Wunscherfüllungsfee

Es gibt eine Sache, die fürchten viele dominante Frauen wie der Teufel das Weihwasser. Sie schlagen drei Kreuze und beten leise, dass es sie nicht erwischt. Sie wollen keine Wunscherfüllungsgehilfin sein, nein, sie nicht. Aber mal ganz ehrlich und so unter uns – was denn sonst? Wie soll sich eine lebhafte und zumindest meiner Vorstellung nach erstrebenswerte tragfähige Beziehung entwickeln, wenn ich die Wünsche meines Submissiven nicht erfülle?

Ja, ich bin lang genug dabei und kenne das Geblubber von wegen frau lasse sich nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hätte und auf keinen Fall würden die Fantasien ihres geknechteten Anhängsels sie in ihrer Sexualität beeinflussen. Aber was wenn dem nicht so ist? Bin ich dann eine schlechte Domme? Oder schlimmer noch, tue ich Dinge, die im imaginären Domme-Handbuch ganz fett unter „Verboten für immer“ stehen?

Aw, fuck off. Er steht auf Blow-Jobs – was soll´s, passt prima zu Tease and Denial. Er küsst gern Füsse – hey super, kann er haben, solange er nebenbei meine Schuhe putzt. Er möchte mal als Tischchen benutzt werden – nur zu, kann ich schon bequemer bloggen. Er findet es sexy, wenn ich meine Lust ohne Rücksicht auslebe – sicher doch, dann aber auch jederzeit und überall. Er will mir dienen – da ist das Kochbuch und hier die Spülmaschine. Unendliche Fantasien, unendliche Möglichkeiten.

Er lernt dann schnell was meine Oma meinte, als sie sagte: „Bedenke was du dir wünscht, es könnte wahr werden.“ Ich bin fantasievoll genug um seine eigenen Vorstellungen ganz anders zu befriedigen, als er es erwartet, ich hab keine Angst nur noch die Gehilfin seiner verqueren Ideen zu sein. Ich mache mir seine Wünsche nicht zu eigen, sondern ich habe meines Erachtens nach die Aufgabe, seine Fantasien zu erfüllen – mehr noch, sie zu meiner eigenen lustvollen Befriedigung zu verdrehen, missbrauchen und verwenden. Und zwar nicht morgen oder übermorgen, sondern dann, wenn er eigentlich denkt, ich hätte seine beiläufige Erwähnung längst vergessen.

Macht mich das zu einer Erfüllungsgehilfin seiner sexuellen Wunschvorstellungen? Nein, tut es nicht. Ich bin keine Helferin, ich bin nicht mal hilfswillig. Meine kruden Wünsche und abartigen kleinen Fantasien haben jede Menge Platz und ich achte darauf, dass ich genau das bekomme, was ich will. Es schränkt mich nicht im Geringsten ein, bereichert aber meine Beziehungen ungemein. Denn ich darf alles sein: Die böse Hexe mit dem zuckersüssen Lächeln, die perverse Schwester der bezaubernden Jeannie und die zynische Elfenkönigen aus dem bitterbösen Märchen. Eine Wunscherfüllungsfee par excellence … nur mein Zauberstab schaut etwas anders aus.

5 Gedanken zu “Wunscherfüllungsfee

  1. DirtyBen schreibt:

    Gut, ich bin keine Frau… Ich spiele auch gerne und – ich kann und will mich nicht dagegen wehren – ich bin auch gerne dominant. Vielleicht ist mein Vorteil, dass ich mich nicht wirklich Frage, was man tut und was man nicht tut. Ich mache, wonach mir ist und was mir Freude bereitet. Natürlich habe ich dabei auch meine eigenen Fantasien und spiele im Kopf. Dinge, die mich reizen und erregen. Aber, und das erregt mich zum Beispiel sehr, wenn ich sehe, wie sehr ich die Frau errege. Wie sehr sie unter meinen Finger zu triefen beginnt und dazu spiele ich mit ihren Fantasien, mit den Dingen, die sie erregen, ja, schier zum Überlaufen bringen. Bin ich deswegen ein Wünscheerfüller? Vielleicht ein bisschen, aber dadurch wird auch mein Wunsch erfüllt. Was wäre die Biene ohne Blüten?

