Female Robotization

Einige Blogs aus dem Bereich Female Led Relationship (FLR) lese ich schon über eine geraume Zeit hinweg. Und insbesondere in den sparsam gestreuten deutschsprachigen Blogs ist mir etwas aufgefallen, was mir als dominantem Part einer weiblich geführten Beziehung ein wenig Gedanken macht. Eine Art Unbehagen, das ich mir aus dem Kopf schreiben will.

Unabhängig davon, von wem der Wunsch nach einer solchen Beziehungsform ausgeht, beginnt die Geschichte meist mehr oder weniger als experimentelles Spiel. Da wird oft erwähnt, dass man sich liebt, sich der gegenseitigen Achtung versichert, die Betonung auf Respekt gelegt and so on. Aber nach und nach werden diese Elemente scheinbar immer unwesentlicher, auch wenn der Terminus „Spiel“ nach wie vor verwendet wird. Dann nach einiger Zeit, sprich Jahre, werden nur noch Strenge, Konsequenz und Kontrolle propagiert. Aus dem gemeinsamen Spiel mit dem gesunden Egoismus der Frau und der freiwilligen Unterwerfung des Mannes wird Egozentrik und Erpressung. Es spielt keine Rolle, ob die Paare von Anfang an sadomasochistische Neigungen hatten oder nicht … Bestrafung wird ein zentrales Thema. Und zwar in einem Rahmen den ich für ausgesprochen grausam halte, Missachtung und Liebesentzug.

robot_woman_amidoinitrite_benedict_campbell_desktop_1600x1200_hd-wallpaper-17788Es werden Befehle gebellt, auf die Mann reflexhaft zu reagieren hat. Manieren und Höflichkeit gedrillt, obwohl Frau selbst auf jede Zuvorkommenheit verzichtet. Der Mann wird heiss gemacht, nicht weil Frau ihn scharf findet, sondern um ihn gefügig zu machen. Aus Koseworten werden Demütigungen. Jede Zuwiderhandlung, jede Renitenz muss augenblicklich mit unbarmherziger Konsequenz sanktioniert werden. Das ist kein Spiel, das ist Konditionierung. Dazu kann man stehen wie man will, aber meiner Meinung nach hat diese Art der Behandlung nicht nur seine bedingungslose Gehorsamkeit zur Folge, sondern Frau instrumentalisiert sich selbst. Sie wird zu einer Maschine. Hart, unflexibel und vorhersagbar.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass es die Männer in diesen Beziehungen sind, die dieses Verhalten forcieren, sie manipulieren ihre Frau hin zur Erfüllung einer autokratischen Wichsfantasie. Es wird nicht nur ein anachronistisches männlich dominiertes Beziehungsmodell umgekehrt, es wird ins Stereotyp überführt. Ein nach einer Gebrauchsanleitung in einem Blog auf Herrschaft programmierter Roboter. Nein. Damit will ich meine Art zu leben nicht in einen Topf werfen.

Göttin noch eins, wenn ich die Führung in der Beziehung wirklich innehabe, dann führe ich sie nach meinen Maßstäben, im Bewusstsein meiner Weiblichkeit und unserer persönlichen Stärken, Schwächen und Neigungen. Es gibt keine Fronten zu klären, die stehen fest, jeder Kampf um die Kontrolle wäre unnütz.  Auch wenn völlig klar ist, wer die Entscheidungen letztendlich trifft: Ein liebevoll geflüstertes „Bitte, tu das für mich.“ lässt viele Dinge geschehen, die unmöglich gedacht waren. Ein Hauch Inkonsequenz, ein wenig Nachsicht und viel Empathie darf ich mir erlauben. Strafe ist ein Element, aber nicht ohne die absolute Sicherheit der Zuneigung. Demütigung ist, gezielt eingesetzt, sehr effektiv, aber im Giesskannenprinzip unter seiner und meiner Würde. Lustvoller Egoismus ist eine Wonne für beide, aber ihm mit Drohungen dazu zu zwingen, ist schäbig.

