teigstückerl und wickelt das möglichst elegant um die Zwetschge herum. Frohes Werken. Anfänger sollten übrigens das Kochwasser für die Knödel erst aufstellen nachdem sie alle Knödel gedreht haben, der Dampf in der Küche wird nach einer halben Stunde wirklich unerträglich

Die Knödel legen wir dann vorsichtig in siedendes Wasser und, erschöpft aber nahe am Ziel, wenden wir uns der Beilage zu: Süße Grieben. Heißt vermutlich anders, aber wir kochen hier nach meiner Oma ihrer Linguistik. Zutaten sind Butter, gern reichlich, denn wir sind in Österreich… Semmelbrösel und Zucker. Und auch hier kann der Mann wieder helfen: Die Butter zerlassen, Brösel drin anschwitzen und mit Zucker abschmecken – Fertig.

Schritt 5:

Wie die meisten Gerichte aus dem Süden, kündigt das Essen seine Fertigstellung selbst an: Die fertigen Knödel schwimmen an der Oberfläche und wollen durch den Schaumlöffel gehoben werden (was das ist haben wir bei den Spätzle ja schon gelernt). Kurz abtropfen lassen, mit den süßen Grieben anrichten und sich von den Bekochten fürderhin anbeten lassen. Sissi forever. Füsse küssen inklusive.

12 Gedanken zu “Sommerferienprogramm – Österreich

  1. Tröte schreibt:

    Bei meiner Oma heißt das Semmelbröselzeug Kröstchen (sprich Kröst-chen) und wird nicht nur zu Zwetschgenknödeln sondern auch zu den berühmt-berüchtigten „Nudeln mit Obscht“ gereicht.

    Danke für diese ausgesprochen unterhaltsame Kochanleitung. Können nicht alle Kochbücher so geschrieben sein?

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  2. The Jester schreibt:

    *kochantragstell*

    Auch wenn ich sehr für Süßkram zu haben bin: Bei den Nachbarn kommen mir Paprikahuhn in den Sinn, Fogosch und Tafelspitz, Serviettenknödel, Mehlnockerln und was des Erbes aus k.u.k.-Zeiten mehr ist.

    *hungrigwerd*

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