Herrin? Nein, danke.

Die Begrifflichkeit „Herrin“ wird in der BDSM-Szene zur Anrede dominanter Frauen gern genutzt. Teilweise auch recht inflationär. Es scheint ein in der Sache liegendes Bedürfnis zu sein, die Frau, der man sich unterordnet, sprachlich zu erhöhen. Soweit so gut und nachvollziehbar, allerdings war mir die „Herrin“ immer suspekt, fühlt sich für mich nicht gut an, stellt mich nicht wirklich dar, entspricht mir einfach nicht. Einerseits braucht es diese Art des verbal injurierten Respektes mir gegenüber nicht… ich bevorzuge Taten statt Worte um Respekt auszudrücken, andererseits war mir das Wort an sich immer unangenehm, ohne wirklich zu wissen wieso. Ein kleiner Nebensatz der liebsten aller Freundinnen hat mir gestern die Augen geöffnet:

„Ich bin kein weiblicher Herr.“ 

Ist es wirklich so einfach? Nach einigem Nachdenken bin ich zur Einsicht gekommen… Ja, für mich schon. Ich benutze zwar ohne Schmerzen das generische Maskulinum und erspare mir irgendwelche unlesbaren gendergerechten Konstrukte, aber sobald sich etwas auf mich bezieht verwende ich, wo immer möglich, die eindeutig weibliche Variante. Ich lege beispielsweise Wert darauf keine Krankenpflegerin zu sein, ich bin eine Krankenschwester, und das schon immer. Ohne darüber nachzudenken. Es hat mich auch nie gestört „Lady“ genannt zu werden, auch wenn ich dem vom Typus her nicht entspreche. Eine Lady ist sprachlich betrachtet keine Beiordnung zu einem männlichen Ausdruck, sondern ein eigenständiger Begriff. Ebenso wie „Madame“ oder „Mistress“.

Beim Sinnieren über den allgemeinen und den eigenen Sprachgebrauch fiel mir auf, dass ich auch den Ausdruck „Femdom“ benutze. Wieso passt das denn in mein Sprachgefühl? Klar, es gibt im Englischen nicht nur die Femdom, sondern auch den Maledom. Sehr eindeutig in der Zuweisung. Also akzeptabel. Sehr ungern lese ich allerdings das im deutschen verwendete „die/meine Dom“. Gefühlt unschön, die Neigung ist deutlich, aber die Frau wird nur durch Artikel/Personalpronomen klar. Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso ich in Ermangelung eines besseren Ausdrucks für mich selbst „Domme“ benutze.

Fazit: In Zukunft werde ich aufhören die gute, alte Herrin als Anrede zu tolerieren und sie in die völlige Verbannung schicken… und mich wie gehabt einfach Ivy nennen lassen. Vielleicht auch Lady… aber bittschön nur sonntags. Und ohne Siezen.

9 Gedanken zu “Herrin? Nein, danke.

  1. Sunny schreibt:

    Ich danke dir genau DAFÜR… allerdings mit einem kleinen Veto… den MISSTRESS ist der weibliche Mister😉 und dem Nachsatz zu der Verweigerung der Herrin: Ich bin mit Leib und Seele Frau…

    UUUUUUUUUND last but not least… es ist halt immer wieder schön, deine Freundin zu sein :o)))

    Sunny

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    • Ivy schreibt:

      Ach Schatz, das ist ein gerne vermuteter Zusammenhang, aber die Mistress ist das Gegenstück zu Master, der Mister hat doch eine Mrs. Die ist zwar von der Mistress abgeleitet, bezieht sich aber auf die verheiratete Frau, genau wie der Mister von Master abgeleitet wurde. Insofern für mich als Anglophone gefühlte „Stand-alone“-Bezeichnungen.

      Aber das darf glücklicherweise jede fühlen wie sie mag und dem glücklich Unterworfenen anordnen, was ihr gefällt 😀

      Kisses

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  2. Sunny schreibt:

    Göttin (Godess oder Divine) lasse ich gelten. Da gibt es keine Diskussionen, denn: Als Gott den Mann schuf, übte sie nur. Außerdem zeigt das Respekt auf höchster Ebene. Daher bin ich so gnädig, das zu erlauben😉

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    • Ivy schreibt:

      Ich seh es vor mir, wie mein geneigter Untergebener sich einen abstottert: „Meine Herrin… nein, meine Lady,… ähm nein,.. mein göttliches Plüschkaninchen… darf ich Ihre… nein, Mist… Deine herrlichen Füsse… upps… niedlichen Pfötchen küssen?“

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  3. Sunny schreibt:

    laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaach, du nun wieder…. Nun, sehen wir es als sportliche Lernaufgabe für den Sklaven. Es könnte unter die Rubrik fallen: Vor Inbetriebnahme des Mundwerkes, Gehirn einschalten!!!

    Ich finde den Denkansatz nicht schlecht… *fiesgrins…

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