In meiner Welt lebt es sich harmonisch und intensiv. Das Wir steht vor dem Ich und erlaubt es, sich selbst zu leben und auszuleben. Zuhören, Rücksichtnahme, Fürsorge, Liebe und viel, viel Lachen. Ganz echt und völlig entspannt. Und auch wenn es sich nicht ansatzweise so gut liest wie ein Hardcoreblog, es musste mal geschrieben werden.

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Informatikerschwemme

Manche Frauen haben eine magische Anziehungskraft auf Vollpfosten, andere haben den eingebauten Arschlochmagneten. Ab und an scheinen sich in meiner Nähe zwar bevorzugt Männer zu bewegen, die ohne fremde Hilfe kaum bis drei zählen können, aber das sind nur Phasen. Meine DNA hat nämlich wirklich Humor und sich für mich was Spezielles ausgedacht. Ausgerechnet ich, die ich nicht die leiseste Ahnung von PCs habe und mich auch nicht dafür interessiere, ich die glaubt Computer müssten nur eine Sache können, nämlich genau das was ich will, ausgerechnet mir wird das Informatiker-Gen geschenkt. Sehr lustig. Darwin lacht irgendwo sicher grade leise vor sich hin.

math-1Natürlich liebe ich Zahlen, aber diese Liebe schlägt sich nicht in einem binären Verstand nieder. Ich bin fernab jeder Logik und strukturellen Denkens, mathematische Zusammenhänge erschliessen sich mir nicht, es sei denn es handelt sich um exotische statistische Paradoxen wie das Ziegenproblem. Meine Welt ist lustig, bunt, chaotisch; meine Wahrnehmung haptisch und intuitiv. Was also verbindet mich mit Informatikern? Genau… nichts. Und trotzdem waren vier meiner letzten fünf Beziehungen, ganz unabhängig von ihrer Intensität, von Berufs wegen Informatiker. Nimmt man es genau, ist das so etwas wie das Geburtstagsparadoxon: Wenn in einem Raum 23 Personen befinden, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei von ihnen am gleichen Tag Geburtstag haben? Rat mal… falsch gedacht, die Wahrscheinlichkeit beträgt über 50%. Gut, gell.

Bei mir tritt ein ähnliches Phänomen auf: Wenn sich hundert Männer in einer Bar befinden und davon ist einer Informatiker, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Kellerkind mit nach Hause nehme? Richtig… 99,9%. Unlogisch zwar, aber das haben Paradoxen so an sich. Dabei habe ich entgegen jeder statistischen Wahrscheinlichkeit nie zwei beruflich ähnliche Informatiker kennengelernt, es gab Softwareentwickler, Gamedesigner, Verkehrsinformatiker und Finanztechniker, ein besonderes und unvergessenes Highlight unbewusster Anziehungskraft führte mich sogar mal zu einem Numeriker. Kluge und wundervolle Männer allesamt, aber sinnstiftende Unterhaltungen über den Job scheiden zwangsläufig aus. Was möglicherweise dazu führt, dass wir uns im Wesentlichen auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren. Auch wenn ich manchmal denke, ein Handwerker wäre eine erfrischende Abwechslung, ist diese Prädisposition auf Nerds vielleicht doch nicht die Schlechteste… im Vergleich mit dem Arschlochmagneten. Aber das wäre schon wieder Kategorientheorie. Und Mathematik mag ich ja nu gar nicht.

Herrin? Nein, danke.

