6,24 €

Endlich habe ich mein genetisches Programm des Teelichterhortens und Sammeln kleiner nutzloser Dekogegenstände besiegt. Nach Jahren horrender IKEA-Rechnungen bin ich trotz mütterlicher Unterwanderung “Jetzt sei doch nicht so und gönn dir mal was.” und Liebster-Freundinnen-Versuchung “Oh schau mal, ist das nicht wie für dich gemacht.” mit genau den Sachen rausgelaufen, die wirklich nötig sind. Drei Gläser als Ersatz eines fräuleinwunderschen Unfalls, eine grüne Kerze und ein grüner Teigschaber. Die Farben waren reiner Zufall, also fast. Und kostenneutral.

Die Rechnung: 6,24 €. In Worten: Sechs Euro und vierundzwanzig Cent. Ich konnte das erste Mal seit Äonen meinen IKEA-Einkauf bar bezahlen. Mit Münzgeld. Wenn ich das schaffe, dürfte die Weltherrschaft eigentlich ein Klacks sein.

Herrin? Nein, danke.

Die Begrifflichkeit “Herrin” wird in der BDSM-Szene zur Anrede dominanter Frauen gern genutzt. Teilweise auch recht inflationär. Es scheint ein in der Sache liegendes Bedürfnis zu sein, die Frau, der man sich unterordnet, sprachlich zu erhöhen. Soweit so gut und nachvollziehbar, allerdings war mir die “Herrin” immer suspekt, fühlt sich für mich nicht gut an, stellt mich nicht wirklich dar, entspricht mir einfach nicht. Einerseits braucht es diese Art des verbal injurierten Respektes mir gegenüber nicht… ich bevorzuge Taten statt Worte um Respekt auszudrücken, andererseits war mir das Wort an sich immer unangenehm, ohne wirklich zu wissen wieso. Ein kleiner Nebensatz der liebsten aller Freundinnen hat mir gestern die Augen geöffnet:

“Ich bin kein weiblicher Herr.” 

Ist es wirklich so einfach? Nach einigem Nachdenken bin ich zur Einsicht gekommen… Ja, für mich schon. Ich benutze zwar ohne Schmerzen das generische Maskulinum und erspare mir irgendwelche unlesbaren gendergerechten Konstrukte, aber sobald sich etwas auf mich bezieht verwende ich, wo immer möglich, die eindeutig weibliche Variante. Ich lege beispielsweise Wert darauf keine Krankenpflegerin zu sein, ich bin eine Krankenschwester, und das schon immer. Ohne darüber nachzudenken. Es hat mich auch nie gestört “Lady” genannt zu werden, auch wenn ich dem vom Typus her nicht entspreche. Eine Lady ist sprachlich betrachtet keine Beiordnung zu einem männlichen Ausdruck, sondern ein eigenständiger Begriff. Ebenso wie “Madame” oder “Mistress”.

Beim Sinnieren über den allgemeinen und den eigenen Sprachgebrauch fiel mir auf, dass ich auch den Ausdruck “Femdom” benutze. Wieso passt das denn in mein Sprachgefühl? Klar, es gibt im Englischen nicht nur die Femdom, sondern auch den Maledom. Sehr eindeutig in der Zuweisung. Also akzeptabel. Sehr ungern lese ich allerdings das im deutschen verwendete “die/meine Dom”. Gefühlt unschön, die Neigung ist deutlich, aber die Frau wird nur durch Artikel/Personalpronomen klar. Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso ich in Ermangelung eines besseren Ausdrucks für mich selbst “Domme” benutze.

Fazit: In Zukunft werde ich aufhören die gute, alte Herrin als Anrede zu tolerieren und sie in die völlige Verbannung schicken… und mich wie gehabt einfach Ivy nennen lassen. Vielleicht auch Lady… aber bittschön nur sonntags. Und ohne Siezen.

Kinky Fucky Time

Ich habs immer noch nicht mit BDSM-Mainstream-Musik… ist ja fein und nichts gegen Carlos Perron, aber mein BDSM ist meist bunt und fröhlich. Manchmal lach ich sogar dabei. Verwerflich, ich weiss. Aber ich bin anscheinend nicht ganz alleine damit…

Thank you for having fun!

