Sommerferien

Ivy: Jetzt hat der Kindergarten Sommerferien, ist das nicht toll?
Fräuleinwunder: Ja, sehr geil.
Ivy: Was sollen wir in den Ferien machen?
Fräuleinwunder: Können wir bitte zu IKEA gehen?
Ivy: Warum, willst du was kaufen?
Fräuleinwunder: Ich will dort in den Kindergarten, der hat die ganzen Sommerferien offen!

Fräuleinwunders Sommerlied – DaDaDa

Informatikerschwemme

Manche Frauen haben eine magische Anziehungskraft auf Vollpfosten, andere haben den eingebauten Arschlochmagneten. Ab und an scheinen sich in meiner Nähe zwar bevorzugt Männer zu bewegen, die ohne fremde Hilfe kaum bis drei zählen können, aber das sind nur Phasen. Meine DNA hat nämlich wirklich Humor und sich für mich was Spezielles ausgedacht. Ausgerechnet ich, die ich nicht die leiseste Ahnung von PCs habe und mich auch nicht dafür interessiere, ich die glaubt Computer müssten nur eine Sache können, nämlich genau das was ich will, ausgerechnet mir wird das Informatiker-Gen geschenkt. Sehr lustig. Darwin lacht irgendwo sicher grade leise vor sich hin.

math-1Natürlich liebe ich Zahlen, aber diese Liebe schlägt sich nicht in einem binären Verstand nieder. Ich bin fernab jeder Logik und strukturellen Denkens, mathematische Zusammenhänge erschliessen sich mir nicht, es sei denn es handelt sich um exotische statistische Paradoxen wie das Ziegenproblem. Meine Welt ist lustig, bunt, chaotisch; meine Wahrnehmung haptisch und intuitiv. Was also verbindet mich mit Informatikern? Genau… nichts. Und trotzdem waren vier meiner letzten fünf Beziehungen, ganz unabhängig von ihrer Intensität, von Berufs wegen Informatiker. Nimmt man es genau, ist das so etwas wie das Geburtstagsparadoxon: Wenn in einem Raum 23 Personen befinden, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei von ihnen am gleichen Tag Geburtstag haben? Rat mal… falsch gedacht, die Wahrscheinlichkeit beträgt über 50%. Gut, gell.

Bei mir tritt ein ähnliches Phänomen auf: Wenn sich hundert Männer in einer Bar befinden und davon ist einer Informatiker, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Kellerkind mit nach Hause nehme? Richtig… 99,9%. Unlogisch zwar, aber das haben Paradoxen so an sich. Dabei habe ich entgegen jeder statistischen Wahrscheinlichkeit nie zwei beruflich ähnliche Informatiker kennengelernt, es gab Softwareentwickler, Gamedesigner, Verkehrsinformatiker und Finanztechniker, ein besonderes und unvergessenes Highlight unbewusster Anziehungskraft führte mich sogar mal zu einem Numeriker. Kluge und wundervolle Männer allesamt, aber sinnstiftende Unterhaltungen über den Job scheiden zwangsläufig aus. Was möglicherweise dazu führt, dass wir uns im Wesentlichen auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren. Auch wenn ich manchmal denke, ein Handwerker wäre eine erfrischende Abwechslung, ist diese Prädisposition auf Nerds vielleicht doch nicht die Schlechteste… im Vergleich mit dem Arschlochmagneten. Aber das wäre schon wieder Kategorientheorie. Und Mathematik mag ich ja nu gar nicht.

6,24 €

Endlich habe ich mein genetisches Programm des Teelichterhortens und Sammeln kleiner nutzloser Dekogegenstände besiegt. Nach Jahren horrender IKEA-Rechnungen bin ich trotz mütterlicher Unterwanderung “Jetzt sei doch nicht so und gönn dir mal was.” und Liebster-Freundinnen-Versuchung “Oh schau mal, ist das nicht wie für dich gemacht.” mit genau den Sachen rausgelaufen, die wirklich nötig sind. Drei Gläser als Ersatz eines fräuleinwunderschen Unfalls, eine grüne Kerze und ein grüner Teigschaber. Die Farben waren reiner Zufall, also fast. Und kostenneutral.

Die Rechnung: 6,24 €. In Worten: Sechs Euro und vierundzwanzig Cent. Ich konnte das erste Mal seit Äonen meinen IKEA-Einkauf bar bezahlen. Mit Münzgeld. Wenn ich das schaffe, dürfte die Weltherrschaft eigentlich ein Klacks sein.

Herrin? Nein, danke.

Die Begrifflichkeit “Herrin” wird in der BDSM-Szene zur Anrede dominanter Frauen gern genutzt. Teilweise auch recht inflationär. Es scheint ein in der Sache liegendes Bedürfnis zu sein, die Frau, der man sich unterordnet, sprachlich zu erhöhen. Soweit so gut und nachvollziehbar, allerdings war mir die “Herrin” immer suspekt, fühlt sich für mich nicht gut an, stellt mich nicht wirklich dar, entspricht mir einfach nicht. Einerseits braucht es diese Art des verbal injurierten Respektes mir gegenüber nicht… ich bevorzuge Taten statt Worte um Respekt auszudrücken, andererseits war mir das Wort an sich immer unangenehm, ohne wirklich zu wissen wieso. Ein kleiner Nebensatz der liebsten aller Freundinnen hat mir gestern die Augen geöffnet:

“Ich bin kein weiblicher Herr.” 

