Sex-Appeal – Eine Lektion

Ein Beratungsgespräch. Fachlich nichts Besonderes. Ein Klient in meinem Alter. Wir kennen uns. Worte gewechselt und gewitzelt. Wunderschöne Augen. Ein bildhübscher Kerl.

Anfangs macht die Beratung was sie machen soll… ich orientiere mich nur grob an meinem Fragebogen, greife kaum steuernd ein, sein Grinsen, seine Intelligenz und sein Humor machen aus der drögen Abarbeitung von Zahlen, Daten, Fakten eine faszinierende vielschichtige Unterhaltung. Sympathie, Offenheit und meine nicht ausschließlich professionelle  Neugier wandern am Fragebogen entlang gradewegs in ein vorsichtig geflirtetes Spiel.

Irgendwas geht plötzlich schief… das unproblematische Geplänkel verwandelt sich in einen langsam vom Löffel tropfenden Pudding. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich das Problem bin. Ich bin ratlos, bemühe mich redlich einen sinnvollen Zusammenhang aufrecht zu erhalten… aber es funktioniert nicht.

Frustriert schmeiße ich meinen Stift auf den Tisch, lehne mich zurück und hoffe auf die rettende Eingebung. Um Hilfe suchend schau ich ihn an und bin erstaunt ihn schmunzeln zu sehen: „Du weißt nicht was schief läuft, stimmts?“ Er wartet völlig entspannt, völlig ruhig auf einen Kommentar von mir. Ich nicke nur. Minutenlang schweige ich gegen Zeit aus Kaugummi an.

„Was denkst du?“ frage ich, als ich sein Lächeln nicht mehr ertrage. Er sieht mir in die Augen. „Du willst nicht zulassen, dass ich dich anmache. Es stört dich, dass es funken könnte. Einer wie ich darf doch eine wie dich nicht geil finden.“ Meine Wangen verwandeln sich in Lava als ich anfange etwas über Professionalität und Distanz zu stottern. Er unterbricht mich „Versuch es erst gar nicht.  Deine Vorstellung von dir selbst funktioniert auf einmal nicht mehr. Jeden so anzunehmen wie er ist, Toleranz und Offenheit, frei von Vorurteilen auf andere zu gehen. Du bist nah dran, aber ich zeige dir deine Grenzen.“

Er lacht leise als ich ihm sage, dass er zwar vielleicht ein genauer aber verdammt unhöflicher Beobachter ist. „Klar bin ich das, ich habe das Recht dazu. Was bin ich für ein Mann, wenn ich einer Frau nicht sagen kann, dass ich ihren Arsch umwerfend finde, ihr Verstand mich fesselt und ich sie gerne vögeln würde, wenn ich könnte? Nur weil dir der Gedanke unheimlich ist? Du hast gedacht ich wäre ungefährlich, harmlos und dankbar, aber ich bin es nicht. Ich hab das Potential deinen Geist zu ficken, wenn du nicht aufpasst.“

Ich weiß nichts zu sagen. Die kleinen Fältchen in seinen Augenwinkeln vertiefen sich, als er fragt: „Und jetzt wo du es weißt, kann auch gleich fragen, ob Fräulein Rechtschaffenheit sich eventuell von mir zum Essen einladen lässt.“ Mein Zweifeln liest er wohl aus meinem verzagten Lächeln und beruhigt mich: „Keine Sorge. Ich werde weder meinen Zivi mitbringen, noch dich bitten mich zu füttern. Gönn mir einfach die Freude, einen Abend mit dir zu verbringen. Nur weil ich vom Hals abwärts gelähmt bin, heißt das noch lange nicht, dass ich dich nicht ausgezeichnet unterhalten kann.“

Er hat Recht… in jeder Hinsicht.

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4 Gedanken zu “Sex-Appeal – Eine Lektion

  1. Elbnymphe schreibt:

    Ivy, you made my day, und ich sage das, obwohl ich noch keinen Kaffe und kein Frühstück hatte. Klug beobachtet und schön geschrieben. Wie gut es tun kann, bisweilen aus der Façon gebracht zu werden…

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  2. spaceman schreibt:

    hi ivy,
    ich war mal wieder soooooo lange nicht hier. schade. eigentlich. schöner eintrag. sag mir einfach mal bescheid, wenn du nochmal ein paar schöne songs brauchst. ich verschenke momentan viel zu wenig musik.
    liebe grüße in die capital city

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