Go For It, Babe

Das Fräuleinwunder hat als Miniaturprinzessin das Pech mit einer Erziehungsberechtigten ohne jedes modische Bewusstsein aufzuwachsen. Schwarz reicht. Alles drüber hinaus ist verzichtbarer neumodischer Schnickschnack. Nachdem ich mich aber redlich darum bemühe dem Kindchen Toleranz und einen Sinn für freiheitliche, individuelle Lebensführung an zu gewöhnen, darf die junge Dame sich morgens oft die Klamotten selbst aussuchen. Und solange das ansatzweise mit den Aussentemperaturen harmoniert, bin ich da durch und durch liberal.

sex pistolsMir präsentierte sich heute morgen ein 98 Zentimeter großes zeitgeschichtliches Konglomerat, dass mich jedoch wirklich an meiner Montessori-Gutmensch-Haltung zweifeln lässt. Lila Sandalen mit Glitzer aus den 2010ern, eine rote Schlaghose mit psychodelischem Muster aus der Hippieära um 1960, dazu ein schwarzes sehr 1990er Jahre Metal-Shirt und als Krönung ein mit pinkfarbenen Pailleten besticktes Käppi, das ausschaut als wäre es direkt dem Saturday-Night-Fever der 1970er entsprungen. Als sie den Rucksack mit den grünen Tigerstreifen dazu schnappte, den ich in den 1980ern schon mit mir herum schleppte, musste ich doch fragen:

Ivy: Das willst du anziehen?
Fräuleinwunder: <guckt an sich runter> Joah.
Ivy: Das ist das Schrägste was du dir bislang ausgesucht hast. Echt jetzt.
Fräuleinwunder: Ich find es toll.
Ivy: Ganz sicher?
Fräuleinwunder: <guckt nochmal an sich runter> Würde das Sex Pistols T-Shirt besser passen?
Ivy: Nee, dann wären die 70er ja doppelt, geht gar nicht. Aber schön, dass wir wenigstens den selben Musikgeschmack haben.
Fräuleinwunder: Joah. Aber wie man sich gut anzieht weißt du echt nicht.

 

Wellingtons

Gestern gab es Regenstiefel für das Fräuleinwunder. Gestreifte. Alle geistig gesunden Menschen kaufen ihre Wellies im Hochsommer, da drängelt nämlich keiner in der Gummistiefelabteilung. Neben den Streifen haben die Stiefel auch noch eine Anziehhilfe. Und eine Ausziehhilfe. Und Einlegesohlen. Natürlich auch Ersatzeinlegesohlen. Passend dazu Kleiner-mach-Einlegesohlen.

Und … tadaaa … ein sechsseitiges Manual! Wozu braucht man für Gummistiefel bitte ein Handbuch? Es ist ziemlich offensichtlich, dass diese Dinger am unteren Ende des Kindes angebracht werden müssen. Die passen sonst einfach nirgends hin. Wir reden über Geschöpfe, die immerhin bis zur Türklinke reichen wenn sie durch die Wohnung havarieren, da zieht man die Schuhe nicht versehentlich über den Kopf. Die schreien dann nämlich. Das passiert nicht mal mir. Also nicht mehr.

Was mich am meisten an der ganzen Sache stört ist nicht etwa der Baum, der für das Handbuch sterben musste, oder die zwei Tonnen Rohöl, die verbraucht wurden um eine hirnrissige Anzahl Ersatzsohlen herzustellen. Die Ökobilanz verliert immer gegen Matschpützen. Nein, es ist die Tatsache, das die Hersteller nicht wirklich an mich gedacht haben. Tausend Gimmicks, aber nicht mal ein popeliges links oder rechts auf die Stiefel drucken … das hätte nämlich mein Leben wirklich einfacher gemacht.

10 Fucking Days – Translated

Für diejenigen, die US-Serien und Filme gerne im Original ansehen ist das folgende keine Überraschung: Fuck kann nicht originalgetreu übersetzt werden. Geht einfach nicht. Die von mir so geschätzte  Flexibilität ist das Problem … jede kleine Nuance, Tonlage und diverse Zusätze führen zu einer sehr individuellen Bedeutung. Hinzu kommt es auf den Kontext an. Und auf das Gegenüber. Noch dazu kommt die grammatikalische Problematik, fuck kann jedes denkbare grammatikalische Konstrukt nicht nur annehmen, sondern auch ergänzen und dann noch durchkonjugiert werden. Es kann sogar „Ähm“ ersetzen.