Ist es wirklich so einfach? Nach einigem Nachdenken bin ich zur Einsicht gekommen… Ja, für mich schon. Ich benutze zwar ohne Schmerzen das generische Maskulinum und erspare mir irgendwelche unlesbaren gendergerechten Konstrukte, aber sobald sich etwas auf mich bezieht verwende ich, wo immer möglich, die eindeutig weibliche Variante. Ich lege beispielsweise Wert darauf keine Krankenpflegerin zu sein, ich bin eine Krankenschwester, und das schon immer. Ohne darüber nachzudenken. Es hat mich auch nie gestört “Lady” genannt zu werden, auch wenn ich dem vom Typus her nicht entspreche. Eine Lady ist sprachlich betrachtet keine Beiordnung zu einem männlichen Ausdruck, sondern ein eigenständiger Begriff. Ebenso wie “Madame” oder “Mistress”.

Beim Sinnieren über den allgemeinen und den eigenen Sprachgebrauch fiel mir auf, dass ich auch den Ausdruck “Femdom” benutze. Wieso passt das denn in mein Sprachgefühl? Klar, es gibt im Englischen nicht nur die Femdom, sondern auch den Maledom. Sehr eindeutig in der Zuweisung. Also akzeptabel. Sehr ungern lese ich allerdings das im deutschen verwendete “die/meine Dom”. Gefühlt unschön, die Neigung ist deutlich, aber die Frau wird nur durch Artikel/Personalpronomen klar. Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso ich in Ermangelung eines besseren Ausdrucks für mich selbst “Domme” benutze.

Fazit: In Zukunft werde ich aufhören die gute, alte Herrin als Anrede zu tolerieren und sie in die völlige Verbannung schicken… und mich wie gehabt einfach Ivy nennen lassen. Vielleicht auch Lady… aber bittschön nur sonntags. Und ohne Siezen.

Kinky Fucky Time

Ich habs immer noch nicht mit BDSM-Mainstream-Musik… ist ja fein und nichts gegen Carlos Perron, aber mein BDSM ist meist bunt und fröhlich. Manchmal lach ich sogar dabei. Verwerflich, ich weiss. Aber ich bin anscheinend nicht ganz alleine damit…

Thank you for having fun!

 

Hawking-Index vs. 50 Shades

Der Hawking-Index (HI) ist eine kleine lustige Analyse, die der amerikanische Mathematikprofessor Jordan Ellenberg anhand des eBook-Leseverhaltens der Amazonkunden entwickelt hat.  Wer es noch nicht wusste, Amazon schaut seinen Lesern – natürlich völlig ohne bösen Absichten – über die Schulter. NSA, BND and so on wahrscheinlich auch, also kommts auf Herrn Ellenberg nicht mehr an, noch dazu verwendet er ja nur die öffentlich einsehbaren Daten, die Amazon zur Verfügung stellt… über die anderen Daten decken die Datensammler netterweise den Mantel des Schweigens. Bedenklich, aber nicht mein Thema.

Der Index, den Ellenberg übrigens selbst als eine nicht wirklich wissenschaftlich basierte Spielerei bezeichnet, versucht zu beschreiben wieviel Prozent eines Buches vom Leser tatsächlich gelesen wurde, ehe es in die virtuelle Tonne gekloppt wird. Nicht wirklich erstaunlich: Weder “Das Kapital im 21. Jahrhundert” von Thomas Piketty (HI 2,4%) noch Stephen Hawkings “Eine kurze Geschichte der Zeit” (HI 6,6%) wurden wirklich gelesen. Aber eifrig gekauft, ist klar. Macht sich ja auch gut. Erinnert mich ein wenig an die wirklich wichtige Weltliteratur, die in den Regalen meiner Großeltern vor sich hinstaubte und beim Aufschlagen aussah wie neu. Kein Eselsohr, kein Kaffeefleck, nicht mal ein wenig Zigarettenasche, die immer ein untrügliches Zeichen geliebter und gelesener Bücher war.

BücherstapelInteressant auch, das der unvermeidbare Neoklassiker der BDSM-Literatur “Fifty Shades of Grey” von E.L. James nur einen HI von 25.9% erreicht. Das bedeutet nur jeder vierte Käufer hat das Ding tatsächlich zu Ende gelesen. Woran das wohl liegt? Ich hab da ja einen Verdacht, der sich insbesondere auf die nicht grade überwältigende Sprachkompetenz der Fanfictionfraktion bezieht. Eine andere Frage die sich mir in dem Zusammenhang stellt… Wieso hat man sich das Buch gekauft? Ja, ich weiss, man kann sich als passionierter Leser des klassischen Schundes durchaus M. de Sade, Sacher-Masoch und Pauline Reage ins Regal stellen, aber wer zur Hölle würde James daneben stellen nur um seine literarische Gefestigtheit innerhalb der subkulturellen Lesewelt zu demonstrieren? In jedem anderen Wohnzimmer geht das meines Erachtens auch nur bei einem recht hohen Grad an “Asche-auf-mein-Haupt”-Selbstbezichtigungstoleranz. In meinem Geiste sehe ich das wunderbare Bild eines in friedlicher Ungelesenheit versammelten Bücherhaufens auf dem Klo… Pickett, James, Mann und Hawking schmusen sich dort einer seligen Vergessenheit entgegen… während die Comics obenauf liegen und voller undefinierbarer Flecken und Zigarettenasche eines zweiten regen Lebens erfreuen. Ellenberg sei Dank.