Prüfsteine dominanten Selbstvertrauens

Ich habe ja schon ab und an erwähnt, dass eine Domme – zur Wiederholung: Eine Frau, die es schätzt, wenn man im Sinne des Wortes den Boden anbetet auf dem sie geht – nicht annähernd von Kleinmädchenfantasien, romantischen Verwirrungen oder einem etwas abwegigen Verhältnis zu Komplimenten frei ist. Um ehrlich zu sein, eine dominante Frau kann, trotz eines quasi mechanisch übersteigerten Selbstbewußtseins, genau so ein Mäuschen sein wenn sie eine Spinne sieht, wie die Nachbarin deren Vorstellung von aufregendem Sex sich auf Poppen mit Licht beschränkt.

Wenn man selbst weit vom Idealbild der großen, bösen Domina mit gestandenen 180, strengen Zügen und langen, schwarzen Haaren soweit entfernt ist wie ich… klein, rundlich, mit einem engelsgleichen Lächeln… gerade dann fragt man sich ab und an, wie man seine Dominanz so einigermaßen glaubwürdig rüberbringen soll… Stellt euch doch mal vor einen zwei Meter großen, muskelbepackten Kleiderschrank, guckt zu ihm hoch, blast eine eurer widerspenstigen Locken aus dem Gesicht und versucht ihn zu überzeugen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, vor euch auf die Knie zu sinken. Ich kann euch sagen… das ist nicht einfach.

Wenn es dann geschafft ist, diesen Klotz von Mann, der dir körperlich so überlegen ist, wie Vladimir Klitschko einem Suppenhuhn, durch deine Stimme, schieren Willen und eher unglaubwürdigen Drohungen auf den Boden zu zwingen und du dich grad hingebungsvoll seinem Hintern zuwendest… dann ist es ein herber Schlag für dein Selbstvertrauen, wenn deine Freundin vorbeischlendert und meint: „Schatz… du haust wie ein Mädchen.“

Auch wenn man mit den Jahren lernt mit der eigenen Unzulänglichkeit und einer notorischen Unfallneigung zu leben… es erschüttert einen irgendwann einfach nicht mehr, wenn man sich mal selbst die Gerte auf die Pfoten haut… es gibt dennoch diese gar nicht seltenen Episoden, in denen das mühsam erarbeitete Selbstvertrauen als Domme erschüttert wird. Diese lichten Augenblicke, in denen man sich fragt, ob es nicht damals besser gewesen wäre, den Freund nicht ans Bett zu fesseln, sondern einfach mal die Nummer mit dem Licht zu versuchen.

Es sind diese Momente, das pikierte Naserümpfen deines Subs – wir erinnern uns: Mann der den besagten Boden anbetet – wenn er fragt, ob er deine ganzen Tag in Turnschuhen steckenden Füße jetzt küssen oder doch lieber waschen soll, in denen du nichts mehr zu sagen weißt. Es ist der Augenblick, in dem du feststellst, dass du gerade deinen Schal versehentlich in das kunstvolle Bondage eingeflochten hast, obwohl er dir noch um den Hals hängt… die abgrundtiefe Fassungslosigkeit, wenn ein Mann dir erzählt, deine Pussy zu lecken sei in-ter-es-sant und das irritierte Staunen, wenn er dir mit deinem Lipgloss aus deiner Handtasche plötzlich völlig selbstverständlich und nebenbei Herzchen auf den Arm malt… das sind die echten und unvermeidbaren Prüfsteine meines Selbstverständnisses, die mir gelegentlich den Kopf gerade rücken.

Und ganz ehrlich… ich würde auch nicht darauf verzichten wollen…

2 Gedanken zu “Prüfsteine dominanten Selbstvertrauens

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