Brain Freeze

Es ist zu warm, ich hab den Kopf voller Blödsinn und statt was Sinnstiftendes zu tun, beschäftige ich mich mit Eis. Schokoladeneis mit Stückchen. Und dabei fiel mir ein, wie meine Mum bei ungehemmtem Eisgenuss früher sagte: “Take care, you`ll get a brain freeze.

So wie es in Amerika keine Zugluft gibt, scheint es in Deutschland keinen brain freeze zu geben, denn das Fräuleinwunder kann vor Mums Augen soviel Eis in ihren Bauch schaufeln wie sie will – die genussverderbende Warnung bleibt aus. Meiner Meinung nach eine himmelschreiende Ungerechtigkeit…

Für diejenigen, die nicht wissen, worüber ich rede, ab 0:36 wird es anschaulich:

Die wissenschaftliche Variante des Slurpee Brain Freeze und Ice Cream Headache gibt es hier .

Erbsenzählerin

Ivy: Soll ich Pfannkuchen machen?
Fräuleinwunder: Aber mit Erbsen.
Ivy: Okay, keine Pfannkuchen. Milchreis?
Fräuleinwunder: Aber mit Erbsen.
Ivy: <seufzt> Wie wär´s mit Spinat?
Fräuleinwunder: Aber mit Erbsen.
Ivy: Das geht so nicht. Schlag du was vor.
Fräuleinwunder: Gurke. Aber mit Erbsen.
Ivy: Ich hab das mit den Erbsen verstanden, aber wir haben keine Gurke.
Fräuleinwunder: Tomatensalat. Aber mit Erbsen.
Ivy: Ich hab … ach … warte, ich weiss was.
<Ivy öffnet eine Dose Erbsen und schüttet sie in ein Schüsselchen.>
Ivy: Bitteschön. Erbsen mit Erbsen.
Fräuleinwunder: Köstlich.

Damit komm ich sicher in den Gault Millau.

Ritter sein dagegen sehr…

Ritterlichkeit ist ein furchtbar altmodischer Begriff und … ich steh total drauf. Ich meine jetzt nicht die alptraumhafte Vorstellung, dass ein Kerl im Panzeranzug ein weisses Pferd zu Schanden reitet um mich zu erobern, sondern über die klassischen ritterlichen Tugenden verfügt. Wer solche Begriffe benutzt, weiss meistens auch was diese beinhalten, aber nachdem das Hochmittelalter schon ein paar Tage her ist, repetiere ich nochmal:

Die ritterlichen Tugenden umfassen folgende Normen:
Zurückhaltung (mâze), Beständigkeit (staete), Würde (werdekeit), Anstand/Wohlerzogenheit (zuht), Demut (diemüete), Freundlichkeit (güete), Höflichkeit (höveschkeit), Tapferkeit (manheit), Großzügigkeit (milte), Treue (triuwe), ritterliches Ansehen (êre), seelische Hochstimmung (hôher muot)

Und mal ehrlich, das liest sich doch wie “nimm mich” … Ein Mann, der im ersten Anlauf versteht, wieso seine Holde die Jacke auf den Boden fallen lässt, wenn er sie ihr nicht abnimmt. Einer der intuitiv weiss, dass es keine gute Idee ist, sich zu setzen, wenn seine Lady noch steht. Der seiner Liebsten beim Zahnarzt die Hand hält. Einer, der die Schwächen seiner Angebeteten mit einem Lächeln zu überstehen weiss. Einer, der sich mit Würde niederknien kann und bittschön auch rot wird, wenn er gezwungen wird, schmutzige Wörter zu benutzen.

Es ist einfach sich rotzig aufzuführen, sich selbst für den Nabel der Welt zu halten und sich wie ein Holzfäller durch soziale Bindungen zu brechen, aber nicht solche Tugenden zu pflegen. Es wirkt leicht anachronistisch und macht Arbeit. Es erfordert Disziplin und Selbstreflexion um den schmalen Grad zwischen Manieriertheit und Authentizität zu finden ohne überbordend ernsthaft oder furchtbar albern zu wirken. Aber wenn jemand diese Werte mit einer nonchalanten Selbstverständlichkeit vertritt und kommt da noch ein Funken der Hohen Minne dazu, werde ich an diesem Mann zur Überzeugungstäterin.

Mein liebster Submissiver hält mich deswegen für wertkonservativ, aber erstens bin ich nicht konservativ und zweitens ist das Quatsch. Ich bin nur nicht richtig modern, was das betrifft. Allerdings bin ich modern genug um zu glauben, dass ein wenig Ritterlichkeit auch den meisten Frauen hervorragend steht.

Engaged

Was soll man denn nur tun, wenn einem ein absolut entzückender Mann einem auf der Rolltreppe in einem Möbelladen sagt, dass er einen liebt? Noch dazu einer der nicht nur klug, sexy, nerdig, willig, verbindlich und devot ist, sondern auch noch das süße kleine Drachengeräusch machen kann, dass mich zum Kichern bringt. Das Leben bereitet einen nur recht unzureichend auf solche skurrilen Situationen vor.

verlobung_draussen

Ich habe die einfache Lösung gewählt und mich mit ihm verlobt.

