German Understatement

Auf die Frage unseres Chefs hin, wie wir denn im Nachtdienst mit den Temperaturen über 30 Grad und der grade extrem hohen Arbeitsbelastung klar kommen, antwortet mein Nachtdienstpartner, seines Zeichens gelernter Historiker, mit einem rund dreiminütigem Monolog. In dieser grammatikalisch zwar nicht völlig korrekten, aber mit sehr viel Verve vorgetragenen Rede erkannte ich plötzlich die volle Tiefe und Farbigkeit der deutschen Sprache, die nicht nur über rund 30 Synonyme für die Worte katastrophal, grauenhaft und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen verfügt, sondern in die man auch locker-flockig in jeden Satz vier Kraftausdrücke und zweimal das Wort verfickt einbauen kann.

Er hält plötzlich inne, schaut mich an und sagt: „Angesichts der Tatsache, das eine überaus wohlerzogene junge Dame anwesend ist und gerade versucht mich mit einem pikierten Blick an weiteren Ausführungen hindern, fasse ich mit ihren Worten zusammen: Keine Besonderheiten.“

Und da heißt es immer nur Anglophone seien zu echtem Understatement fähig.

6 Gedanken zu “German Understatement

  1. bee schreibt:

    Ich stelle mir diesen Monolog gerade vor, wie ihn mein südafrikanischer Urgroßonkel in breitem Afrikaans begonnen hätte. Die einzige germanische Sprache, die sämtliche Dehn- und Schwundstufen komplett abgeschafft hat; manche Beobachter attestieren ihr eine gewisse Bodenhaftung – was nichts anderes heißt, als dass sie ein gleichbleibend niedriges Niveau beim Sprecher fördert 😉

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