Die Begrifflichkeit „Herrin“ wird in der BDSM-Szene zur Anrede dominanter Frauen gern genutzt. Teilweise auch recht inflationär. Es scheint ein in der Sache liegendes Bedürfnis zu sein, die Frau, der man sich unterordnet, sprachlich zu erhöhen. Soweit so gut und nachvollziehbar, allerdings war mir die „Herrin“ immer suspekt, fühlt sich für mich nicht gut an, stellt mich nicht wirklich dar, entspricht mir einfach nicht. Einerseits braucht es diese Art des verbal injurierten Respektes mir gegenüber nicht… ich bevorzuge Taten statt Worte um Respekt auszudrücken, andererseits war mir das Wort an sich immer unangenehm, ohne wirklich zu wissen wieso. Ein kleiner Nebensatz der liebsten aller Freundinnen hat mir gestern die Augen geöffnet:

„Ich bin kein weiblicher Herr.“ 

Ist es wirklich so einfach? Nach einigem Nachdenken bin ich zur Einsicht gekommen… Ja, für mich schon. Ich benutze zwar ohne Schmerzen das generische Maskulinum und erspare mir irgendwelche unlesbaren gendergerechten Konstrukte, aber sobald sich etwas auf mich bezieht verwende ich, wo immer möglich, die eindeutig weibliche Variante. Ich lege beispielsweise Wert darauf keine Krankenpflegerin zu sein, ich bin eine Krankenschwester, und das schon immer. Ohne darüber nachzudenken. Es hat mich auch nie gestört „Lady“ genannt zu werden, auch wenn ich dem vom Typus her nicht entspreche. Eine Lady ist sprachlich betrachtet keine Beiordnung zu einem männlichen Ausdruck, sondern ein eigenständiger Begriff. Ebenso wie „Madame“ oder „Mistress“.

Beim Sinnieren über den allgemeinen und den eigenen Sprachgebrauch fiel mir auf, dass ich auch den Ausdruck „Femdom“ benutze. Wieso passt das denn in mein Sprachgefühl? Klar, es gibt im Englischen nicht nur die Femdom, sondern auch den Maledom. Sehr eindeutig in der Zuweisung. Also akzeptabel. Sehr ungern lese ich allerdings das im deutschen verwendete „die/meine Dom“. Gefühlt unschön, die Neigung ist deutlich, aber die Frau wird nur durch Artikel/Personalpronomen klar. Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso ich in Ermangelung eines besseren Ausdrucks für mich selbst „Domme“ benutze.

Fazit: In Zukunft werde ich aufhören die gute, alte Herrin als Anrede zu tolerieren und sie in die völlige Verbannung schicken… und mich wie gehabt einfach Ivy nennen lassen. Vielleicht auch Lady… aber bittschön nur sonntags. Und ohne Siezen.

… and the home of the brave

Seltsam, diese Patriotismus-Sache. Ich bekomme nicht genug davon mit meinem Dad stundenlang über die meiner Meinung nach fehlgeleitete amerikanische Politik zu diskutieren, die Lebensumstände hier-gut und dort-schlecht zu vergleichen, mich über die militärischen Einsätze der USA zu ereifern und über die Verbohrtheit und Intoleranz der angeblich grössten Demokratie der Welt zu schimpfen. Im Gegensatz zu meiner strikt unpolitischen „Blogpersönlichkeit“ bin ich in bunt und in Farbe in dem Punkt sehr leidenschaftlich und immer für eine mit Verve vorgetragene kritische Reflektion der gesellschaftspolitischen Realitäten gut. Die Regierung der Vereinigten Staaten und meines Heimatstaates treibt mich regelmässig an den Rand der Verzweiflung. Ich fühle mich ohnmächtig und angewidert angesichts des Rechtsrucks, der Bespitzelungsmentalität und der hanebüchenen Begründungen mit denen persönliche Freiheiten immer mehr eingeschränkt werden.

