Heiße Nächte…

Nachdem ich mich heute dabei erwischt habe, ein Lied der EAV vor mich hinzusingen, kann ich eigentlich nicht umhin, mich an damals zu erinnern… und eine Geschichte, die ich bis heute wohlweislich für mich behalten habe. Ich stand damals – Mitte der 80er – nicht nur auf volleyballspielende FliegerSebastian behauptet zumindest, die seien Flieger gewesen… sondern auch auf Österreicher, vor allem auf die schmähtriefenden Helden des Austropop mit ihren anbetungswürdigen Austriazismen. Falco, Fendrich und allen, wirklich allen voran Thomas Spitzer.

Mehr als das… denn erst jetzt kommt der wirklich der peinliche Part: Das erste Bild, dass ich je verkauft habe, ist durch das Lied „Heiße Nächte in Palermo“ inspiriert worden. Es sah auch entsprechend aus… wie eine fleckige Tischdecke aus einer kleinen sizilianischen Kaschemme am Meer… inklusive der auf dem Tisch verendeten Meeresfrüchte… aber hey… jemand wollte es haben und 20 Mark waren im Hochsommer des Jahres 1986 viel Geld. Zumindest für uns, die wir uns von diesem Geld und etwas Flaschenpfand ein fürstliches Besäufnis und ganz vielleicht auch eine leicht chemisch induzierte Kicherei geleistet haben… in dieser einen wunderbaren Nacht im Sommer… zu der auch ein inzwischen legendärer Raubzug durch unsere Schule gehörte.

Keiner von uns hat je zugegeben es gewesen zu sein… weder die endlosen Schaumwolken, die wochenlang aus dem Wandbrunnen in der Eingangshalle waberten, noch die Wasserschäden an erbeuteten Klassikern aus der Bibliothek, die wir uns in Schwimmbad treibend gegenseitig vorlasen… Und mit den farbenfrohen Explosionen im Chemiesaal, die zudem beinahe das ganze Schloss gesprengt hätten,  hatte auch nie einer von uns zu tun. Natürlich hat auch keiner je erfahren, wer Brechts  „Über die Verführung von Engeln“ mit grünem Lackstift auf den Handlauf des Geländers geschrieben hat… drei Stockwerke lang…

Wir sind alt geworden… Der damalige Sprengmeister arbeitet heute beruhigenderweise in einem Kernforschungszentrum…die wassergeschädigten Bücher wurden ein weiteres Mal gestohlen und schmücken heute das Büro eines sehr eigenartigen Professors in Prag… und ich… ich schreibe immer noch Texte und male ab und an grauenhafte Bildchen. Aber in uns steckt immer noch dieser kleine Sizilianer, der schallend lacht, wenn er dieses Lied hört… und sich an eine außergewöhnliche Freundschaft erinnert.

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4 Gedanken zu “Heiße Nächte…

  1. lisander schreibt:

    Das waren wirklich noch Zeiten, auch wenn die Schulzeit bei mir schon einige Jährchen vorbei war damals. Jedenfalls ist diese Zeit für immer mit München verbunden, warum sag ich aber besser jetzt nicht. Die blaue Doppel-MC im Autocassettenrekorder rauf und runter gespielt…“Küss die Hand schöne Frau…“ Wenn ich nur wüsste in welchem Umzugskarten diese Kostbarkeiten heute sind…?

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  2. lisunder schreibt:

    @Ivy: Das modernste in meinem Haushalt “ meine Herzallerliebste mal ausgenommen“ ist ein Grundig Kassettenrekorder mit ausziehbarem Griff, Netz und Batteriebetrieb, aus dem Jahre 1976. OK er eiert etwas, aber das war noch nie anders, das ghört so

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