Dominante Metaphorik

Checkbox

Ich bin dominant – tolle Sache. Kann man in diversen Profilen anklicken. Macht sich auch immer gut. Aber ich bin, im Sinne des Wortes, sprachlos, wenn es darum geht dieses Wort mit nachvollziehbaren Inhalten zu koppeln. Da haben es Submissive gefühlt leichter. Und keine Angst, das wird kein „Mimimi… die Subs haben es so gut“-Posting. Das kommt später.

Submissive beschreiben ihre Gefühlslage gerne mit Hingabe. Kann ich gut nachvollziehen. Sich bewusst hin zu geben, ist ein starkes und von vielen Emotionen begleitetes Handeln. Aber wie beschreibe ich das, was ich im Gegenzug tue? Ich nehme es dankbar an. Klingt ziemlich passiv und in etwa so als würde ich beim Briefträger für ein Paket unterschreiben. Recht unsexy in meiner bescheidenen Weltsicht. Dann gibt es da noch das „Fallen“ oder „Fallen lassen“. Das Antonym davon wäre „Steigen“, aber nicht ich fühle einen Anstieg das Machtgefälles, nicht ich werde durch meine Dominanz erhöht, sondern forciere bestenfalls mit Worten, Gesten und Handlungen das Gefälle innerhalb des Machtgefüges.

Ein dominanter Mann sagte einst zu mir: „Ich fühle dann die Macht.“ Aha. Wie muss ich mir das vorstellen? Kam da ein kleines Hutzelmännchen vorbei, zog sein Lichtschwert und sprach „Möge die Macht mit dir sein.“? Wohl kaum. Es ist, zumindest bei mir, auch nicht so, dass plötzlich aus dem Morast meiner dunklen Fantasien  ein paar schillernde Bläschen angefüllt mit Macht hochblubbern und in ungeahnter Farbenfreude explodieren. Entweder überkommt mich die Macht nicht als dezidiertes Gefühl oder ich bin Yoda einfach noch nicht begegnet. Oft gelesen habe ich auch: „Freiheit, zu tun was ich will.“ Guter Plan, aber dann ist derjenige noch nie einem starken und selbstbewussten Devoten begegnet, der einem freundlich, aber sehr bestimmt sagt, innerhalb welchen genau definierten Grenzen man genau welche Praktiken einsetzen darf. Oder der freiheitsbewusste Dominante hat einfach den metakonsensuellen Schuss nicht gehört.

Meine Dominanz schlendert eher wie eine Katze bei Tag und Nacht durch meinen Verstand, sie spielt hier und da mit einer Fantasie, wandert auf dem schmalen Grad meiner Moral, versteckt sich im Schatten, wenn Wertvorstellungen und katholische Erziehung an ihr vorbei kommen. Manchmal quetscht sie sich durch einen haarfeinen Riss in meiner Selbstkontrolle und geht in die lichtlosen Räume dahinter, schnuppert in der Dunkelheit und erforscht unbekannte, noch verstaubte Ecken, von denen sie mir später mit leiser Stimme erzählt. Sie liegt auch gerne träge auf meinem Selbstbewusstsein, scheinbar dösend nimmt sie die Avancen der Submissivität an, um plötzlich aufzuspringen, sich in die Wände meines Bewusstseins zu krallen,  sich in Kontrolle, Macht, Gier und Lust zu baden. Erst wenn sie satt gespielt ist, sich berauscht hat an Demütigung, Scham und Hingabe, kuschelt sie sich für einen Moment zufrieden an Fürsorge und Wärme. Nur um bei nächster Gelegenheit aufzuspringen und neugierig den kleinen grünen Irrlichtern meiner vermeintlichen geistigen Gesundheit nachzujagen.

Hab ich nur noch nie als Checkbox im Profil gefunden.

4 Gedanken zu “Dominante Metaphorik

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