Togetherness

Wie oft kommt es statistisch wohl vor, dass der Todestag eines Menschen auf seinen Hochzeitstag fällt? Vermutlich wäre es mir möglich das zu berechnen, aber würde die Antwort etwas ändern? Seit elf Jahren schreibe ich an diesem Tag etwas für Mika. Mal öffentlich, mal für mich, aber ich vergesse es nie. Es ist wichtig.

Über die Zeit lese und spüre ich eine Veränderung in meinen Erinnerungen an diesen Tag. Ja, er fehlt mir immer noch, es gäbe so vieles zu erzählen, zu lachen, zu diskutieren, zu kochen und zu feiern… aber ich fühle keine Wut mehr, fühle mich nicht mehr betrogen um meine Liebe und unser Leben. Gelegentlich bin ich noch traurig, aber der Schmerz ist nicht mehr zermürbend. Und heute habe ich kaum an den Todestag gedacht sondern an unsere Hochzeit und die lebendige Hälfte der Erinnerungen dieses Datums wieder entdeckt.

Mich erinnert, dass ich bereits um 9 Uhr morgens moderat betrunken war, weil die Trauzeugin Angst hatte, ich würde sonst nur Quatsch reden. Mika, der nachfragen musste, wie er seinen neuen Namen zu schreiben hat. Den Brautstrauss, der beinahe zu Hause vergessen wurde, mein Vater der wie immer zu spät kam, die Freunde und die Familie. Grossartiges selbst gekochtes Essen, Schneeregen und Kleinkinder mit schokoladeverschmierten Mündern. Es war eine schöne Hochzeit und es war eine wunderbare Zeit, die erleben zu dürfen, mich dankbar macht.

Die Zeit ist vorbei, aber eine neue hat begonnen. Und auch diese hat das Recht ein wunderschöner und aufregender Teil meines Lebens zu sein. Ich bin sicher, Mika ist in diesem Punkt ganz und gar meiner Meinung, denn er hat es wirklich verstanden das Leben zu feiern.

Mika

Mika Becker

24. September 1967 – 16. April 2004

4 Gedanken zu “Togetherness

  1. knipserei schreibt:

    Was hat Dir geholfen über diesen Tod hinweg zu kommen. Ich kenne derzeit jemanden, da hat sich seine Frau nach den plötzlichen Kindstodes des ersten Kindes das Leben genommen. Er sieht keinen Grund, noch länger leben zu wollen.

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    • Ivy schreibt:

      Das tut mir sehr leid für deinen Freund, aber ich kann ihn verstehen, ich wollte auch nicht mehr. Aber da waren Freunde da, die mir zugehört haben und meine Emotionen auch nach längerer Zeit noch ertragen haben. Die haben dafür gesorgt, das ich Aufgaben habe… da wurden Hunde und Kinder geparkt, Schreibaufträge gegeben, alles was mich beschäftigen konnte und mir das Gefühl gab wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Auch wenn ich das Glück hatte, das weitgehend intern zu lösen, kann eine professionelle Trauerbegleitung (zB bv-trauerbegleitung.de) bei einer so unglücklichen Situation wie bei deinem Freund vielleicht wirklich etwas erreichen. Mir hat auch ein Forum für (Früh-)Verwitwete ab und an gutgetan, bspw. verwitwet.de.

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      • knipserei schreibt:

        Danke für die ausführliche Antwort!
        Interessant, dass Aufgaben Dir ‚geholfen‘ haben … das ist echt eine richtig gute Idee … da kann man mal was versuchen.
        danke auch für die i-adressen, ich guck die mir mal an.

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