Und trotzdem… Fuck… es ist meine Vergangenheit, ein wunderschönes Land voll atemberaubender Schönheit. Eine glückliche Kindheit in endlosen Wäldern, Tiefschnee im November, Kürbiskuchen und Ahornsirup, Bluegrass und Sonntagsschule. Es vereinnahmt meine Emotionen. Meine Hand legt sich unwillkürlich auf mein Herz, wenn ich die Hymne höre – genau wie ich es als kleines Mädchen gelernt habe. Bereits in der Grundschule habe ich das morgendliche Ritual geliebt, den Fahnengruss, den Duft von frisch gemähtem Rasen in der Nase, die Füsse dreckig vom Sandkasten den Star Spangled Banner singend. Ohne die historischen Hintergründe zu kennen, ohne einen Hauch Ahnung von Demokratie, Politik oder Gesellschaft war mir in diesem Augenblick klar, das ich Teil von etwas ganz Grossem bin. Dazu gehöre, eine Verantwortung trage, eine Heimat habe. Ein Gefühl, dass ich in dieser Mächtigkeit nie wieder erlebt habe. Ein gutes Gefühl und eine grosse Liebe, die einfach nicht sterben will.

Happy Birthday, America.

Schräg, erzkonservativ, trotzdem gut – genau wie mein Patriotismus

SSC, RACK oder doch lieber PRICK?

BDSMler haben einen Akronymfetisch, vielleicht geboren aus dem Wunsch sich abzugrenzen und irgendwas Besonderes sein zu wollen. Warum auch immer. Ein ganz lieber Neuling auf dem Spielplatz sexueller Absonderlichkeiten fragte mich kürzlich via Mail nach dem Unterschied zwischen SSC und RACK und wo ich mich selbst da sehe. Nicht das man das nicht auch an beliebiger Stelle im Internet nachlesen könnte, aber nach Jahren der Selbstverständlichkeiten lohnt sich die eigene Auseinandersetzung mit den Grundlagen vielleicht doch. Da hier auch immer wieder Leute ohne oder mit wenig BDSM-Hintergrund mitlesen – was ich wirklich schätze – fang ich mal ganz von vorne an: Alle diese Konzepte stehen für die Abgrenzung einvernehmlicher sexueller Praktiken aus dem BDSM-Bereich zu strafbarer sexueller Gewalt. Sie bilden sozusagen den moralischen Handlungsrahmen der Leidenschaft. Dank dem „Spanner Case“ und „People v. Jovanovic“ ist auch klar, wieso das Sinn macht.

SSC – Safe, sane, consensual

Dieses weitverbreitete und quasi nicht umstrittene Grundkonzept des BDSM entstand irgendwann in den 1980ern, und stammt vermutlich von David Stein, einem schwulen Lederaktivisten. Aber was bedeuten diese Komponenten?

Safe – Sicher: Natürlich wäre es nett, wenn es Sicherheit gäbe, aber Sicherheit ist relativ. Für jede Praktik findet sich bestimmt jemand der diese als sicher empfindet, und bestimmt auch genauso viele, die diese als unsicher empfinden. Jeder der schon mal mit verbundenen Augen vor ein Nachttischchen gelaufen ist und sich den kleinen Zeh gebrochen hat, weiss wovon ich rede. Es heisst schliesslich nicht umsonst Safer Sex und nicht Safe Sex.

Sane – Mit gesundem Menschenverstand: Wird oft mit „gesund“ übersetzt, bedeutet aber in der Ausgangssprache in etwa „geistige Gesundheit“ oder „vernüftig“. Das wird gerne vorausgesetzt, ist aber meiner Ansicht durchaus ein auf Kommunikation basierendes Element und betrifft auch die Eigeneinschätzung der Beteiligten. Aber wie erkennt man die geistige Normalität des anderen? Erinnert mich sehr an „don´t drink and fuck“, was auch richtig ist, aber den Spass gelegentlich unterläuft.

Consensual – Einvernehmlich: Der Schlüssel zur Einvernehmlichkeit ist ebenfalls Kommunikation. Und auch wenn eine Praktik gegen den offensichtlichen Willen des devoten Parts verlangt wird, kann das im Rahmen der individuellen grundsätzlichen Vereinbarung der beiden Partner abgesprochen sein – der gern bemühte Metakonsens.

