10 Fucking Days – Bodyparts

Inzwischen hat sich in der Welt herumgesprochen, das man das Wörtchen „Fuck“ quasi mit jedem dahergelaufenen Substantiv verknüpfen kann. Gute Sache. Aber es erfüllt mich immer wieder mit geheimer Freude, wenn Fremdsprachler (insbesondere Deutsche, die sind da besonders rege) in englischsprachigen und einschlägigen Chats faszinierende Wortschöpfungen benutzen um gewisse sexuelle Praktiken zu beschreiben. Die sind zwar in Zusammenhang leicht verständlich, stossen aber die Empfänger gerne mal vor den Kopf. Oder verursachen einen Lachflash.

Stellen wir uns mal die Situation vor: Männlicher Submissiver trifft Traumdominante. Sie ist nicht nur perfekt, sondern wohnt auch im Nachbarort. Einziges Problem: Sie spricht kein Deutsch. Kommt vor, tun schliesslich die meisten Leute auf der Welt nicht und schaut man sich die stagnierende Geburtenrate an, scheint Deutsch eh nicht die erotischte aller Sprachen zu sein. Egal. Die Beiden treffen sich also an einem hübschen Ort und möchten Tacheles reden. Wenn er als Schulenglischsprachler nicht einige Regeln im Umgang mit „x-fuck“ beachtet, geht das schief.

Aktive und kontrollierte Beschäftigungen heißen Job. Schließlich ist das was Anstrengendes. Es ist äußerst unangemessen eine dominante Dame zu fragen, ob sie Facefuck mag. Bling. Es heißt Blowjob. Ein dominanter Mann dürfte, sofern er weiss, dass das submissive Gegenüber auf Demütigung steht, die Frage stellen, allerdings wäre es höflicher zu eruieren, wer an wem runter geht, sprich: to go down. Da darf man auch bei einer Dame nach haken, ob ihr das Freude macht. Oder ob sie Queening mag. Aber to go down bezieht sich wirklich und wahrhaftig nur auf die Körpermitte, nicht auf die Füße! Wer wissen möchte ob der Partner in spe interessiert ist, fragt mach einem Footjob. Man darf sogar hier alle möglichen Präzisierungen anbringen Toe-, Sole-, Sandaljob. Oder Stepping. Aber nicht Footfuck. Nein, geht gar nicht.

Gerne genommen wird auch der Assfuck, das ist zwar an sich korrekt, aber die Kombination aus gleich zwei verbotenen Wörtern ist nicht ganz der Brüller, noch dazu, wenn ein Mann das fragt, muss die Frau mit Sprachgefühl davon ausgehen, dass er der Aktive sein will. Sollte seine Neugier auf die Verwendung eines Strap-Ons abzielen, dann sollte er lieber nach Pegging fragen. Es heisst nicht Strap-On-Fuck. Echt nicht. Will der Herr einigermaßen höflich herausfinden, wie es bei der Dame so mit den analen Freuden aussieht, versucht er es mit anal play. Aber niemals mit einem Assjob. Dafür beschreiben Boob job und Tit fuck tatsächlich dasselbe… aktiv und passiv sozusagen.

Ein Handjob dürfte sich auch Nicht-Muttersprachlern selbst erklären. Allerdings wird es dann beim ganz normalen to fuck wieder kniffiger. Wenn er direkt wissen, ob sie Sex in seiner klassischen Form mag, kann er beispielsweise nach Penetration fragen, auch nach Intercourse, aber das klingt eher muffig. Sollte sie ihm, nach seiner erfolgreichen Anwendung englischer Vokabeln eh schon anhimmeln, kann er es auch mit love-making versuchen. Das klingt immer kenntnisreicher als: Do you fuck?

Wir hatten wir es vom Mindfuck. Hier mögen Anglophone eventuell etwas mehr Genauigkeiten. Das Wort wird in sehr vielen Zusammenhängen benutzt und ist in einigen Genres ganz unsexuell klar besetzt. Hier kam man sich dafür mit dem Spassfaktor so richtig in Szene setzen… play. Deutsche Gründlichkeit wird bevorzugt: petplay, rapeplay, ageplay, fearplay, roleplay, edgeplay, … auch die Techniken sind verspielt: breathplay, waxplay, impact play, sensation play, needle play, … Und wo ich grade so dabei bin: Das deutsche LLL – Leder, Lack und Latex entspricht nicht dem englischen LLL – Leather, Latex and Lace (Spitze), Lack heißt schlicht PVC und nicht laquer. WTF?

Die hohe Schule der schmutzigen Wörter beginnt auch nicht wirklich bei der korrekten Verwendung des banalen fuck oder bei der multiplen Variante, dem Gangbang, erst wer mit Daisy Chain, K9, Froggy, Chicken head, Pearl necklace, Swaffelen, Snowballing, Shocker, 369, … mitkichern kann, kann die Angebetete sprachlich schwer beeindrucken – oder aber auf immer und ewig vergrätzen.

Good luck!

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Ein Gedanke zu “10 Fucking Days – Bodyparts

  1. knipserei schreibt:

    Danke für diese Betrachtungen. Weil sie mir seit bald 200 Jahren sooooooo am Herzen liegt, kann ich nicht andres, als SIE hier auch zu zitieren:
    „…I mean, if you got a cat for one day, man — I mean, if you, say, say, if you want a cat for 365 days, right — You ain’t got him for 365 days, you got him for one day, man. Well I tell you that one day, man, better be your life, man. Because, you know, you can say, oh man, you can cry about the other 364, man, but you’re gonna lose that one day, man, and that’s all you’ve got. You gotta call that love, man. That’s what it is, man. If you got it today you don’t want it tomorrow, man, ‚cause you don’t need it, ‚cause as a matter of fact, as we discovered in the train, tomorrow never happens, man. It’s all the same fucking day, man.“
    (JANIS JOPLIN auf dem Live-Album „Joplin in Conert“ bei dem Song „Ball and Chain“)

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