Waschstraßenweisheiten

Angesichts der demonstrierten innigen Zuneigung zwischen manchen Männern und dem Objekt ihrer Begierde, dem liebevollen Streichen mit einem nebelfeuchten Schwamm über den glänzenden Lack, dem zarten Wegpusten imaginärer Staubkörner von den Außenspiegeln und dem sorgfältigen Abtrocknen entwischter Wassertropfen an den unzugänglichen Stellen unterhalb der Fahrertüre wundert es mich nicht, dass Frauen in der Welt der Selbstwaschanlagen eher exotisch erscheinen. Frauen sind zu pragmatisch  für sowas. Es reicht völlig, wenn das Auto hinterher sauberer als vorher ist – es muss sich nicht auch noch wohlfühlen.

Aber… auch in einer Waschanlage  ist nicht ein Mann wie der andere… wer sich einmal die Zeit nimmt, das Geschehen in des Mannes liebsten Badezimmer zu beobachten, wird feststellen, dass es gravierende Unterschiede gibt – zwar nicht bei der Hingabe gegenüber ihrem Auto, aber bei anderen Merkmalen, die für Frauen durchaus eine gewisse Bedeutung haben können. Rein hypothetisch natürlich.

Da gibt es den Typ „junger Italiener“, der auch jede andere Nationalität haben kann. Schnittiges Auto, tendenziell neuesten Baujahrs, wenn auch eher von Papa geliehen als selbst gekauft, immer top gepflegt – das Auto, nicht der Kerl. Dieser Mann kann ohne bewundernde Blicke seiner devot hinter der Waschbox stehenden Freundin und eines laut hämmernden Basses offensichtlich kein Auto waschen und ist augenscheinlich nicht in der Lage, sich auf mehr als eine Sache zu konzentrieren. Weh dem, der in der Nachbarkäfig einen Blutsturz erleidet – der kriegt höchstens einen bösen Blick zugeworfen, weil das Blut die frisch gewaschenen Reifen versaut. Als potentieller Liebhaber ungeeignet, ich will einen Mann im Bett meinen Namen sagen hören und nicht den seines Autos.

CarwashWenn ein Mann erst vier Getränkekisten und dann zwei Kindersitze auslädt und dann mit Tränen in den Augen die Butterkekskrümel aus dem Polster seines Kombis pickt, dann hat man einen „Familienvater“ entdeckt. Nicht nur die unsäglichen Namensaufkleber an der Heckscheibe verraten ihn, sondern auch die wohl langsamsten Bewegungen in der Waschstraßenwelt. Er ist nicht müde oder traurig, nein… er versucht die Zeit fernab seiner zwei greinenden Kleinkinder und seiner Frau möglichst lange auszudehnen… er ist in seinem persönlichen Paradies. Sprich ihn nicht an, er wird sowieso keinen Kopf für eine Affäre haben – es sei denn du willst die halbe Nacht über Windelschorf reden.

Interessanter ist da schon der „Typ von nebenan“. Das Auto ist eher unauffällig, gerne silber lackiert und der Kerl selbst nicht völlig in seiner Tätigkeit versunken. Er wird sehr wohl bemerken, dass der Geldeinwurfschlitz des Wechselautomaten in rund zwei Meter Höhe für dich nicht zu erreichen ist – eine Boshaftigkeit der Waschstraßenbetreiber um Frauen fernzuhalten. Er wird dir eine Weile zusehen und dann mit einem kleinen Grinsen auf dich zuschlendern und dich fragen, ob er dir helfen kann. Kann er… sicher auch auf etwas andere Art und Weise… aber länger als zwei Wochen wird wohl keine Frau das maliziöse Grinsen bei der Nacherzählung der Kennenlerngeschichte kaum ertragen.

Und dann war da noch der  „hilfsbereite Engel“…  etwas älter, gepflegte Umgangsformen, gediegenes aber unauffäliges Auto. Er  erkennt er jede hilfsbedürftige Frau und schnappt sich ohne viel Aufhebens den Staubsauger. Er hört dir andächtig zu, lächelt an den richtigen Stellen und gibt Antworten, aus denen sich erkennen lässt, das er zumindest bemüht ist der Unterhaltung zu folgen, während er dein Auto für dich zu Ende putzt. Anschließend wird er dich zu einem Kaffee einladen und trotz deiner Proteste darauf bestehen zu bezahlen. Im Bett der Himmel auf Erden – die Lust seiner Angebeteten wird genauso hingebungsvolle Beachtung erfahren, wie sein Auto. Allerdings wird er nach drei Monaten fragen ob du ihn heiraten willst. Denk gut drüber nach, ein Kerl der dich befriedigt und den Müll runterbringt ohne zu nörgeln ist zwar selten – aber möglich, dass frau sich schneller langweilt als ihr lieb ist.

Das Fazit – es gibt keines… ausser das sich Waschanlagen durchaus zu soziologischen Studien eigenen… und Frauen dort in jeder Hinsicht die eine oder andere durchaus interessante Entdeckung machen können… während ein in naher Zukunft ein vielleicht nicht mehr ganz so fremder Fremder ihr Auto wäscht.

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7 Gedanken zu “Waschstraßenweisheiten

  1. Geheimrat schreibt:

    Ein größeres Kompliment als sexischtisch (und boshaft? quatsch) kann Mann einer Frau kaum machen 🙂
    Es fehlet in Deiner Aufzählung aber mindestens ein Typ – doch Geheimräte sind ja auch eher selten! Ich habe Deinen Artikel mit einem breiten Grinsen gelesen und viele Typen wiedererkannt!

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