10 Fucking Days – Romantic Poetry

Halb zog sie ihn, halb sank er hin … Ja, auch Goethe hatte seine Momente und genau genommen nicht zu knapp. Aber was beschreibt der gute Mann da eigentlich? Die Liebe. Lustvoll, körperlich und leidenschaftlich. Eines der zentralen Themen der Literatur, der Musik, der Kunst, der Menschheit. Wundervoll. Aber selten offensichtlich. Und noch seltener mit dem klaren und eindeutigen to fuck oder dem deutschen Äquivalent ficken bezeichnet. Unterhaltsamerweise oft begleitet von legitimierender Kritik an den jeweiligen bestehenden Systemen und Moralvorstellungen.

Wenn „Herzen im Einklang schlagen“ hatte der Autor denn wirklich immer nur das idyllische Händchen halten auf dem Rosen umrankten Bänkchen im Sinn? Glaubt wirklich jemand, dass die Liebe, wie sie in der verklärten Darstellung beschrieben wird, sich nur auf das Austauschen verschämter Blicke beschränkte? Bereits die von mir gern gelesenen hochmittelalterlichen Tagelieder beschreiben eine Welt wie wir sie in erotischen Angelegenheiten kennen: Die Nacht erscheint den Liebenden immer zu kurz. Und zwar nicht weil sie im Mondenschein zärtliche Liebesschwüre ausgetauscht haben. Oh nein, sie hatten ganz banalen Sex und hätten da auch gerne noch etwas mehr davon.

Meiner Ansicht nach lohnt es sich durchaus mal die an der Oberfläche glatt gebügelt wirkende Poesie mit erotisch wachem Geist zu lesen… man findet, egal ob im Kaiserkleide, in Toggenburg oder auf Julias Balkon wunderbare Umschreibungen, Andeutungen und Hinweise darauf, dass auch Menschen mit einer durchaus kultivierten Sprache sich gerne mal auf die grundlegenden Elemente der Arterhaltung besinnen. Ganz wie ich, nur das ich dafür keine so schwärmerischen Umwege gehen muss. Nicht weil ich es mit ein bisschen Konzentration nicht könnte, sondern weil es seinen ganz eigenen romantischen Reiz hat, einen schönen Mann ohne Worte soweit zu bringen, dass er leise in mein Ohr flüstert „Fuck me, please.“

5 Gedanken zu “10 Fucking Days – Romantic Poetry

  1. lettercastle schreibt:

    Ja, du hast durchaus recht. Es hat seinen Reiz einen Mann ohne Worte so weit zu bringen, doch…
    sollten nicht auch die zartbesaiteten Blicke und die im Einklang schlagenden Herzen ihren Platz in der Welt finden? Sind sie nicht die Vorstufe zur Sexualität und sollten ebenso respektiert, gewürdigt und festgehalten werden? Wo wären wir denn ohne sie? In einer lieblosen Welt die sich nur auf das Körperliche beschränkt. Und wer will das schon auf die Dauer!?
    Liebe Grüße,
    Lettercastle

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    • Ivy schreibt:

      Eben weil diese einklingenden Herzen ihren Platz in meiner Welt haben dürfen, lese ich solche Dinge😉 Sie sind aber für mich nicht zwingend die Voraussetzung für Sex. Für mich ist Sex eine andere Ausdrucksform meiner zuweilen nicht ganz minneliedkompatiblen Emotionen und beileibe nicht nur etwas Körperliches.
      Liebe Grüße,
      Ivy

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