Hallo, Onkel Doc!

Bei der routinemässigen Blutabnahme fragt Frau R., ihres Zeichens Sprechstundenhelferin, ganz nebenbei nach der merkwürdigen Prellung auf meiner Stirn. Sie war schon bei meinem Kinderarzt angestellt, für sie bin ich wohl nie erwachsen geworden, vielleicht ist sie deswegen an jeder Kleinigkeit interessiert, die mir so passiert.  Ich erkläre ihr, dass meine Stirn Differenzen mit einem Brecheisen hatte, dass ich nur deswegen brauchte, weil meine Holzdeckenlamellen-Aktion irgendwie ein wenig ausgeufert ist. Inzwischen ist aus dem Anstreichen meines Zimmers ein Dachausbau inklusive neuer Dämmung geworden. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Als sie genauer nachfragt, rutscht mir raus, dass ich nebenbei ein Problemchen mit einem rostigen Nagel hatte. Das liegt aber nicht an meiner Schusseligkeit, sondern nur daran, dass deutsche Männer meinen, man müsste ein 12mm dickes Brettchen zwingend mit 10cm langen Nägeln für die Ewigkeit festhämmern.

Der umherhuschende Doc wird von Frau R. eingefangen und mit den Worten: „Es ist Ivy, guck mal lieber drauf.“ ins Labor geschoben. Er seufzt leise als ich ihm begeistert mein frisch erarbeitetes Loch im Fuss präsentiere. „Kannst du nicht mal beim Fensterputzen von einer Leiter fallen, wie andere Hausfrauen auch?“ Als er meine hochgezogenen Augenbrauen bemerkt, fällt ihm ein, dass wir das ja letztes Jahr schon erledigt haben. Er kniet sich hin um meinen Fuss zu begutachten und stellt fest, dass ich alles soweit gut versorgt habe. Während er die Wunde verbindet, erzähle ich ihm von meiner neuen Handkreissäge und der Stichsäge mit Lasertralala. Fasziniert sehe ich zu wie sein Gesicht erst rot, dann weiss wird um sich schliesslich in einem zarten Grün zu stabilisieren. Um ihn zu beruhigen, sage ich ihm, dass ich schliesslich beim Roten Kreuz bin. Er fragt „Mitgliedschaft oder Dauerabo?“ „Kombipaket“ antworte ich.

Er erklärt mir ausführlich, wie ich meinen Fuss zu verbinden habe und fragt mich, ob ich alles verstanden hätte. Ich nicke und teile ihm mit, dass ich als Krankenschwester schon zurecht kommen dürfte. „Und wieso sagst du das nicht ehe ich dir den ganzen Schmonsens vorbete?“ Ich kann ja schlecht sagen, dass ich es immer geniesse, einen Mann vor mir auf Knien zu haben, der sich liebevoll um meine Füsse kümmert, also teile ich ihm mit, dass ich seine Erklärung so niedlich fand, das ich ihn nicht unterbrechen wollte. Er nickt eigenartig schicksalsergeben.

Wir gehen gemeinsam zum Empfang, ich will mich verabschieden und raushüpfen, da hält er mich auf „Stop Fräulein. Erst wirst du geimpft.“ Meine Begeisterung hält sich sichtbar in sehr engen Grenzen, aber er weiss genau das ich schon ewig nicht mehr geimpft worden bin. Frau R. fragt nach „Tetanus?“ Mit einem Grinsen sagt er „Oh nein, so leicht kommt sie hier nicht raus. Ich will jeden verfügbaren Impfstoff in die Frau gepumpt haben. Inklusive Pest, Cholera und Gelbfieber – nur für alle Fälle. Wer weiss was ihr morgen einfällt.“ Während ich hinter Frau R. herhopple, höre ich wie mein Doc zu der anderen Arzthelferin sagt: „Schau mal im Leistungskatalog der Krankenkasse nach, es käme die Solidargemeinschaft auf Dauer deutlich billiger, wenn wir für Ivy einen Handwerker beantragen.“

4 Gedanken zu “Hallo, Onkel Doc!

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