Monotheistischer Mikrokosmos

Eine sehr engagierte Zufallsleserin war so nett mir eine Blogkritik zu schreiben. Dafür danke ich ihr von Herzen, ich schätze jedwede Form der Kritik, auch die, die mich auf simple Rechtschreibfehler, kaputte Links oder die falsche Verwendung von Genus und Tempus hinweist. Die werden dann auch unauffällig korrigiert. Aber so eine umfassende Kritik hat einen besonderen Stellenwert und will beachtet werden. Die Dame aus Niedersachsen hat sich ganz offensichtlich die Mühe gemacht, fast alle meiner 340irgendwas Postings zu lesen. Respekt. Einige der Beiträge hat sie lobend erwähnt, einige fand sie sprachlich nicht so gelungen – wir sind da by the way ganz auf einer Wellenlänge. Sie mag meine Verkuddelung von englischen Phrasen mit dem Deutschen nicht so – akzeptiert das aber als Eigenart. Meine gelegentlichen Ein-bis-Zweiwortsätze gehen ihr auf den Keks. Soweit wirklich klasse und tatsächlich hilfreich. Reflektiv betrachtet.

Was mich aber wirklich irritiert hat, war die thematische Kritik. Sie stört sich an der lebensnahen Zusammensetzung. Es sei verwerflich Kochrezepte, BDSM, klassische Musik, Geschichten aus der Nachbarschaft, Kleinkinder, Sex, Fussball, Haushalt, Krankenpflege, Buchkritiken, Gedankenepisoden, Wikipedia und Hundestorys zu vermengen. Wieso eigentlich? Ist das wirklich eine Konsequenz des Internets und seiner Bewohner, dass man erwartet, Menschen würden sich tatsächlich eindimensional verhalten? Ich schreibe kein Fussballblog und ich glaube, dass die Besitzer eines solchen gelegentlich ein Buch lesen. Frauen, die reine Fickblogs unterhalten, haben gewiss auch mal eine kaputte Waschmaschine, Kochblogger gelegentlich Sex, manche BDSMler streichen neben dem Verhauen ihres Partners vermutlich auch Schulbrote. Sogar die Poeten müssen ab und zu zum Zahnarzt. Man nennt das Leben. Mehrdimensionale Realität.

MonotheismusErfolgreiche Blogs sind ihrer Meinung nach monothematisch. Dahin geht der Zeitgeist, aber Trends interessieren mich nicht. Ich schreib Briefe noch von Hand und kann einen Rosenkranz beten. Ich bin egozentrisch und altruistisch in einem Atemzug. Ich benutze Tischtennisschläger nicht um Sport zu machen und halte nichts von virtuellem Lebensersatz. Ich rede mit der Nachbarin genauso virtuos über Kindererziehung wie mit dem Hausmeister über Mannschaftsaufstellungen. Ich kann zum Herzerweichen kochen und knochentrockene Artikel über Sex schreiben. Ich liebe selten benutzte Worte, Opernarien und eigensinnige Männer. Ich mag nicht modern sein. Ich bin die unangefochtene Göttin meines Universums und genau das will ich sein. Insofern ist mein Blog auch genau das, ein monotheistischer Mikrokosmos.

Monothematischer geht wohl kaum.

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7 Gedanken zu “Monotheistischer Mikrokosmos

      • dasmanuel schreibt:

        Oder es ist einfach so: Der Mensch beschwert sich gerne!? Schreibste ’nen stringenten Fick-Blog, ist er genervt. Schreibste über dies, das und jenes … yupp, ist er genervt.

        Du musst das wohl einfach so sehen: Besser, überhaupt Kritik als gar keine.

        Liebe Grüße

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  1. lilasumpf schreibt:

    Die wichtigste Frage ist doch – schreibst Du dem Erfolg zuliebe? Oder weil Du gerne Bloggst? 🙂 so oder so ist es Deine Sache und Deine Entscheidung und wem es nicht gefällt, muss es ja nicht lesen? 🙂

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