Ritter sein dagegen sehr…

Ritterlichkeit ist ein furchtbar altmodischer Begriff und … ich steh total drauf. Ich meine jetzt nicht die alptraumhafte Vorstellung, dass ein Kerl im Panzeranzug ein weisses Pferd zu Schanden reitet um mich zu erobern, sondern über die klassischen ritterlichen Tugenden verfügt. Wer solche Begriffe benutzt, weiss meistens auch was diese beinhalten, aber nachdem das Hochmittelalter schon ein paar Tage her ist, repetiere ich nochmal:

Die ritterlichen Tugenden umfassen folgende Normen:
Zurückhaltung (mâze), Beständigkeit (staete), Würde (werdekeit), Anstand/Wohlerzogenheit (zuht), Demut (diemüete), Freundlichkeit (güete), Höflichkeit (höveschkeit), Tapferkeit (manheit), Großzügigkeit (milte), Treue (triuwe), ritterliches Ansehen (êre), seelische Hochstimmung (hôher muot)

Und mal ehrlich, das liest sich doch wie „nimm mich“ … Ein Mann, der im ersten Anlauf versteht, wieso seine Holde die Jacke auf den Boden fallen lässt, wenn er sie ihr nicht abnimmt. Einer der intuitiv weiss, dass es keine gute Idee ist, sich zu setzen, wenn seine Lady noch steht. Der seiner Liebsten beim Zahnarzt die Hand hält. Einer, der die Schwächen seiner Angebeteten mit einem Lächeln zu überstehen weiss. Einer, der sich mit Würde niederknien kann und bittschön auch rot wird, wenn er gezwungen wird, schmutzige Wörter zu benutzen.

Es ist einfach sich rotzig aufzuführen, sich selbst für den Nabel der Welt zu halten und sich wie ein Holzfäller durch soziale Bindungen zu brechen, aber nicht solche Tugenden zu pflegen. Es wirkt leicht anachronistisch und macht Arbeit. Es erfordert Disziplin und Selbstreflexion um den schmalen Grad zwischen Manieriertheit und Authentizität zu finden ohne überbordend ernsthaft oder furchtbar albern zu wirken. Aber wenn jemand diese Werte mit einer nonchalanten Selbstverständlichkeit vertritt und kommt da noch ein Funken der Hohen Minne dazu, werde ich an diesem Mann zur Überzeugungstäterin.

Mein liebster Submissiver hält mich deswegen für wertkonservativ, aber erstens bin ich nicht konservativ und zweitens ist das Quatsch. Ich bin nur nicht richtig modern, was das betrifft. Allerdings bin ich modern genug um zu glauben, dass ein wenig Ritterlichkeit auch den meisten Frauen hervorragend steht.

5 Gedanken zu “Ritter sein dagegen sehr…

  1. waldstern schreibt:

    Gut geschrieben. Ich habe an anderer Stelle mich kürzlich ähnlich geäußert. Aber du musst zugeben, dass dieser Kanon eine gewaltige männliche Anstrengung und jahrelange Einübung, sofern er nicht mit der Muttermilch aufgenommen wurde, erfordert und es fast wie ein religiöses Manifest klingt.

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  2. waldstern schreibt:

    Gestatte mir noch ein Nachtrag. Abgesehen davon, dass die Liste der ritterlichen Tugenden ein wunderbares Erziehungsspiel für eine dominante Frau, die an der Ausbildung ihres submissiven Partners interessiert ist, eröffnet, möchte ich hierzu noch auf den Blog von Maria Shriver verweisen, die fordert, dass man to-do-Listen zu Gunsten von to-be-Listen vergessen soll:

    http://goo.gl/7FKaaG

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  3. Ivy schreibt:

    Ich gebe dir vollkommen recht – es gibt im Englischen den Spruch: „A man that treats you like a princess, was raised by a queen.“ Einen Grossteil dieser Tugenden, oder besser ethischen Normen muss man wohl von klein auf hegen und pflegen oder Unmengen von Arbeit investieren. Die Wurzeln des Ganzen entstammen zweifelos christlicher Vorstellungen, eine Nähe zur Religion ist unvermeidlich – allerdings haben andere Religionen inhaltlich ähnliche moralische Kodizes entwickelt (bspw. Yama/Dharma).Die meisten der Tugenden sehe ich nicht als taugliche Spielgrundlage… da eignet sich eher die neudeutsche Variante der Ritterlichkeit😉

    Danke für den Link, das ist wirklich bedenkenswert🙂

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