RACK – Risk-aware consensual Kink

Dieses Akronym wurde 1999 von Gary Switch als Gegenentwurf zu SSC gepostet und entstand aus der Unzufriedenheit heraus, SSC impliziere BDSM könne grundsätzlich sicher und berechenbar sein, ein Glaube der sich in den 1990ern zunehmend verbreitet hatte.

Risk-aware – Risikobewusstsein: Etliche sadomasochistische Praktiken bergen Risiken. Risikobewusstsein, hier ist auch auch die individuelle Risikobewertung gemeint, trägt in diesem Zusammenhang der Tatsache Rechnung, dass Wissen, Können, Erfahrung und Übung potentiell gefährliche Praktiken sicherer machen können, aber auch dass sie nicht risikofrei werden. Finde ich persönlich durchaus eine Überlegung wert, wenn die Risikominimierung sich allerdings in Richtung Wiseman entwickelt, zu dem Lilasumpf ein paar nette Bemerkungen geschrieben hat, ist es mit der Lust auch schnell vorbei.

Consensual – Einvernehmlich: Hatten wir schon, allerdings stellt RACK die Einvernehmlichkeit über die Grundelemente Safe und Sane aus dem SSC, denn ist es ist durchaus möglich, dass eine Praktik hirnrissig, gefährlich und logisch nicht nachvollziehbar ist und dennoch von den Beteiligten, bei denen geistige Gesundheit vorausgesetzt wird, als Riesenspass empfunden wird. Hier würde normalerweise SSC diese unterhaltsame Aktion in die Kellerräume der Unvernunft und Unkalkulierbarkeit verbannen, RACK machts möglich.

Kink – Kink: Eigentlich kaum zu übersetzen, wird gerne schlicht als BDSM übersetzt, entspricht aber in der Bedeutung eher allen alternativen Sexpraktiken, im Englischen wird dafür auch der Begriff „alternative“ oder „special interest“ verwendet.

PRICK – Personal responsibility, informed consensual kink

Ein neuerer Begriff, der seit einiger Zeit vor allem in der englischsprachigen Gemeinde kursiert und die Eigenverantwortung betont. Noch dazu ein nicht ganz anständiges Wort für das primäre männliche Geschlechtsorgen.

Personal responsibility – Persönliche Verantwortung/Eigenverantwortung: Man sollte tatsächlich für die Dinge Verantwortung übernehmen, die man tut. Ich persönlich halte das eher für ein Grundprinzip des Lebens, als das ich das explizit auf die Sexualität beziehen würde. Aber hier schliesst das auch die Verantwortung für die körperlichen, seelischen und emotionalen Folgen des sexuellen Handelns ein. Und dabei ist nicht nur die Wund- und Heilsalbe gemeint, sondern durchaus auch die Eigenverantwortung rechtzeitig Stop zu sagen.

informed – informiert: Bezieht sich im ersten Blick auf das „Fachwissen“ der Beteiligten. Ja, man kann sich eine Menge anlesen, aber die praktische Umsetzung hapert gelegentlich dann doch etwas. Problematisch wird es an Punkten in denen Neuland betreten wird, man weiss nicht wie das Gegenüber reagiert, wenn man etwas Neues ausprobiert. Emotional betrachtet. Mal von noch nicht dianostizierten Krankheiten ganz abgesehen – Himmel, ich rede wie eine Krankenschwester.

Rest siehe oben.

Daneben gibts natürlich noch CCC und SSCF und vermutlich eine ganze Reihe anderer lustiger Buchstabenrätsel. Wer suchet der findet.

Und ich?