Es gibt einen großen Unterschied in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Wortes. Während einige das Wort für ein Zeichen mangelnden Intellekts halten, ist es für andere etwas so banales wie ein sehr eindeutiges Ausrufezeichen, zumindest laut Ice-T im Dokumentarfilm „Fuck!“. Da ist es übersetzungstechnisch mit einem profanen „Scheisse“ nicht getan. Es kommt nämlich auch darauf an, wer der Empfänger dieses Ausrufezeichens ist. Sollte es Oma Erna oder der Papst sein, dann hat man quasi seine eigene Verbrennung auf dem Scheiterhaufen beschlossen. Übersetz das mal. Na? Nicht so leicht, gell.

Andere häufig vorkommende Varianten wie beispielsweise Fuck off werden gerne mit „Verschwinde“ übersetzt. Mööp. Zu schwach. Viel zu schwach. Oder Fuck it mit „Lass gut sein.“ Nee, das trifft nicht den Kern der Sache. Nicht mal „Scheiß drauf“ hat das wirkliche Potential eines ernstgemeinten Fuck it. Denjenigen, die glauben: Let’s fuck würde eine Frau ins Bett bewegen … sorry, es bedeutet nicht das gleiche wie Let’s have sex.

Letztendlich ist es – kultursensitiv betrachtet – nicht möglich das F-Wort wirklich zu übersetzen. Zumindest nicht im vollen Umfang der Möglichkeiten. Im Deutschen deeskaliert man zu meinem Erstaunen bei der Syncronisation gerne, da wird aus einem fucktard ein Idiot. Aber ganz im Vertrauen – das trifft den Kern der Sache nicht wirklich. Die Zusammensetzung aus Fuck/er und retarded beschreibt im Prinzip einen unfassbar dämlichen, nervtötenden, vor unentschuldbarer Dummheit strotzenden Menschen, der ein 24seitiges Handbuch braucht um eine Klospülung zu betätigen und es dann trotzdem falsch macht. Man kennt das ja. Aber man kann es nicht übersetzen.

10 Fucking Days – Mindfucking

Something that intentionally destabilizes, confuses or manipulates the mind of another person.

Einem Menschen etwas vorzugaukeln, das nicht existiert, Gefühle auszulösen, die der umgebenden Realität nicht entsprechen,  Bilder in den Kopf zu setzen, Fantasien lebendig scheinen zu lassen – Ein wunderbares Spiel, sofern man mit dieser speziellen Art von Beeinflussung umgehen kann. Und ich kann es.

Also kann ich mir selber einreden, ich stünde jetzt nicht in der Küche und würde Kuchen backen, sondern würde jetzt am Rechner sitzen und einen großartigen Artikel über Mindfucking schreiben … Ganz wie in Twelve Monkeys … echter Mindfuck vom Allerfeinsten. Im Übrigen nennt man das Filmgenre tatsächlich so.

Are you really sure?

10 Fucking Days – Fuck-Up

Hierzulande versteht man unter einem Fuck-up meistens Leute, die wirtschaftlich gescheitert sind, beispielsweise ein Start-up gegen die Wand fahren. Für diese bedauernswerten Menschen gibt es Meetings, Seminare und Treffen… aber natürlich erst dann, wenn sie ihr Scheitern schon überwunden haben. Vorher ist es uncool ein Fuck-up zu sein.

Die Amerikaner gehen mit dem Wort sehr viel großzügiger und universeller um – wer hätte das wohl gedacht? Fuck up kann dort auch als Verb benutzt werden: My computer ist all fucked up. Wobei das oft ein Hinweis darauf ist, das der Mensch vor dem PC auch ein Fuck-up ist. Eine Frau, deren Ex-Partner alle schwul werden ist definitiv ein Fuck-up. Männer, die immer zu spät kommen, weil sie ihr Navi falsch programmieren? Fuck-ups. Fettnäpfchenmagneten, Wortverdreher, Pleitegeher – Fuck-up. Katze, die immer nebens Katzenklo macht… na was? Klar, eine Fuck-up-Katze.

Dann gibt es noch das, was im Deutschen oft sehr charmant und euphemistisch mit „Schusseligkeit“ umschrieben wird. In Wahrheit meinen wir aber eher semi-professionelle Fuck-ups. Das ist meine Liga, ich mach das auf ganz hohem Niveau. Das geht soweit, das meine Mitmenschen versuchen mir scharfe Gegenstände vorzuenthalten, mir Tipps geben um mich beim BDSM nicht selbst zu verletzen und mich daran hindern auf Hocker zu steigen. Wenn jede andere Frau elegant an einem weithin sichtbaren Hindernis vorbei schwebt, keine Chance… ich erwisch es immer. Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt mich auf die Schnauze zu legen, dann nehm ich einfach einen zweiten Anlauf und versuch es nochmal.  Fuck it, schusselige Frauen sind wenigstens sexy.