    Liebe Grüße,
    Ben

    Gefällt mir

    • Ivy schreibt:

      Mir ist bei Maledom-Profilen dieser Ausdruck auch nie untergekommen, es scheint Femdom-spezifisch zu sein. Vielleicht ist es eine Folge althergebrachter Vorstellungen, dass Frauen sich sexuell unterwürfig zu verhalten haben und sich den Wünschen des Mannes zu beugen haben… für dominante Frauen erscheint das nicht zwingend erstrebenswert, auch wenn ich genau das liebe, was du beschreibst🙂

      Liebe Grüße,
      Ivy

      Gefällt 1 Person

  2. lilasumpf schreibt:

    Hmm .. also ich werde ja gerne von meinen Dom’s „Wunschzettelsubbie“ genannt, weil ich genau das habe – Wünsche!
    Ich denke jede(r) sub funktioniert anders, genauso wie jede(r) Dom(me) anders funktioniert.

    Ich funktioniere eben über positive Motivation, nicht über Bestrafung. Dafür ist meine HIngabe nicht mehr oder weniger gut oder intensiv – im Gegenteil. Ich glaube, wenn mir ein Wunsch erfüllt wird, ist meine Dankbarkeit potenziert und das merkt dann eben auch mein Dom.
    „Deine Augen strahlen dann so intensiv und Du glühst förmlich vor Dankbarkeit“ – sagte mir mal einer.
    Dann wiederum sagte einer, dass es ihn ja auch anmachen würde, wenn ich erregt und geil bin – daher habe er kein Problem damit Wünsche zu erfüllen – er würde schon darauf achten, dass er auch auf seine Kosten kommt.
    Ich hatte immer Bedenken, dass ich „topping from the bottom“ mache – was totaler Quatsch ist, denn jemand, der wahrhaft dominant ist, würde das (glaube ich) nicht durchgehen lassen… oder?😉

    Ich denke, da muss jeder für sich seinen oder ihren Weg finden. Es wird auch die subs geben, die es abtörnt, wenn sie bekommen, was sie sich wünschen, weil sie dann die dominante Seite als schwach oder ideenlos empfinden.

    Und auch in Dom-sub-Beziehungen ist doch immer noch ein Miteinander oder? Da finde ich den Weg von Ivy perfekt!

    Gefällt 2 Personen

    • Ivy schreibt:

      Ich ganz persönlich glaube, dass Frauen den Wunschzettel besser verkaufen, aka Augenaufschlag, Wimperklimpern und „Duhu, könnten wir nicht mal… ach bitte.“. Wohingegen einige submissive Männer einer Frau schon quasi im ersten Gespräch eine Liste vorlegen, auf der detailliert festgeschrieben ist, was sie wann und wie gerne hätten und wie frau sich dabei zu verhalten hat. Der Erfolg solcher Unterhaltungen ist eher überschaubar. Das ist die Sorte Wunschzettelsubs, die mMn wirklich nerven… deine Variante mit viel Begeisterung und entsprechender Reaktion ist eine ganz andere Nummer… da wird doch jeder fühlende Mensch schwach🙂

      Natürlich geht das garnicht, weil Topping von the bottom und so… aber Göttin, there is no place to run, wenn dir ein/e Sub/bine so kommt😉

      Gefällt mir

      • lilasumpf schreibt:

        *grins* Hmm… also die devoten Männer, die ich (online) bespielt habe, die haben mich echt immer raten und probieren lassen, bis ich rausgefunden hatte, was die sich wünschen… Kann AUCH spannend sein, fand ich mitunter aber auch echt anstrengend …🙂

        Aber es stimmt: Ich werde zwar scherzhaft immer Wunschzettelsubbie genannt, aber es scheint den Herren dennoch Spaß zu machen, diesen Zettel abzuarbeiten🙂

        Und Topping from the bottom geht garnicht…🙂

        Gefällt mir

Sag was du denkst - tu ich ja auch.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s