 

Hawking-Index vs. 50 Shades

Der Hawking-Index (HI) ist eine kleine lustige Analyse, die der amerikanische Mathematikprofessor Jordan Ellenberg anhand des eBook-Leseverhaltens der Amazonkunden entwickelt hat.  Wer es noch nicht wusste, Amazon schaut seinen Lesern – natürlich völlig ohne bösen Absichten – über die Schulter. NSA, BND and so on wahrscheinlich auch, also kommts auf Herrn Ellenberg nicht mehr an, noch dazu verwendet er ja nur die öffentlich einsehbaren Daten, die Amazon zur Verfügung stellt… über die anderen Daten decken die Datensammler netterweise den Mantel des Schweigens. Bedenklich, aber nicht mein Thema.

Der Index, den Ellenberg übrigens selbst als eine nicht wirklich wissenschaftlich basierte Spielerei bezeichnet, versucht zu beschreiben wieviel Prozent eines Buches vom Leser tatsächlich gelesen wurde, ehe es in die virtuelle Tonne gekloppt wird. Nicht wirklich erstaunlich: Weder “Das Kapital im 21. Jahrhundert” von Thomas Piketty (HI 2,4%) noch Stephen Hawkings “Eine kurze Geschichte der Zeit” (HI 6,6%) wurden wirklich gelesen. Aber eifrig gekauft, ist klar. Macht sich ja auch gut. Erinnert mich ein wenig an die wirklich wichtige Weltliteratur, die in den Regalen meiner Großeltern vor sich hinstaubte und beim Aufschlagen aussah wie neu. Kein Eselsohr, kein Kaffeefleck, nicht mal ein wenig Zigarettenasche, die immer ein untrügliches Zeichen geliebter und gelesener Bücher war.

BücherstapelInteressant auch, das der unvermeidbare Neoklassiker der BDSM-Literatur “Fifty Shades of Grey” von E.L. James nur einen HI von 25.9% erreicht. Das bedeutet nur jeder vierte Käufer hat das Ding tatsächlich zu Ende gelesen. Woran das wohl liegt? Ich hab da ja einen Verdacht, der sich insbesondere auf die nicht grade überwältigende Sprachkompetenz der Fanfictionfraktion bezieht. Eine andere Frage die sich mir in dem Zusammenhang stellt… Wieso hat man sich das Buch gekauft? Ja, ich weiss, man kann sich als passionierter Leser des klassischen Schundes durchaus M. de Sade, Sacher-Masoch und Pauline Reage ins Regal stellen, aber wer zur Hölle würde James daneben stellen nur um seine literarische Gefestigtheit innerhalb der subkulturellen Lesewelt zu demonstrieren? In jedem anderen Wohnzimmer geht das meines Erachtens auch nur bei einem recht hohen Grad an “Asche-auf-mein-Haupt”-Selbstbezichtigungstoleranz. In meinem Geiste sehe ich das wunderbare Bild eines in friedlicher Ungelesenheit versammelten Bücherhaufens auf dem Klo… Pickett, James, Mann und Hawking schmusen sich dort einer seligen Vergessenheit entgegen… während die Comics obenauf liegen und voller undefinierbarer Flecken und Zigarettenasche eines zweiten regen Lebens erfreuen. Ellenberg sei Dank.

Meine Mannschaft

Frauen geben Männern Aufgaben, Aufträge und Anweisungen… jeden Tag und überall. Manche Frauen tun das sehr bewusst und überlegen sich sogar, wie sie ihre Auserwählten mit diesen Anordnungen so richtig in Schwierigkeiten bringen. Ich liebe sowas und was noch besser ist, dank meiner dominanten Neigung wird das nicht nur von mir erwartet, sondern tatsächlich erwünscht. Auch wenn es gelegentlich etwas mühselig ist, sich immer wieder neuen Quatsch einfallen zu lassen, der je nach Gusto lehrreich, erniedrigend, erregend oder tatsächlich meinem Wohlbefinden dienen soll. Ab und zu finde ich es auch nett, wenn es den Begünstigten einfach nur lästig ist.