Wo steh ich denn nun, mal völlig abgesehen von meiner notorischen Schubladenphobie? Natürlich erkenne ich die universelle Bedeutung von SSC an, jedes Handeln sollte in irgendeiner Form auf eine ethische und allen Beteiligten bewusste Basis gestellt werden. Von daher gut als Kommunikationsbasis mit anderen BDSMlern geeignet. Das wars auch schon. Es greift mir nicht weit genug… insbesondere nicht in einer individuellen Beziehung. PRICK ist für mich zu selbstverständlich, ich Dummerle erwarte doch tatsächlich von den Menschen, dass sie eigenverantwortlich handeln und sich überlegen, was sie tun, bevor sie es tun. Noch dazu setze ich ein Mindestmaß an Begeisterung voraus, das einen dazu bringt sich zu informieren, ehe man mal eben fröhlich mit Geist und Körper eines Menschen herumhantiert.

RACK scheint mir am besten zu passen, hier wird der unvernüftige und deswegen oft besonders unterhaltsame Teil des BDSM nicht ausgeblendet, sondern unter dem Aspekt individueller Risikoabschätzung  zugelassen. Allerdings ist für jemanden wie mich, der normalerweise nicht mit Safewords oder Ampelwörtern (verbale „Sicherungssysteme“ um die Beteiligten zu schützen) spielt, auch hier nicht alles gegessen. Aber die Beschäftigung mit den kurzgefassten Spielregeln ist durchaus hilfreich, um sich über seine eigene Position Gedanken zu machen. Im Gegensatz zu meinen Anfangszeiten setze ich aber seit langem nicht mehr auf unterstützende Alphabetkonglomerate und deren moralische Stützrädchen, sondern nehme mir die Elemente die zu mir passen und belasse es bei den anderen mit vernachlässigender Kenntnisnahme. Meiner Meinung nach muss jeder seinen ganz eigenen Weg, seine ureigene Ethik und seine persönlichen moralischen Maßstäbe finden.

Meine Spielregeln und Leitworte sind heute mehr den je: Kommunikation, Wissen, Empathie, Vertrauen, Respekt und Beobachtungsgabe. Und natürlich die pure Lust am Spielen, Probieren, Entdecken und Begegnen… um es mit Schiller zu sagen:

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist,
und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

An jedem gottverdammten Tag…

Es ist mir ein unerfindliches Rätsel wieso jeden Tag 60 bis 130 (in Worten: sechzig bis einhundertdreissig) Menschen das Bedürfnis haben, in meinem Blog zu lesen. Im Vertrauen… das würde nicht mal ich tun und ich habs geschrieben. Natürlich sind da echte Perlen der Weisheit drunter, aber meistens ist es einfach nur eine Kollision meiner Realität mit der deutschen Sprache. Oder geklaut. Sei´s drum, sie tun es. Danke dafür.

Um diesen Menschen – die offensichtlich viel größere Langeweile haben als ich – den Zugang in mein wirres kleines Universum zu erleichtern, habe ich die Links repariert, die verlorengegangenen Bilder weitgehend wieder eingesetzt und die Optik etwas aufpoliert. Naja, letzteres vor allem weil mein altes Blogtheme in Rente geht. Mal ehrlich, das alte Theme war etwas abgenutzt, schliesslich starrt da jeder drauf und schmiert womöglich noch mit dreckigen Fingern auf dem Monitor rum. Das sieht man jetzt deutlich besser, also ist jetzt Händewaschen angesagt. Von den anderen Sachen, die gelegentlich auf dem Bildschirm landen, will ich gar nicht erst anfangen.

Für die wenigen, die nicht irgendwelchen Schweinkram in die Suchmaschine eingegeben haben, sondern ab und an vorbei schauen um nach mir zu sehen: Nein, ich hab das Bloggen nicht wirklich aufgegeben, ich habe nur lange Zeit „Privat veröffentlicht“ – ein Schelm, der denkt, das WordPress sich bei diesem Wortkonstrukt etwas gedacht hat.  Ob ich das öffentliche Zelebrieren meiner Unzulänglichkeiten und Merkwürdigkeiten wieder aufnehme, wird sich zeigen… aber die Hoffnung stirbt zuletzt.