Warum ich?

Es regnet in Strömen und ich rette mich samt meinen Einkäufen unter das Vordach der Bäckerei. Ein Mann hält mir die Türe auf, was angesichts der automatischen Schiebetür überflüssig erscheint. Natürlich ist die Bäckerei rappelvoll. Neben mir steht der Kerl, der das Türphänomen anscheinend nicht begriffen hat und plappert fröhlich vor sich hin. Ich gestehe, ich höre ihm nicht zu, sondern bemühe mich meine patschnassen Einkäufe einigermassen sinnvoll zu sortieren. Mein Geldbeutel, den ich in weiser Voraussicht schon mal anfange zu suchen, ist in einer der drei Tragetaschen verschwunden. Klar, ist immer so, schliesslich hab ich die Handtasche nur zur Dekoration mit. Meine Laune dümpelt vor sich hin.

Wir sind vorgerückt, ich nicke Sonja zu, die heute an der Theke arbeitet. Wir waren mal in der selben Klasse, sie weiss schon was ich will. Irritiert stelle ich fest, dass der wunderliche Kerl immer noch versucht mit mir eine Unterhaltung anzufangen. Möglicherweise bin ich in solchen Dingen etwas aus der Übung und deshalb frage ich ihn ganz unverblümt: „Sagen Sie mal, versuchen Sie mit mir zu flirten?“ Sonja kichert. Er sagt schlicht: „Jepp.“ Meine Verblüffung ist gewaltig. Eigentlich schaut er nicht schlecht aus, auch wenn ich es nicht so mit der gediegenen Variante Mann habe. Etwa mein Alter, netter Hintern, sogar im Anzug. Und er lächelt mich an, als wäre ich die Butterbrezel seiner Träume.

Wet RatMeine Contenance lässt wohl zu wünschen übrig als ich frage: „Schätzelein, du kannst doch nicht ganz gescheit sein, oder? Du flirtest eine Frau an, die ausschaut wie eine nasse Ratte? Meine Schuhe sind voller Wasser, ich hab einen Packen Klopapier unterm Arm und jonglier mit einem Windelkarton. Nur um das mal klar zu stellen, ich bin alleinerziehend, liiert, offensichtlich mit meinen Tageseinkäufen überfordert, hab bescheiden geschlafen, eine entsprechende Laune und lass in der Bäckerei anschreiben, weil ich meinen verfluchten Geldbeutel nicht finde. “ Von der Seitenlinie kommt der Einwurf „1,80 auf den Deckel. Notiert.“ Sein Lächeln ist verschwunden und sein Blick wandert von mir zu Sonja und wieder zurück. „War´s das?“ fragt er mich. Ich nicke. Vermutlich hab ich schon mehr als genug gesagt.

Er nimmt mir den Windelkarton aus der Hand, schnappt meine nassen Taschen und mit einem sensationellen Grinsen sagt er zu Sonja: „Zwei Kaffee bitte. Wir sitzen am Ecktisch.“

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