670px-Perform-a-Royal-Naval-Salute-Step-1Was mich an diesem Befehlen-Gehorchen-Komplex reizt, ist nicht nur jemanden dazu zu bringen, das zu tun, was ich mir einbilde, sondern auch das daran anschliessende Gefühl.  Es ist eine Mischung aus Zufriedenheit, Glück, Befriedigung und tatsächlich auch Stolz. So ein wenig als würde “unsere” Mannschaft heute Abend die Fussball-Weltmeisterschaft gewinnen. Und zwar durch Einsatz, Kampfgeist und Selbstüberwindung. Meine persönliche Mannschaft hat es gestern schon geschafft mir dieses Gefühl zu geben.

Danke Jungs.

Besitztümer

Meine rekonvaleszierende Mum wurde aus dem Krankenhaus entlassen und hat tagsüber nicht viel zu tun. Sie soll sich schonen. Die in ihren Augen völlig sinnlose Zeit der Erholung kann man ja wohl kaum besser verbringen, als bei der Tochter rumzuhängen und ihr unabdingbare Lebensweisheiten mit auf den Weg zu geben. Klar, Mum halt. Eine ihrer liebsten Weisheiten umfasst die mütterliche Erkenntnis, dass alle Menschen, ausser ihr natürlich, viel zu viele Sachen haben. “Kind, wirf doch mal die Tupperschüsseln weg, soviele braucht kein Mensch!” oder “Wer um Himmelswillen sammelt schon Apothekengläser, da muss man auch mal verzichten lernen.” Schön war auch: “Schatz, wozu brauchst du eine Schuhschachtel voller Karabiner?”

sobich10-11-07-8

©  Pinakothek der Moderne Foto: Alexander Laurenzo

Als Muttern abends das Haus verlässt, sagt sie beim Gehen noch: “Ach ja, ich hab im Krankenhaus ausversehen ein paar Tassen eingesteckt und hab sie in deinen Schrank gestellt. Nur falls Gäste kommen.” Ja, nee, is klar, Mummy, ausversehen. In meinen Schrank. Der deiner Meinung nach zu voll ist. Wenigstens weiss ich jetzt wieso du dauernd neue Sachen kaufen kannst, und trotzdem deine Schränke nie voll sind, du lagerst den ganzen aussortierten Mist bei uns ein.

Monstertruck

(Foto:Suzuki/sh)

(Foto:Suzuki/sh)

Tatort Parkplatz: Nach dem Einkaufen steht neben meinem Auto ein riesenhafter SUV, gegen den mein Polo ausschaut wie ein Import aus Schlumpfhausen. Es ist sonnig und heisswindig, deshalb parke ich den Einkaufswagen im Schatten dieses beeindruckenden Stahlwerks… wieviele Autos werfen schon einen Schatten wie ein zweistöckiges Haus? Ich geb zu, es war nicht wirklich viel Platz zwischen Karren und den beiden Fahrzeugen, aber… hey… zwei Millimeter sind ne Menge Luft, wenn man es genau nimmt.

Der Besitzer des Wagens, nur mit einer kleinen Tüte in der Hand, kommt hyperventilierend auf mich zu. Vermutlich macht seine Frau mit dem Corsa die Grosseinkäufe, denn er ist nicht wirklich auf eine Kollision seines Lieblingsstückes mit weiblicher Vorstadtpragmatik eingestellt. “Aber sonst gehts?” ruft der Herr etwas erbost und deutet panisch zu seinem Auto. “Was denn, da ist doch noch ewig viel Platz.” versuche ich ihn schulterzuckend zu beruhigen. Ich mag SUVs nicht besonders, zu gross, zu dreckig, zu blöd zum Parken, also bin ich in Fragen eventueller Beschädigung derselben tiefenentspannt. “Aber der ist doch nagelneu!” Ich räume unbeirrt meine Habseligkeiten in mein Matchboxauto. “Himmel, Frau, der hat ein Vermögen gekostet.”

Ich richte mich auf, mein Interesse ist geweckt und ich begutachte eindringlich das Objekt seiner Leidenschaft, dann ihn und wieder das Auto. Mit Kinderkulleraugen frage ich ihn “Und gabs den auch in schön?”. Fasziniert sehe ich zu, wie von seinem Hals aus eine zarte Röte aufsteigt, fast als würde man Rotwein in ein Glas giessen. Er macht leise etwas das klingt wie “Blubb” und krabbelt in sein Prachtstück. Ein wenig verwundert stelle ich fest, dass er dazu keine Leiter braucht..