Wunscherfüllungsfee

Es gibt eine Sache, die fürchten viele dominante Frauen wie der Teufel das Weihwasser. Sie schlagen drei Kreuze und beten leise, dass es sie nicht erwischt. Sie wollen keine Wunscherfüllungsgehilfin sein, nein, sie nicht. Aber mal ganz ehrlich und so unter uns – was denn sonst? Wie soll sich eine lebhafte und zumindest meiner Vorstellung nach erstrebenswerte tragfähige Beziehung entwickeln, wenn ich die Wünsche meines Submissiven nicht erfülle?

Ja, ich bin lang genug dabei und kenne das Geblubber von wegen frau lasse sich nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hätte und auf keinen Fall würden die Fantasien ihres geknechteten Anhängsels sie in ihrer Sexualität beeinflussen. Aber was wenn dem nicht so ist? Bin ich dann eine schlechte Domme? Oder schlimmer noch, tue ich Dinge, die im imaginären Domme-Handbuch ganz fett unter “Verboten für immer” stehen?

Aw, fuck off. Er steht auf Blow-Jobs – was soll´s, passt prima zu Tease and Denial. Er küsst gern Füsse – hey super, kann er haben, solange er nebenbei meine Schuhe putzt. Er möchte mal als Tischchen benutzt werden – nur zu, kann ich schon bequemer bloggen. Er findet es sexy, wenn ich meine Lust ohne Rücksicht auslebe – sicher doch, dann aber auch jederzeit und überall. Er will mir dienen – da ist das Kochbuch und hier die Spülmaschine. Unendliche Fantasien, unendliche Möglichkeiten.

Er lernt dann schnell was meine Oma meinte, als sie sagte: “Bedenke was du dir wünscht, es könnte wahr werden.” Ich bin fantasievoll genug um seine eigenen Vorstellungen ganz anders zu befriedigen, als er es erwartet, ich hab keine Angst nur noch die Gehilfin seiner verqueren Ideen zu sein. Ich mache mir seine Wünsche nicht zu eigen, sondern ich habe meines Erachtens nach die Aufgabe, seine Fantasien zu erfüllen – mehr noch, sie zu meiner eigenen lustvollen Befriedigung zu verdrehen, missbrauchen und verwenden. Und zwar nicht morgen oder übermorgen, sondern dann, wenn er eigentlich denkt, ich hätte seine beiläufige Erwähnung längst vergessen.

Macht mich das zu einer Erfüllungsgehilfin seiner sexuellen Wunschvorstellungen? Nein, tut es nicht. Ich bin keine Helferin, ich bin nicht mal hilfswillig. Meine kruden Wünsche und abartigen kleinen Fantasien haben jede Menge Platz und ich achte darauf, dass ich genau das bekomme, was ich will. Es schränkt mich nicht im Geringsten ein, bereichert aber meine Beziehungen ungemein. Denn ich darf alles sein: Die böse Hexe mit dem zuckersüssen Lächeln, die perverse Schwester der bezaubernden Jeannie und die zynische Elfenkönigen aus dem bitterbösen Märchen. Eine Wunscherfüllungsfee par excellence … nur mein Zauberstab schaut etwas anders aus.

Togetherness

Wie oft kommt es statistisch wohl vor, dass der Todestag eines Menschen auf seinen Hochzeitstag fällt? Vermutlich wäre es mir möglich das zu berechnen, aber würde die Antwort etwas ändern? Seit elf Jahren schreibe ich an diesem Tag etwas für Mika. Mal öffentlich, mal für mich, aber ich vergesse es nie. Es ist wichtig.

Über die Zeit lese und spüre ich eine Veränderung in meinen Erinnerungen an diesen Tag. Ja, er fehlt mir immer noch, es gäbe so vieles zu erzählen, zu lachen, zu diskutieren, zu kochen und zu feiern… aber ich fühle keine Wut mehr, fühle mich nicht mehr betrogen um meine Liebe und unser Leben. Gelegentlich bin ich noch traurig, aber der Schmerz ist nicht mehr zermürbend. Und heute habe ich kaum an den Todestag gedacht sondern an unsere Hochzeit und die lebendige Hälfte der Erinnerungen dieses Datums wieder entdeckt.

Mich erinnert, dass ich bereits um 9 Uhr morgens moderat betrunken war, weil die Trauzeugin Angst hatte, ich würde sonst nur Quatsch reden. Mika, der nachfragen musste, wie er seinen neuen Namen zu schreiben hat. Den Brautstrauss, der beinahe zu Hause vergessen wurde, mein Vater der wie immer zu spät kam, die Freunde und die Familie. Grossartiges selbst gekochtes Essen, Schneeregen und Kleinkinder mit schokoladeverschmierten Mündern. Es war eine schöne Hochzeit und es war eine wunderbare Zeit, die erleben zu dürfen, mich dankbar macht.

Die Zeit ist vorbei, aber eine neue hat begonnen. Und auch diese hat das Recht ein wunderschöner und aufregender Teil meines Lebens zu sein. Ich bin sicher, Mika ist in diesem Punkt ganz und gar meiner Meinung, denn er hat es wirklich verstanden das Leben zu feiern.

Mika

Mika Becker

24. September 1967 – 16. April 2004