10 Fucking Days – Nice Girls

Nice girls don´t use bad words. Ein Credo, das mir seit frühester Jugend vertraut ist und das ich mehr als einmal mit einem Mund voller Seife bezahlt habe. Rustikale Erziehungsmethoden, dennoch erstaunlich wenig erfolgreich … ich sage immer noch „Fuck“. Ehrlich gesagt, ich benutze es öfter mal. Meist in Zusammenhang mit „Oh“, oft auch in Grossbuchstaben. Sehr grossen Grossbuchstaben. Verbale Entspannungstherapie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Facepalm#/media/File:Paris_Tuileries_Garden_Facepalm_statue.jpg

Es ist ein sprachlicher Makel, das „F-Word“ sollten wohlerzogene Menschen einfach nicht benutzen. Schon gar nicht Frauen – das gehört sich einfach nicht. In meiner durchzensierten linguistischen Sozialisation durch eine erzkatholische Familie und konservative Klosterschwestern sind die „Bad Seven„, zu denen auch Fuck gehört, tabuisiert worden. Sowohl in der englischen wie auch der deutschen Erziehung. Aber auch mein sonst liberaler Vater, waschechter Feminist, tendiert in solchen Fällen zu nachhaltigem Facepalm, während mein liebster Submissiver die Augen verdreht ob meines wenig damenhaften Sprachverhaltens. Obwohl nicht konservativ erzogen, scheint dieses Wort ihn zu stören. Zumindest wenn ich es benutze.

Dabei kommt es überall vor… so stammt Snafu aus dem Militär, die IT-ler kennen auch Fubar, Rapper fucken jeden, Manager treffen sich auf Fuck-up-Treffen und Männer suchen im Internet nach MILFs… aber Moment mal, apropos Männer. Kann es sein, dass das F-Word vor allem in Bereichen in Erscheinung tritt, in denen der männliche Teil unserer Spezies gehäuft auftritt? Ist es möglich, dass wir  der Symbolik der Heiligen und der Hure noch nicht wirklich entwachsen sind? Es erscheint ein wenig bigott, zumindest mir, die Verwendung eines der häufigsten Wörter vor allem für Frauen zu restriktieren, während alle Beteiligten an der Sprachkultur nicht nur tatsächlich der lusterfüllenden Beschäftigung nach geht, sondern dieses Wort in allen seinen Erscheinungen auch medial vorgesetzt bekommen.

Für Frauen gilt nach wie vor ein bisschen mehr sprachliche Contenance, denn wenn sie das böse, böse Wort selbst benutzen, vorzugsweise um andere in Form eines zusammengesetzten Substantivs damit zu bezeichnen, dann werden sie gerne und meines Erachtens auch recht zügig des bitchens beschuldigt … ihr wisst schon, die gute alte Hengst-vs.-Schlampe-Denke. Die in der Öffentlichkeit wohlerzogen und deswegen begehrenswert erscheinende Lady mit bildungssoliden Hintergrund soll sich tunlichst verbal so benehmen wie eine Hofdame aus dem Ancien Régime. Zugleich soll sie gefälligst so aufgeklärt und männerfantasienerfüllend sein, dass sie bei passender Gelegenheit auch Dirty Talk aus der Schublade packen kann… und zwar ordentlich. Aber nur im eigenen Bett, bittschön

WTF?

5 Gedanken zu “10 Fucking Days – Nice Girls

  1. mell schreibt:

    Ich gebe zu ich benutze fuck fast garnicht. Weder schreibe ich es noch sage ich es. Es kommt vor das ich es denke .
    Benutze ich es dann doch einmal (zum Beispiel bei einem gehauchten Fick mich) fühlt sich das schrecklich unanständig an🙂
    Jetzt überlege ich ob das schon immer so war, ob das Erziehung ist oder ob das so gewachsen ist in immerhin bald 16 Jahren mit kleinen Leuten um mich rum.
    Und wenn es gewachsen ist und nicht anerzogen, warum ist es dann so schrecklich unanständig wenn ich es in bestimmten Situationen doch benutze?
    Hm, ich glaube es ist doch anerzogen, ich benutze auch andere Worte nur ungerne weil ich denke das geht doch nicht. Das kann man so nicht sagen. Jedenfalls nicht ohne eine gesunde Röte auf die Wangen zu zaubern🙂

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    • Ivy schreibt:

      Gesunde Röte? Wenn ich mich recht erinnere leuchtest du wie ein Feuermelder😉

      Ich persönlich halte es für anerzogen, denn nach jetzt 4 Jahren mit Klein-Klein und 20 Jahren in einer beruflichen Umgebung in der Schimpfwörter eher unangebracht sind, hat sich mein Verhältnis dazu nicht verändert – ich habe nur gelernt mich etwas besser zu beherrschen🙂

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      • mell schreibt:

        Ich glaube da lässt dich dein Gedächnis etwas im Stich *gg* oder das Licht war schuld.

        Anerzogen kann durchaus sein, wenn man mal überlegt das die Großeltern ordentlich mit erzogen haben. Um Beherrschung bitte ich derzeit die Pubertisten im Haus, die haben nämlich komischerweise keinerlei Probleme Worte zu benutzen die ich ihnen sicher nicht beigebracht habe🙂

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